UBS-Händler verzockt 1,5 Mrd. Euro

UBS-Händler verzockt 1,5 Mrd. Euro
Aufregung bei der Schweizer Großbank: Unerlaubte Wertpapiergeschäfte eines Mitarbeiters bringen das Institut in die Verlustzone.

Erneut erschüttert eine Hiobsbotschaft aus der Bankenszene die Finanzwelt. Wie die Schweizer UBS gestern, Donnerstag, in einem dürren Sechszeiler mitteilte, hat einer ihrer Investmentbanker durch ein "nicht authorisiertes Handelsgeschäft" 1,5 Milliarden Euro in den Sand gesetzt. Ein Verlust im dritten Quartal sei daher möglich. Das saß. Die vor Börsebeginn versandte Mitteilung schickte den Aktienkurs der größten Schweizer Bank bis am frühen Nachmittag 8,5 Prozent nach unten. Seit Jahresbeginn verlor das Papier 40 Prozent seines Wertes.

UBS-Händler verzockt 1,5 Mrd. Euro

Das unerlaubte Milliardengeschäft dürfte von einem Mitarbeiter der Londoner Investmentsparte getätigt worden sein. Die Polizei der britischen Metropole bestätigte die Verhaftung eines 31-jährigen Mannes in der Nacht zum Donnerstag. Laut Financial Times soll es sich um Kweku Adobili handeln - ein führender Mitarbeiter der Sparte. Die UBS teilte später mit, dass der "Händler mit beträchtlicher krimineller Energie" vorgegangen sei. Die Aufsichtsbehörden der Schweiz, von Großbritannien und den USA würden ermitteln. Um welche Geschäfte es sich handelte und wohin das Geld floss, ist noch unbekannt.

Die Folgen sind für die Bank jedenfalls fatal. Zum einen aus finanzieller Sicht. So rechneten Analysten bisher mit einem Quartalsgewinn von 1,1 Milliarden Franken (914 Millionen Euro). Das wird sich nicht mehr ausgehen. Der 2009 zur Sanierung angetretene Konzernchef Oswald Grübel hat der Bank nach einer dreijährigen Durststrecke mit Milliardenverlusten 2010 wieder einen Gewinn von umgerechnet 5,56 Milliarden Euro beschert. Ob diese Höhe heuer auch erreicht wird, ist nun fraglicher denn je, zumal schon im ersten Halbjahr der Gewinn auf 2,3 Milliarden Euro einbrach. Die wieder akute Finanzkrise wird ebenfalls nicht zur Belebung beitragen.

Schon vor Bekanntwerden des Skandals hat Grübel eine Verkleinerung des Investmentbankings in Aussicht gestellt. Rund 1800 Stellen werden abgebaut. In der Branche wird bereits gemunkelt, dass Grübel den Vorfall zum Anlass nehmen könnte, selbst abzudanken.

Reputation

Obwohl die Bank in ihrem Statement versichert, dass von den Malversationen keine Anlegergelder betroffen seien, bleibe ein Vertrauensverlust, fürchten Analysten. "Auch wenn die Summe nicht so hoch ist, wirft es ein sehr schlechtes Licht auf die UBS", sagt Claude Zehnder von der Zürcher Kantonalbank.

Und das nicht zum ersten Mal. So hat das Geldhaus reichen Amerikanern bei der Steuerhinterziehung geholfen und musste in Folge im Vorjahr 780 Millionen Dollar Strafe zahlen und die Namen von rund 4500 Steuersündern an die US-Steuerbehörde herausrücken. Auch in den Betrugsfall Madoff ist die UBS involviert. Der Fonds, der für Geschädigte mit dem Eintreiben von Geldern beauftragt ist, hat die Bank auf 1,4 Milliarden Euro geklagt.

In der Schweiz selbst ist das Institut ebenfalls nicht mehr gut angeschrieben, geriet es doch während der Finanzkrise in Schieflage und musste mit Staatsgeldern in Höhe von 46,7 Milliarden Euro unterstützt werden.

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