UniCredit legt Übernahme-Angebot für die Commerzbank
Neue Attacke. Die italienische Großbank UniCredit verschärft ihren Vorstoß zur Übernahme der deutschen Commerzbank und legt ein Angebot für den Frankfurter Dax-Konzern vor. Ziel ist es, die im deutschen Übernahmerecht maßgebliche 30- Prozent-Schwelle zu überschreiten. Die UniCredit ist mit einem direkten Anteil von rund 26 Prozent bereits größter Aktionär der Commerzbank und kontrolliert laut eigenen Angaben inklusive von Finanzinstrumenten insgesamt 29,9 Prozent der Anteile.
Das nun angekündigte freiwillige Tauschangebot sieht vor, dass für jede Commerzbank-Aktie 0,485 neue UniCredit-Aktien geboten werden. Dies entspricht einem Preis von 30,80 Euro je Aktie und einem Aufschlag von etwa vier Prozent auf den Schlusskurs vom 13. März. Insgesamt bewertet die UniCredit die Commerzbank damit mit knapp 35 Milliarden Euro.
Unsicherheit beenden
UniCredit-Chef Andrea Orcel begründet den Schritt mit der Notwendigkeit, die anhaltende Unsicherheit zu beenden. Zugleich betont die UniCredit, man strebe trotz einer Beteiligung von mehr als 30 Prozent derzeit nicht die Kontrolle über das Institut an. Hintergrund des Vorstoßes ist auch das laufende Aktienrückkaufprogramm der Commerzbank.
Um ein Überschreiten der Schwelle zu vermeiden, musste die UniCredit bisher regelmäßig Anteile veräußern. Mit dem Angebot entfiele dieser Zwang. Zugleich eröffnet es den Italienern die Möglichkeit, ihre Beteiligung später weiter aufzustocken.
Offiziell soll das Angebot Anfang Mai vorgelegt werden. Die Annahmefrist beträgt vier Wochen. Bis spätestens 4. Mai will die UniCredit eine Hauptversammlung abhalten, um die Zustimmung der eigenen Aktionäre für eine Kapitalerhöhung einzuholen – und das wenige Tage vor der Hauptversammlung der Commerzbank am 20. Mai.
Feindliche Übernahme
In Deutschland stößt der Plan auf Widerstand: Vorstand, Arbeitnehmervertreter und Bundesregierung lehnen eine „feindliche Übernahme“ ab. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp pocht auf die Eigenständigkeit des Instituts. Der angebotene Preis bedeute „faktisch keine Prämie“ für die Aktionäre.
Sie setzt auf ambitionierte Renditeziele, steigende Dividenden und einen deutlich gestiegenen Aktienkurs als Schutzschild gegen eine Übernahme. Auch die Bundesregierung positioniert sich klar. Der Staat hält rund zwölf Prozent der Anteile und will diese vorerst nicht verkaufen. Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte, eine feindliche Übernahme einer systemrelevanten Bank sei nicht akzeptabel. Und die Gewerkschaft warnt vor einem massiven Stellenabbau im Falle einer Übernahme. K. Möchel, D. Schreiber
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