Wirtschaft
07.09.2018

Trenkwalder-Chef: "Sollten Fachkräfte aus Italien und Spanien anwerben"

Personaldienstleister hat aktuell 2000 offene Stellen. Neuer CEO Matthias Wechner regt Mitarbeiterpool in Südeuropa an.

Seit 1. Juli ist der gebürtige Tiroler Matthias Wechner Österreich-Chef beim Personaldienstleister Trenkwalder. Der KURIER sprach mit ihm über den 12-Stunden-Tag, Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel und neue Formen der Rekrutierung.

KURIER: Mit dem 12-Stunden-Tag können Betriebe jetzt flexibler arbeiten und Spitzenzeiten besser mit Eigenpersonal statt Leiharbeit abdecken. Welche Auswirkungen hat das auf die Zeitarbeitsbranche?

Matthias Wechner: Wir sind kurzfristig natürlich betroffen, es wurden ja bereits Zeitarbeiter fix angestellt. Aber das Phänomen ist Bestandteil der zyklischen Zeitarbeit und daher für uns nichts Neues. Aber so lange die Auftragslage gut ist, gibt es immer Spitzen, die nicht abgedeckt werden können.

Ist die Auftragslage wirklich noch so gut? Manche sehen schon erste Wolken am Himmel.

Die Konjunktur läuft nach wie vor rund und daher ist die Personalnachfrage sehr, sehr groß. Wir haben derzeit locker an die 2000 Stellen, die wir sofort besetzen könnten. Das meiste davon sind Fachkräfte für die Industrie und IT-Berufe. Es gibt leider einen Mangel an Bewerbern.

Österreichweit sollen ja laut Befragung der Wirtschaftskammer 162.000 Stellen nicht besetzt werden können. Halten Sie die Zahl für plausibel?

Durchaus.

Wie reagiert Trenkwalder als klassischer Arbeitskräfteüberlasser auf diesen Mangel?

Wir sind zwar ein Arbeitskräfteüberlasser, aber auch Rekrutierungsspezialist. Suche und Auswahl von Mitarbeitern ist derzeit unser Kerngeschäft. Unseren Kunden ist wichtig, dass sie den gesuchten Mitarbeiter überhaupt finden. In welchem Beschäftigungsverhältnis dieser dann übernommen wird, entscheidet sich oft ganz am Schluss. Manchmal werden sie gleich fix angestellt.

Sie sind also mehr Jobvermittler als Überlasser?

Auf alle Fälle. Wenn mehr als 50 Prozent unserer Mitarbeiter fix übernommen werden, ist das auch ein Indiz dafür, dass wir gut rekrutiert haben. Wir wollen uns als umfassender Spezialist in Personalfragen positionieren.

Die Betriebe suchen auch selbst nach Personal. Was machen Sie besser?

Wir suchen professioneller, weil wir uns seit 30 Jahren damit beschäftigen. Die Zeiten, als sich die Bewerber meldeten, sind vorbei. Es ist umgekehrt. Wir müssen uns bei den Kandidaten bewerben und dafür alle möglichen Kanäle bespielen, vor allem im Social Web. Der Wettbewerb um die besten Köpfe wird immer härter. Wir zahlen Mitarbeitern Prämien, wenn sie gute Kandidaten finden. In der Wirtschaft ist die Humanressource zur kritischen Masse geworden. Man könnte sich fast schon ein Transfer-Modell wie im Fußball überlegen. Dort gibt es ja oft horrende Ablösesummen, die ein Verein einem anderen Verein für einen Top-Fußballer bezahlt.

In welchen Bereichen ist der Fachkräftemangel besonders ausgeprägt?

Also IT-Berufe sind schon seit Jahren Mangelware, das ist nichts Neues. Aber jetzt zieht es sich durch alle Branchen. Vom Hilfsarbeiter über den Facharbeiter bis zum Bilanzbuchhalter. Wir haben überall Mangel, wenn auch vorwiegend in den Industrieregionen. Wir müssen uns aber endlich darum kümmern, den Mangel längerfristig zu bekämpfen.

Was schlagen Sie vor?

Es muss ein Mix aus Maßnahmen im Inland und Ausland sein. Beispiel internationale Rekrutierungen. Hier muss Österreich aktiver beim Anwerben sein. Wobei der Fokus weg von Osteuropa, wo der Markt schon sehr gelichtet ist, mehr nach Südeuropa gelegt werden sollte. In Italien und Spanien ist die Jugendarbeitslosigkeit nach wie vor enorm hoch, wir sollten daher hier mehr qualifizierte Fachkräfte anwerben. Das wurde jahrelang vernachlässigt. Ich kann mir vorstellen, jetzt für den Wintertourismus ein Paket zu schnüren und Mitarbeiterpools in Süd- und Südosteuropa zu rekrutieren.

Die Anwerbung scheitert aber oft an den mangelnden Deutsch-Kenntnissen...

Stimmt, die Sprache ist eine Hürde. Hier braucht es Qualifizierungen. Wir bieten mit Trenkwalder Learning auch Sprachkurse an, in Deutschland in Kooperation mit der Bundesarbeitsagentur. Zum Beispiel sucht ein Wiener Unternehmer einen Bilanz-Buchhalter mit guten Englisch-Kenntnissen. Sind diese bei einem Bewerber nicht vorhanden, qualifizieren wir hier gezielt weiter.

Trenkwalder ist diesbezüglich auch ein wichtiger AMS-Partner. Wie treffen Sie die geplanten AMS-Budgetkürzungen?

Das spüren wir intensiv, weil wir ein enger Kooperationspartner sind und gemeinsame Qualifizierungen durchführen.

Trotz Fachkräftemangels gibt es 340.000 Arbeitslose und große regionale Unterschiede bei den offenen Stellen. Was muss hier getan werden?

Es muss schlicht attraktiver werden, nach Westösterreich zu gehen, um dort zu arbeiten, statt beim AMS in Wien zu bleiben. Im Arbeiterbereich kann es durchaus attraktiver sein, zu Hause zu bleiben, wenn man fürs Arbeiten nicht viel mehr bekommt.

Sind die Sozialleistungen zu hoch oder doch die Löhne zu niedrig?

Die Wahrheit wird wohl irgendwo in der Mitte liegen.

Über 50-Jährige finden trotz guter Qualifikation und Personalmangels nur schwer einen Job und werden von Personalisten oft ignoriert. Warum?

Wir haben zwar Kunden, die gezielt nach Älteren fragen, aber das ist natürlich nicht die Mehrheit. Ich denke, die Firmen glauben, über 50-Jährige sind nicht mehr flexibel genug und es ist schwer, sich wieder von ihnen zu trennen. Vielleicht müsste hier auch arbeitsrechtlich mehr getan werden.

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Zur Person:

Der Tiroler Jurist Matthias Wechner (41) löste  im Juli  Klaus Lercher an der Spitze von Trenkwalder Österreich ab. Lercher übernahm den oberösterreichischen Mitbewerber TTI. Wechner war zuvor Chef  bei der Sicherheitsfirma G4S  und früher als stv. Kabinettschef von Minister Günther Platter im Verteidigungsministerium tätig.

Die Trenkwalder Personaldienste GmbH ist die Österreich-Tochter der internationalen Trenkwalder-Gruppe, die seit 2011 zur deutschen Droege Group  gehört. Das Unternehmen beschäftigt rund 6000 Leiharbeiter in Österreich und 250 eigene Mitarbeiter an 35 Standorten. Der Umsatz beträgt rund 300 Mio. Euro.