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Rote Zahlen, Chef gesucht
06/12/2015

Twitter braucht ein neues Federkleid

Nach dem Rücktritt von Vorstandsboss Dick Costolo setzen Aktionäre auf neue Strategie - oder eine Übernahme.

von Christine Klafl

Das eine oder andere Vögelchen dürfte es schon gezwitschert haben, jetzt ist es aber ganz offiziell: Dick Costolo, seit Herbst 2010 Boss des Kurznachrichten-Dienstes Twitter, tritt zurück. Standesgemäß in 140 Zeichen gab Twitter den Rücktritt am späten Donnerstagabend bekannt. Umgehend folgten 140 Zeichen als Willkommensgruß für den neuen alten Chef: Jack Dorsey, einer der Firmengründer, der Twitter 2007/’08 leitete, kehrt an die Spitze zurück. Zumindest vorläufig – bis ein neuer Vorstandsvorsitzender gefunden ist.

Dass noch kein wirklicher Nachfolger parat steht, zeigt, dass der Abflug Costolos doch plötzlicher als erwartet kam. Von Kollegen wurde Dorsey via Twitter quasi mit standing ovations verabschiedet. Von Aktionären war kein Applaus zu hören, im Gegenteil. Nach Börsenschluss am Donnerstag, als der Rücktritt bekannt wurde, zog die Aktie um acht Prozent an. Das zeigt, dass die Anleger dem Unternehmen mehr zutrauen, wenn Costolo nicht mehr das Sagen hat.

„Tatsache ist, dass viele mit der Entwicklung von Twitter schon seit Längerem nicht zufrieden sind“, sagt Monika Rosen-Philipp, Chefanalystin im Private Banking der Bank Austria. Ganz im Gegenteil zu Facebook mit seinen 1,4 Milliarden Nutzern sei es Twitter nicht gelungen, die Zahl der aktiven User spürbar zu steigern. Twitter ist bei 300 Millionen aktiven Nutzern praktisch stecken geblieben und wurde zum Jahreswechsel sogar von der Fotoplattform Instagram überholt.

Rote Zahlen

Warum Costolo aber wirklich (Vorstands-)Federn lassen musste: Es war ihm nicht gelungen, Twitter in die Gewinnzone zu führen. Das vor neun Jahren gegründete Unternehmen schreibt noch immer rote Zahlen. Im ersten Quartal 2015 weiteten sich die Verluste sogar noch aus – auf 162 Millionen Dollar. Die für die Einnahmen so nötige Werbung sei zu wenig auf die Nutzer zugeschnitten, so Rosen-Philipp. Und außerdem: Mit nur 140 Zeichen fehle es Twitter an einer wirklichen Massentauglichkeit.

Die Probleme sind schon länger bekannt – was auch am Aktienkurs abzulesen ist. Beim Börsengang im Herbst 2013 wurden die Aktien zum Stückpreis von 26 Dollar ausgegeben. Am ersten Tag schoss der Kurs zeitweise um 200 Prozent hoch und beendete den Premierentag an der Börse mit einem satten Plus von 75 Prozent. Rapide ging es weiter, bis zum Allzeithoch von 75 Dollar im November 2013. Im Anschluss schmierte die Twitter-Aktie allerdings immer wieder ab und wurde zuletzt für rund 35 Dollar gehandelt.

Übernahmegelüste

Dass sich der Twitter-Aktienkurs nach dem Rücktritt Costolos wieder etwas aufgeplustert hat, zeigt, worauf die Anleger jetzt setzen: Auf einen Neustart, der das Unternehmen in die schwarzen Zahlen bringt. Oder auf eine Übernahme. „Da kursieren Gerüchte, dass Google Interesse hat“, weiß Rosen-Philipp. Aus ihrer Sicht mache ein derartiger Deal durchaus Sinn, weil Google über kein soziales Netzwerk verfüge. Am Geld sollte es nicht scheitern: Google sitzt auf rund 100 Milliarden Dollar an Cash, Twitter ist an der Börse weniger als 24 Milliarden Dollar wert.

Am Freitag startete die Aktie an der Börse mit leichten Gewinnen. Von allzu großer Euphorie war noch nichts zu spüren.

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