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Analyse
12/10/2019

Übernahme: Jetzt holt sich ams das Osram-Know-how

ams sichert sich 59 Prozent der Anteile. Woher die beiden Unternehmen ams und Osram kommen und wie es gemeinsam weitergehen soll.

von Thomas Pressberger

Es ging sich nur knapp aus. Der steirische Chip- und Sensorhersteller ams konnte sich bisher 59,3 Prozent der Anteile an Osram sichern, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Damit wurde die Mindestannahmeschwelle von 55 Prozent nur knapp überboten. Die restlichen Osram-Aktionäre haben noch bis 24. Dezember Zeit, ams ihre Papiere anzudienen.

Der Kurs der Osram-Aktie stieg am Montag um bis zu 14 Prozent, jener der ams-Aktien sackte dagegen um bis zu fünfeinhalb Prozent ab. Die jüngsten Ereignisse der turbulenten Übernahme, die erst im zweiten Anlauf gelang, hinterließ offene Fragen bei vielen Lesern. Der KURIER beantwortet die meistgestellten.

Wer ist die ams AG und was macht das Unternehmen?

ams ging Anfang der 80er-Jahre aus einem Gemeinschaftsunternehmen der voestalpine und dem US-Halbleiterhersteller American Micro Systems hervor. Neben dem Schloss Premstätten wurde das erste österreichische Halbleiterwerk errichtet. 1993 folgte der Börsengang und danach Jahre starken Wachstums. ams ist mittlerweile einer der führenden internationalen Hersteller von integrierten Schaltkreisen und Schaltungen unter anderem für Smartphones, intelligente Haus- und Gebäudeautomation, industrielle Automatisierung, Medizintechnik und Fahrzeuge.

Wer ist Osram und was stellt das Unternehmen her?

Osram wurde vor 110 Jahren gegründet und hat seinen Sitz in München. Das Unternehmen stellt Leuchtmittel für Spezialanwendungen, halbleiterbasierte Lichtprodukte und professionelle Leuchten her. Das Geschäft mit herkömmlichen Leuchtmitteln, wie Glühbirnen, wurde im Juli 2016 an ein chinesisches Konsortium verkauft.

Wie groß sind die beiden Unternehmen?

Der Kleine schluckte den Großen: ams machte 2018 einen Umsatz von 1,4 Milliarden Euro, heuer sollen es bereits zwei Milliarden sein. Der Osram-Umsatz liegt derzeit bei vier Milliarden, gemeinsam sollen es dann fünf Milliarden sein – eine Milliarde weniger als vorher. Der Großteil des Rückgangs soll dem Verkauf des Digitalgeschäfts von Osram geschuldet sein.

Was haben die beiden gemeinsam vor?

Bei der Übernahme von Osram geht es in erster Linie um das technologische Know-how des Unternehmens. ams-Vorstandschef Alexander Everke sieht viele Synergien. Nach seinem Wunsch soll die Kombination ams und Osram ein Portfolio haben, das es so bisher noch nicht gibt. Er will Komplettlösungen anbieten, die nur wenige andere liefern können und mit einer besseren Fertigungsstruktur und weniger Risiko in neue Märkte eintreten.

Wie will ams die Übernahme finanziell auf die Beine stellen?

Um Osram übernehmen zu können, wollte ams ungeachtet einer jetzt schon hohen langfristigen Verschuldung von mehr als 1,4 Milliarden Euro weitere Kredite in Höhe von knapp 3,9 Milliarden Euro aufnehmen. Das Kaufangebot lag bei 4,6 Milliarden Euro, ein Drittel davon soll mit einer Kapitalerhöhung getilgt werden. Unterm Strich handelt es sich um die größte öffentliche Übernahme eines österreichischen Unternehmens als Bieter.

Wer sind die Gewinner und Verlierer des Deals?

Nach derzeitigem Stand sind die Aktionäre von Osram und ams als Unternehmen die Gewinner – allen voran Alexander Everke, der bei einem Scheitern des Deals wahrscheinlich den Hut hätte nehmen müssen. Verlierer sind die deutschen Gewerkschaften, vor allem die IG Metall, die sich gegen die Übernahme gestellt haben. Auch hunderte Mitarbeiter werden durch die Finger schauen, da seitens ams bereits ein Stellenabbau bei Osram angekündigt wurde.

Dieser Artikel wurde am Dienstag 8:45 Uhr aktualisiert

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