Video aus der Zeit als Infineon-Vertriebsleiter: ams-Chef Everke kämpft als James Bond im Glitzeranzug

© Infineon

Wirtschaft von innen
12/04/2019

Übernahmeschlacht um Osram: Der James Bond aus Premstätten

Die Kritik wird immer lauter- ist ams-Chef Alexander Everke der geeignete Manager für den Milliarden-Deal?

von Andrea Hodoschek

Was 2003 auf den Vertriebsparties der IT-Industrie als spaßig galt, wirkt heute nur noch peinlich. In der Endphase des Übernahmekampfes des steirischen Chipherstellers um den dreimal so großen deutschen Lichtkonzern Osram sorgt ein Video, das der Spiegel ausgegraben hat, für viel Häme. Zu sehen ist der heutige ams-Chef Alexander Everke als 007 im silbernen Glitzeranzug, der gegen gegnerische Agenten kämpft und siegt. Mit dem Filmchen wollte Everke als Vertriebsleiter von Infineon seine Mannschaft motivieren.

Morgen, Donnerstag, läuft das Übernahmeangebot aus. Gewinnt der James Bond im Headquarter in Premstätten wieder, kann er sich die größte, von einem heimischen Unternehmen gemanagte Übernahme (4,6 Milliarden Euro) an die Brust heften.

Der Übernahmekampf zieht sich seit Sommer, der erste Versuch scheiterte. Everke seien grobe Fehler in der Kommunikation mit großen Aktionären passiert, wird in Analystenkreisen kritisiert.

Stimmt nicht, kontert ams-Sprecherin Amy Flécher, „das war die Verwirrung am Markt“. Der Chef fightet derzeit auf Roadshows in London und New York um den Deal und ist nicht erreichbar.

Der zweite Versuch mit 41 Euro je Osram-Aktie hat den deutschen Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) auf den Plan gerufen. Dieser lässt eine Nachschärfung des Übernahmegesetzes prüfen. ams nutzte eine Gesetzeslücke und umging die zwölfmonatige Sperrfrist. Nach dem Scheitern des ersten Angebots dürfte ams eigentlich für eine Jahr kein weiteres abgeben. Allerdings ist nicht ams selbst der Bieter, sondern zwei verschiedene ams-Tochtergesellschaften. „Alles im Rahmen des Gesetzes“, sagt man bei ams.

Viel Skepsis gegenüber dem Deal – und Everke persönlich – hat die IG-Metall. In einer Vereinbarung vom November mit Osram wurden betriebsbedingte Kündigungen in Zusammenhang mit der Fusion bis Ende 2022 ausgeschlossen. Wenige Tage später sprach Everke gegenüber Medien doch von einem Mitarbeiterabbau. Damit seien nur Kündigungen im Rahmen eines Transformationsprozesses bei Osram gemeint, argumentiert seine Sprecherin.

Klaus Abel, Vorstand der IG Metall, klingt nicht sehr freundlich. „Wenn Herr Everke sich nicht an Vereinbarungen hält, dann kann er sich auf harte Auseinandersetzungen mit der IG-Metall einrichten“, sagt der Vize-Aufsichtsratschef von Osram zum KURIER. Kündigungen sind in Deutschland wesentlich schwieriger als in Österreich und bei einer Übernahme ist niemand gut beraten, sich mit der IG Metall anzulegen.

Abel befürchtet, ebenso wie Kapitalmarkt-Experten, dass die Übernahme „wirtschaftlich immer risikoreicher wird“. Denn inzwischen haben sich, wie berichtet, Hedgefonds eingekauft und pokern um einen besseren Preis. Die Übernahme geht im Schneckentempo voran, am Montag Abend hatten erst acht Prozent der Osram-Aktionäre zugestimmt. 20 Prozent besitzt ams bereits selbst, bis Donnerstag müssen 55 Prozent erreicht werden.

Der Deal sei grundsätzlich für beide Unternehmen sinnvoll, meint man in Investorenkreisen. Aber in Deutschland wird immer stärker angezweifelt, ob Everke die richtige Person für die Zusammenführung der beiden Konzerne ist. Überheblich und ignorant trete er auf, heißt es bei vielen Gesprächspartnern. Namentlich zitieren lässt sich nur Abel: „Sein Auftreten strahlt nicht gerade Vertrauen aus.“

Aktienhandel

Seit dem Antritt von Everke in Premstätten handeln die Vorstände eifrig und auffällig mit ams-Aktien und Optionen darauf. In Relation zur Marktkapitalisierung „unverhältnismäßig“, zitierte die Schweizer Finanz und Wirtschaft einen Broker dazu. Das Fachmagazin errechnete im Juni 2018, dass die ams-Manager insgesamt einen Gewinn von mehr als 86 Millionen Euro eingefahren hatten. Im Gegensatz zur Wiener Börse müssen sich Vorstände in der Schweiz beim Handel mit eigenen Aktien nicht namentlich ausweisen.

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft bestätigt Ermittlungen gegen einen Beschuldigten wegen des Verdachts auf Insiderhandel. Der Betroffene dürfte den Konzern schon verlassen haben, es seien keine Untersuchungen gegen derzeitige Beschäftigte bekannt, so ams.