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Wirtschaft
05/14/2020

Treffsichere Prognosen: Das waren Österreichs beste "Orakel"

Prognosen für BIP und Co.: FocusEconomics untersuchte, welche Wirtschaftsforscher 2019 die beste Punktlandung schafften.

von Hermann Sileitsch-Parzer

Die Corona-Pandemie ist für Konjunkturforscher eine undankbare Zeit. Momentan können sie sich bei der Erstellung ihrer Wirtschaftsprognosen auf gar keine Erfahrungswerte verlassen. Aber auch in "normalen" Zeiten ist die Treffsicherheit recht unterschiedlich.

Das Institut FocusEconomics mit Sitz in Barcelona hat die makroökonomischen Prognosen für 89 Länder und 22 Rohstoffpreise im Blick. Und kann deshalb nachträglich feststellen, welche Forscher, Institute oder Banken am besten ins Ziel getroffen haben.

Globales Ranking: London dominiert

International führen die Gewinner-Liste Capital Economics, eine 1999 gegründete Beratungsfirma mit Sitz in London, und die Economist Intelligence Unit (EIU), ein 1946 gegründeter Beratungsableger des gleichnamigen britischen Wochenmagazins, an. Die beiden Institute konnten die ersten Plätze in 54 bzw. 35 der Kategorien abstauben.

In der Österreich-Gesamtwertung erwies sich heuer ein ausländischer Forscher am treffsichersten: Die geringste Abweichung wiesen die Prognosen von Ángel Talavera, Chefökonom für Europa bei Oxford Economics, auf.

Auf Platz zwei landete Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Unicredit-Bank Austria mit seinem Team. Platz drei ging heuer an das Institut für Höhere Studien (IHS) mit Konjunktur-Chef Helmut Hofer. Das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) trug den Sieg in der Kategorie Budgetsaldo davon.

Osteuropa-Expertise aus Wien

Das sind allerdings nicht die einzigen rot-weiß-roten Experten, die Spitzenplätze einnehmen. Die Osteuropa-Experten des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) und jene der Erste Bank konnten sich Topränge in gleich mehreren Ländern sichern.

Für die WIIW-Forscher aus der Wiener Rahlgasse holte Olga Pindyuk einen Spitzenplatz: Sie liefert die treffsichersten Ukraine-Gesamtprognosen ab. Dazu kommen noch sechs weitere erste Plätze sowie je fünf zweite und dritte Ränge in Einzelkategorien für Bosnien, Kasachstan, Polen, Albanien, Tschechien, Kroatien und Russland.

Für die Erste Group konnte Małgorzata Krzywicka die Gesamtwertung in Polen holen. Orsolya Nyeste bewies für Ungarns Wirtschaft das beste Gespür unter allen Forscherinnen und Forschern.

Auch Raiffeisen Research konnte aufzeigen; es gelangen zweite Plätze in drei Kategorien und sieben dritte Plätze, unter anderem für Indikatoren in Bosnien, Albanien, Weißrussland und Ungarn.

So läuft das Ranking

Zur Methode: FocusEconomics lässt in die Wertung die Vorhersagen aus einem Zeitraum von 22 Monaten einfließen. Das heißt: Für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Jahres 2019 wurden die Prognosen ab Jänner 2018 bis Oktober 2019 gewertet.

Dabei wird für das Ranking die jeweilige Abweichung der Prognosen vom tatsächlichen, behördlich bestätigten, Endergebnis aufaddiert. Dass die Vorhersagen gegen Ende des Beobachtungszeitraums naturgemäß näher am tatsächlichen Resultat liegen, spielt für die Wertung keine Rolle. Die Abweichung wird gleich gewichtet. Somit liegt am Ende jener Analyst vorne, der im Durchschnitt die geringste Abweichung aufwies.

Für die makroökonmische Länder-Gesamtwertung werden die sechs Hauptindikatoren (BIP, Budget, Inflation, Zinsen, Wechselkurs, Leistungsbilanz) herangezogen, wobei BIP und Inflation "etwas stärker" gewichtet sind.

 

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