Eine Skisaison  mit ausländischen Gästen frühestens zu Ostern ist keine Option für die Touristiker

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01/17/2021

Touristiker zum XXL-Lockdown: "Wintersaison ist gegessen"

Der neue Ausfallsbonus ist besonders für große Betriebe zuwenig. Auch die Händler sind unzufrieden.

von Simone Hoepke

„Die Wintersaison ist vorbei“, sagt Susanne Kraus-Winkler, Sprecherin der Hotellerie in der Wirtschaftskammer. Die Politik hat am Wochenende klar gemacht, dass sie aufgrund der epidemiologischen Entwicklung frühestens Mitte Februar entscheiden kann, wann der Tourismus wieder aufsperrt. Das sei aus Sicht der Virologen durchaus nachvollziehbar, aber wirtschaftlich ein Desaster, sind sich alle in der Branche einig.

Denn große Hotels brauchen gut zwei Wochen, um ihre Häuser fit für die Saison zu machen und ab März ist diese auch schon fast wieder gelaufen. „Vielleicht sperrt dann noch die eine oder andere kleine Pension für ein paar Gäste auf, aber für die anderen ist das Thema Wintersaison gegessen“, sagt Kraus-Winkler. Nachsatz: „Sofern zu Ostern überhaupt noch die Lifte offen haben. Schließlich können viele nicht vom Inlandsgast alleine leben und legen jeden geöffneten Monat Geld drauf.“

Wer soll das bezahlen?

Stellt sich die Frage, wie die Unternehmen über die Saison gerettet werden. Finanzminister Blümel hat am Sonntag erweiterte Hilfen für vom Lockdown betroffene Branchen vorgestellt, doch im Handel und Tourismus sind viele unzufrieden. „Natürlich haben wir Verständnis für den verlängerten Lockdown“, sagt Handelsverbandschef Rainer Will, „aber nicht das Virus kostet Arbeitsplätze, sondern jene Hilfen, die nicht ankommen“.

Denn der nun – zusätzlich zum Fixkostenzuschuss II und zum Verlustersatz – beantragbare Bonus sei zu wenig. „Sowohl die Höhe von 30 Prozent als auch der Deckel bei 60.000 Euro ist inakzeptabel“, poltert Will. Filialisierte Betriebe würden oft weit weniger als zehn Prozent ihrer entfallenen Umsätze ersetzt bekommen. Will spricht hier vor allem von den großen Handelsketten, die viele Standorte und damit normalerweise Umsätze in Millionenhöhe haben.

So wie das Grazer Modehaus Kastner & Öhler mit österreichweit 14 Standorten und 1.900 Mitarbeitern. „So ungefähr stelle ich mir Homöopathie vor“, sagt Unternehmenschef Martin Wäg mit Blick auf die Hilfen, die er bekommt. Dass große Unternehmen bei den Hilfen benachteiligt sind, sei ein schwerer Fehler. Schließlich seien sie ja auch die großen Arbeitgeber im Land.

Hotelketten als Verlierer

Ähnlich ist die Situation im Tourismus. Hotelketten stehen weiter auf der Verliererseite. „Wir haben im November für unsere Hotels wegen der Deckelung nicht 80 Prozent Umsatzersatz bekommen, sondern nur sechs Prozent“, sagt Martin Winkler. Er ist Vorstand der Verkehrsbüro Group und damit auch Chef der 25 zur Gruppe gehörenden Austria-Trend-Hotels. Und er ist bei den 100 Ruefa-Reisebüros, die ebenfalls Teil des Verkehrsbüros sind, mit exakt dem gleichen Problem konfrontiert. Auch die Reisebüros gehören juristisch in eine Gesellschaft - die Hilfen für alle 100 Standorte sind damit mit 800.000 Euro gedeckelt.

Handelsobmann Rainer Trefelik, der selbst ein Modegeschäft in der Wiener Innenstadt hat, glaubt, dass die neuen Hilfen zumindest für viele Klein- und Mittelbetriebe eine unmittelbare, schnelle Hilfe sind. Für größere Betriebe werde es noch eine Herausforderung sein, aus dem Mix von Hilfen gemeinsam mit Steuerberatern die Ideallösung für den eigenen Betrieb zu errechnen.

Dieser Ansicht ist offenbar auch Karin Leeb, Chefin im Hotel Hochschober, das in normalen Jahren rund 13 Millionen Euro umsetzt. Sie will die neuen Hilfen noch gar nicht kommentieren. „Die Materie ist komplex. Ich will das erst kommentieren, wenn ich mit meinem Steuerberater gesprochen habe.“

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