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Wirtschaft
12/06/2020

Tourismus: Beschneite Pisten und 580.000 leere Gästebetten

Das Wifo rechnet in der anlaufenden Saison mit rund 45 Prozent weniger Gästenächtigungen.

von Simone Hoepke

Weihnachten mit der Familie allein Zuhause? Für viele Hoteliers ist das normalerweise undenkbar. Aber die Zeiten sind alles andere als normal und so wird Weihnachten 2020 für viele Vermieter wohl unvergesslich bleiben. Etwa für die Zillertalerin Martha Schultz, die aus einer Tiroler Tourismusfamilie kommt: „Seit 1968 hatten wir immer zu Weihnachten und Silvester Gäste im Haus. Für uns wird das heuer schon komisch ruhig sein“, sagt Schultz.

Wie berichtet bleiben alle Beherbergungsbetriebe in Österreich bis einschließlich 6. Jänner – und damit bis zum Ende der Weihnachtsferien – geschlossen. Zur Größenordnung: Es geht um 11.200 Betriebe mit insgesamt mehr als 580.000 Gästebetten und mehr als 200.000 Mitarbeitern. Der Geschäftsausfall ist enorm, schließlich klingen gerade zu den Feiertagen die Kassen – schon allein, weil die Zimmerpreise so hoch wie sonst nie im Jahr sind.

Westen trifft es am stärksten

WIFO-Tourismusexperte Oliver Fritz rechnet in diesem Winter mit 45 Prozent weniger Gästenächtigungen als in normalen Jahren. „Allein die zwei Weihnachtswochen haben normalerweise einen Nächtigungsanteil von bis zu 25 Prozent“, sagt Fritz, wobei die Auswirkungen regional sehr unterschiedlich sind. „Salzburg, Kärnten und die Steiermark haben traditionell viele inländische Gäste, je westlicher man sich im Land bewegt, desto größer die Ausfälle.“

Aber zieht es die Einheimischen überhaupt noch auf die Piste? „Immer weniger“, meint Tourismus- und Freizeitforscher Peter Zellmann. Seiner Meinung nach gehen zumindest sechs von zehn Österreichern überhaupt nie Skifahren. Der Pistenzauber hat so gesehen ein Nachwuchsproblem, das auch in der Politik Gehör gefunden hat. Im Regierungsprogramm sind nun zumindest wieder Schulsportwochen im Winter vorgesehen. Martha Schultz hofft, dass sich so die Zahl der Schüler, die auf Wintersportwoche fahren, wieder auf 300.000 verdoppeln lässt. Für die Branche sei das wichtig. Laut Studien bleiben jene dem Skisport treu, die ihn in der Kindheit und Jugend kennengelernt haben. Schultz bringt über ihre Reisebüro jährlich bis zu 65.000 Schulskikursteilnehmer ins Zillertal und nach Osttirol – aus Deutschland. Es handle sich dabei um eine emotionale Sache. Schultz: „Jeder erinnert sich an seinen Schulskikurs und vergisst nie, wo dieser stattgefunden hat.“

In den vergangenen Jahren haben dennoch viele darauf verzichtet. Das Interesse schwindet bei Lehrern, wie Schülern. Vielen fehlt der Bezug zum Sport, vor allem, wenn die Familie aus einem Land kommt, in denen dieser Wintersport keine Tradition hat.

In vielen Bergregionen Österreichs bleibt Skifahren aber Wirtschaftsfaktor Nummer eins. Nicht umsonst hat die Seilbahnwirtschaft allein voriges Jahr 754 Millionen Euro in ihre Anlagen investiert, mittlerweile sind 70 Prozent der Pisten beschneibar. Fragt sich nur, woher heuer die Gäste kommen werden. Denn vor allem im Westen des Landes reisen 90 Prozent der Wintersportler aus dem Ausland – vorausgesetzt die Grenzen offen sind.

Ganz ist die Saison übrigens noch nicht gelaufen. Laut Statistik Austria ist der Februar traditionell der nächtigungsstärkste Monat in der Wintersaison.

Über das Jahr gerechnet trägt der Tourismus direkt und indirekt 15 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei.

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