Wirtschaft
22.01.2019

Trenkwalder will Lehre als Leasingmodell anbieten

Österreich-Chef Matthias Wechner über Fachkräftemangel, Jobs für Asylberechtigte und neue Ideen in der Lehrausbildung.

Am Mittwoch lädt die Regierung zur Jobbörse für junge Asylberechtigte in die Gösserhalle in Wien-Favoriten. Mit dabei ist auch Zeitarbeits-Pionier Trenkwalder, dessen Chef Matthias Wechner mit 1500 offenen Stellen und neuen Ideen zur Ankurbelung der Lehre kommt.

KURIER: Der Höhepunkt der Konjunktur ist überschritten. Macht sich dies schon in der Personalnachfrage bemerkbar?

Matthias Wechner: Das All-Time-High mit 105.000 Beschäftigten in der Zeitarbeitsbranche im Sommer des Vorjahres war sicher ein Spitzenwert. Wir erwarten heuer eine kleine Abkühlung, aber die Auftragslage ist stabil. Der Fachkräftemangel ist nach wie vor akut, nicht nur bei höher Qualifizierten. Eine Fachkraft ist auch ein Lagerarbeiter mit Staplerschein. So jemanden finden Sie heute de facto nicht mehr.

Wie viele offene Stellen haben Sie derzeit?

Im Vorjahr hatten wir österreichweit zwischen 1500 und 2000 offene Stellen, die wir nicht besetzen konnten. Jetzt sind es so 1500, vor allem in Ballungszentren und Industriegebieten.

Welche Qualifikationen?

Quer durch.

Am Mittwoch findet eine eigene Jobbörse für Asylberechtigte statt. Ihre Erwartungen?

Wir unterstützen die Initiative, weil wir sehr viele offene Stellen haben. Die beim AMS gemeldeten Asylberechtigten sind ein Pool an potenziellen Arbeitskräften für uns, an den wir ran wollen. Durch die Jobbörse können wir mit vielen von ihnen direkt ins Gespräch kommen. Integration läuft über Beschäftigung...

Die 10.000 beim AMS gemeldeten jungen Asylberechtigten können Sie jederzeit rekrutieren. Was hindert Sie daran?

Hauptproblem sind mangelnde Sprachkenntnisse.

Dem AMS wurden zuletzt die Mittel für Deutsch-Kurse gekürzt. Springt Trenkwalder hier mit Kursen ein?

Absolut. Wir bieten allen passenden Bewerbern, denen es an den nötigen Sprachkenntnissen für den Job fehlt, Deutsch-Kurse auf unsere Kosten an. Trenkwalder Learning hat dafür ein eigenes eLearning-Tool entwickelt.

Ein eLearning-Kurs setzt PC oder Notebook voraus...

Hier können wir die nötige Infrastruktur anbieten, aber es funktioniert auch alles auf dem Smartphone.

Experten kritisieren, dass die rasche Vermittlung in Hilfsjobs wenig nachhaltig ist, weil bei nachlassender Konjunktur der Job wieder weg ist. Wie sehen Sie diese Diskrepanz?

Natürlich muss es um langfristige Beschäftigung gehen, daher ist die Lehre auch für uns Zeitarbeitsfirmen ein Thema. Warum sollten wir als Überlasser nicht ein eigenes, flexibles und innovatives Modell der Lehrlingsausbildung anbieten?

Wie könnte dieses Modell der Lehrausbildung aussehen?

Die Zeitarbeitsfirma bringt einem Betrieb einen Hilfsarbeiter, der dort die Lehre zum Kfz-Mechaniker absolvieren soll. Dabei bleibt er aber bei der Zeitarbeitsfirma beschäftigt, die alles rund um die Lehre organisiert und administriert. Der Lehrling arbeitet dann drei oder vier Jahre bei einer Firma und wird dort zum Facharbeiter.

Eine Art Leih-Lehrling, der für die Lehrzeit überlassen wird, aber kein Eigenpersonal ist?

Das Ganze ist wirklich sehr unausgereift, aber wir könnten als Zeitarbeitsfirmen den Betrieben den administrativen Lehrlingsaufwand abnehmen. Damit könnten wir die Lehre etwa für KMU attraktiver machen, weil sie weniger Bürokratie hätten. Das würde das Lehrstellenangebot erhöhen. Allein von unseren 6000 überlassenen Arbeitskräften könnten ungefähr zehn Prozent Lehrlinge sein.

Wird durch Fachkräftemangel und 12-Stunden-Tag mehr Leihpersonal fix übernommen?

Definitiv. In den vergangenen Jahren war es so, dass im Schnitt die Hälfte unserer Mitarbeiter fix übernommen wurde. Im Vorjahr waren es an die 75 Prozent. Das ist in Zeiten des Fachkräftemangels verständlich und es lässt auch die gute wirtschaftliche Lage der Betriebe zu, die Leute fix anzustellen. Trenkwalder ist aber nicht mehr nur Personalbereitsteller, wir decken als Dienstleister den gesamten Rekrutierungsprozess ab. Daher bin ich sehr optimistisch für 2019.

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Zeitarbeits-Pionier Trenkwalder

Die Trenkwalder Personaldienste GmbH ist die Österreich-Tochter der internationalen Trenkwalder-Gruppe, die  seit 2011  zur  deutschen Droege Group  gehört. Das Unternehmen beschäftigt rund 6000 Leiharbeiter in Österreich und 250 eigene Mitarbeiter an 35 Standorten. Der Umsatz beträgt rund 300 Mio. Euro. Matthias Wechner (41)  ist seit Juli 2018 an der Spitze von Trenkwalder Österreich. Er war zuvor Chef  bei der Sicherheitsfirma G4S.