Wirtschaft
28.06.2017

Türkische Turbulenzen: Und die Wirtschaft brummt trotzdem

Die Türkei hat 2017 mit einem starken Wirtschaftswachstum begonnen, heimische Exporteure freut das.

Die Nachrichten aus der Türkei, die die meisten Österreicher wahrnehmen, sind durchaus negativ: Allmachtsansprüche Erdoğans, Islamisierung, Terroranschläge. Wer in der Türkei lebt, wie Österreichs Wirtschaftsdelegierter Georg Karabaczek, hat ein anderes Bild vor Augen: Die Wirtschaft brummt wie lange nicht mehr, die Menschen konsumieren, die Wirtschaftstreibenden sind optimistisch.

Im ersten Quartal 2017 wuchs die türkische Wirtschaft mit plus fünf Prozent sogar überraschend stark. Karabaczek glaubt, dass die Wachstumsprognosen von 3,2 Prozent für das Gesamtjahr deutlich überschritten werden könnten. "Vor allem nach dem Referendum ist die Zuversicht der Menschen in der Türkei zurückgekehrt", betont er.

3 Prozent Plus bei Exporten

Karabaczek hat auch Verständnis für die große Begeisterung der Türken für Erdoğan. "Er ist der Erste seit vielen Jahren, der auf die arme Bevölkerung schaut. Er hat vielen etwas Wohlstand gebracht und eine Mittelschicht aufkommen lassen, die es zuvor im Land nicht gab", erklärt der Wirtschaftsdelegierte, der seine Jugend in der Türkei verbracht hat.

Für Österreichs Unternehmen, die in der Türkei tätig sind, ist die anziehende Wirtschaft eine gute Nachricht. Die Exporte in das Land sind im ersten Quartal um drei Prozent gewachsen. Und das trotz der schwachen türkischen Lira, die ausländische Waren teuer macht. Getragen wird die Wirtschaft in der Türkei zurzeit vom Konsum und den zum Teil staatlichen Infrastrukturinvestitionen. In Istanbul wird ein neuer Flughafen gebaut, es werden Brücken und Autobahnen errichtet. Österreichische Unternehmen sind dabei.

Tourismus leidet

Einem Sektor haben die negativen Nachrichten aus der Türkei allerdings schwer zugesetzt: dem Tourismus. Im Vorjahr sind um rund 30 Prozent weniger Urlauber ins Land gekommen. Auch heuer geht die Zahl der Touristen weiter zurück. "Der Kongresstourismus und das Geschäft mit Kreuzfahrten ist sogar komplett zum Erliegen gekommen", berichtet Karabaczek.

Der schwache Tourismus ist auch der Grund für die steigende Arbeitslosigkeit. 800.000 Menschen haben in diesem Wirtschaftsbereich ihre Jobs verloren. Hotels an der Küste sind zu Schnäppchenpreisen zu haben.