Wirtschaft
03/30/2013

Überschüssige Eier verpulvert

Die Industrie verarbeitet tonnenweise Eier. Ein steirischer Betrieb liefert sie ab April in Pulverform.

Rund 50 Millionen Ostereier werden über die Feiertage vertilgt – jeder Österreicher isst statistisch gesehen acht Stück. Klingt viel, entspricht aber zusammen mit den ganzjährigen Jauseneiern nur vier Prozent des Jahresbedarfs.

Um Ostern müssen sich Ei-Vermarkter jedenfalls keine Sorgen machen, dass sie auf den knapp 1,6 Milliarden Eiern, die jährlich in Österreich gelegt werden, sitzen bleiben. Im Gegensatz zum Großteil des restlichen Jahres. Im Sommer werden um ein Drittel weniger Eier verbraucht als im Winter.

„Neun Monate im Jahr werden zu viele kleine Größen, also Medium-Eier, produziert“, sagt Andreas Hütter vom steirischen Vermarktungsunternehmen Gnaser Frischei. Konsumenten würden vor allem zu XL- und L-Eiern greifen.

Gnaser verpackt pro Monat 25 Millionen Eier von 200 Zulieferern und macht aus der Not eine Tugend. Ab 20. April verpulvert er seine überschüssige Ware: Im ersten Eipulver-Werk Österreichs namens EiVita werden dann Eier im großen Stil aufgeschlagen, pasteurisiert und getrocknet. 125 Millionen Eier sollen in Gnas jährlich zu 1500 Tonnen Trockenei verarbeitet werden. Das entspricht 55 Prozent des heimischen Trockenei-Bedarfs.

Derzeit kommt Eipulver ausschließlich aus dem Ausland, allen voran aus Südamerika, speziell Argentinien. Und damit von Hennen aus Käfighaltung. „Weltweit kommen rund 95 Prozent der Eier aus Käfigen“, weiß Michael Wurzer von der ZAG (Zentrale Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Geflügelwirtschaft). In Asien und den USA (mit Ausnahme von Kalifornien), werden Legehennen fast ausschließlich in Käfigen gehalten, sagt er. Das wird sich auch nur langfristig ändern. In den USA wird der Ausstieg in einem Zeitraum von 25 Jahren diskutiert.

Preislich kann Hütter freilich nicht mit der Billigproduktion aus Übersee mithalten. „Wir werden je nach Haltungsform um rund 1,20 Euro pro Kilo teurer sein“, sagt er. Zur Orientierung: Ein Kilo pulverisiertes Vollei oder Eidotter wird um rund acht Euro gehandelt. Hütter hofft, die Österreich-Karte ausspielen zu können.

Made in Austria

Schließlich würde sein Pulver unter anderem das AMA-Gütesiegel tragen, und die Industrie hängt sich neuerdings gern das Österreich-Mascherl um, um bei Konsumenten zu punkten. In der Branche wünscht man ihm hinter vorgehaltener Hand „viel Glück“. Einkäufer der Industrie wären glühende Österreicher, bis es um den Preis gehe. Dann werden sie zu glühenden Europäern und ganz schnell zu Weltenbürgern, wird geätzt. Letztlich ist es aber freilich der Konsument, der entscheidet, was sich gut verkauft. Hütter ist überzeugt, dass die Nachfrage „enorm“ sein wird. Er hat rund neun Millionen Euro in das Werk gesteckt. Immer mehr Bäckereien, Konditoren, Nudelerzeuger und Fertigproduktehersteller satteln seiner Meinung nach auf Eipulver um. Es sei praktischer als Flüssigei und hätte Vorteile in puncto Produktsicherheit, meint zumindest Hütter.

Bisher ging seine Überschussware an Flüssigeiproduzenten in Österreich und Deutschland. Größter Hersteller in Österreich ist Pro-Ovo. Bis zu 1,5 Millionen Eier werden täglich im oberösterreichischen Werk aufgeschlagen und zu Flüssigei verarbeitet. Dieses verlässt meist in Tankwägen mit einem Fassungsvermögen von bis zu 23 Tonnen das Werk. Großbäcker verbrauchen bis zu hundert Tonnen Ei in der Woche. Die Zeit, diese Menge selbst aufzuschlagen, hat freilich niemand. Teils ist das Ei in den Tankwägen sogar schon mit Zucker, Salz oder Gewürzen versetzt – je nach Wunsch des Kunden. Und auch in der Gastronomie wird bei den Frühstücksbuffets gern Eierspeis aus praktischem Flüssigei aufgetischt.