US-INTERNET-MERGER-TWITTER-MUSK

© APA/AFP/CHRIS DELMAS / CHRIS DELMAS

Wirtschaft
07/11/2022

Twitter-Klage gegen Musk Anfang der Woche

Musk will Twitter nun doch nicht kaufen. Das Unternehmen will klagen.

Twitter hat einem Medienbericht zufolge bereits eine auf Fusionsrecht spezialisierte Anwaltskanzlei angeheuert, um Elon Musk wegen seines RĂŒckzugs aus der Twitter-Übernahme zu verklagen. Twitter wolle die Klage bereits Anfang dieser Woche einreichen, berichtete die Agentur Bloomberg am Sonntag unter Berufung auf Insider. Twitter habe die Kanzlei Wachtell, Lipton, Rosen & Katz beauftragt.

Durch diese bekomme Twitter auch Zugang zu dem Anwalt Leo Strine, der in Ă€hnlichen FĂ€llen Meilensteine gesetzt habe. Die Klage werde in Delaware gefĂŒhrt werden.

Musk hatte am Freitag nach US-Börsenschluss erklĂ€rt, die eigentlich bereits vereinbarte Twitter-Übernahme im Volumen von 44 Milliarden Dollar platzen zu lassen. Über einen solchen Schritt war bereits seit Wochen spekuliert worden.

Zur BegrĂŒndung erklĂ€rte Musk, Twitter habe mehrere Punkte der Übernahme-Vereinbarung gebrochen. Das Twitter-Management hatte umgehend erklĂ€rt, dagegen rechtlich vorgehen zu wollen. Experten halten die Rechtsposition von Twitter fĂŒr stark, schließen aber nicht aus, dass sich das Unternehmen in Nachverhandlungen auf einen geringeren Übernahmepreis einlassen könnte.

Twitter mit guten Chancen

Twitter hat laut Experten gute Chancen, sich vor Gericht erfolgreich gegen den RĂŒckzug des Tesla-Chefs zur Wehr zu setzen. Denkbar sei aber auch, dass sich der Kurznachrichten-Dienst fĂŒr Nachverhandlungen oder einen Vergleich entscheide, anstatt gegen Musk einen langwierigen Rechtsstreit zu fĂŒhren, um ihn zum Kauf unter den im April vereinbarten Bedingungen zu zwingen.

Die Gerichte im US-Bundesstaat Delaware, wo der Streit ausgetragen werden könnte, haben Experten zufolge die Messlatte hoch gelegt fĂŒr den RĂŒckzug aus Übernahmen. Die verschmĂ€hten Unternehmen zögen jedoch oft die Sicherheit eines neu ausgehandelten GeschĂ€fts zu einem niedrigeren Preis oder eine finanzielle EntschĂ€digung dem Klageweg vor, der sich ĂŒber viele Monate hinziehen kann. "FĂŒr eine Einigung auf einen niedrigeren Übernahme-Preis spricht, dass ein Rechtsstreit teuer ist", sagt Adam Badawi, Juraprofessor an der UniversitĂ€t Berkeley. Zudem könnten Verhandlung chaotisch verlaufen. Es sei also keineswegs sicher, dass sich der Gang vor ein Gericht tatsĂ€chlich lohne.

Musk hatte am Freitag seine AnwĂ€lte erklĂ€ren lassen, er halte nicht mehr an seiner Kaufabsicht fest. Zur BegrĂŒndung hieß es, Twitter habe gegen eine Vereinbarung verstoßen. Das Unternehmen habe ihm nicht genĂŒgend Informationen zur VerfĂŒgung stellt, um zu untermauern, dass nur weniger als fĂŒnf Prozent der aktiven Twitter-Nutzer Spam oder gefĂ€lschte Konten seien. Twitter hatte an dieser SchĂ€tzung festgehalten, hĂ€lt es aber auch fĂŒr möglich, dass die Zahl höher ist. Musk hatte erklĂ€rt, dass falsche Twitter-Angaben ĂŒber die Anzahl der Spam-Konten eine "wesentliche nachteilige Auswirkung" (englisch: material adverse effect, MAE) darstellen könnten. Das ermögliche es ihm, gemĂ€ĂŸ den Vertragsbedingungen von dem GeschĂ€ft zurĂŒckzutreten.

Jederzeit und ĂŒberall top-informiert

UneingeschrÀnkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare