© EPA/FLORIAN WIESER

Wirtschaft
07/05/2021

Tourismus: „30 Prozent der Mitarbeiter kommen nicht zurück“

Jetzt sagt Arbeitsminister Martin Kocher „den schwarzen Schafen“ den Kampf an

von Simone Hoepke

Statt einem Kellner erwartet den Gast auf einem Kärntner Ausflugsschiff der Hinweis, dass die Gastronomie geschlossen ist. Weil kein Personal gefunden wurde.

Ein Problem, das der Betrieb mit vielen Hoteliers und Gastronomen teilt. Überall fehlen Mitarbeiter – vom Abwäscher, über den Koch und Kellner bis hin zum Zimmermädchen.

„Wir haben damit gerechnet, dass der Branche nach der Corona-Krise schlimmstenfalls 15 bis 20 Prozent der Beschäftigten fehlen werden. Jetzt zeichnet sich aber ab, dass um die 30 Prozent der Mitarbeiter nicht zurückkommen“, sagt Walter Veit, selbst Hotelier und Branchensprecher in Salzburg.

Viele Beschäftigte sind während der Pandemie in andere Branchen, wie in den Handel, gewechselt, wo die Jobs sicherer sind. Und Saisonniers – etwa aus Ungarn – haben in der Lockdown-Zeit in ihrer Heimat einen Job angenommen, der weniger Geld, aber dafür mehr Sicherheit bringt.

Doch trotz des Arbeitskräftemangels im Tourismus, sind in Österreich aktuell 360.000 Menschen arbeitslos gemeldet. Eine Schieflage, die Arbeitsminister Martin Kocher nun mit etwas Druck begradigen möchte.

Es gehe nicht um eine „Verschärfung“ der Zumutbarkeitsbestimmungen. Lediglich darum, zu verhindern, dass „schwarze Schafe das Versicherungssystem ausnutzen“. Etwa, in dem sie Arbeitslosengeld kassieren und nebenbei geringfügig und/oder „schwarz“ arbeiten, statt eine Vollzeitstelle anzunehmen.

Kocher hat jetzt das AMS angewiesen, wie vor der Krise auf die Einhaltung bestehender Regeln zu pochen. Etwa, wenn es um die Wahrnehmung von AMS-Terminen oder die Annahme eines Arbeits- oder Qualifikationsangebots geht.

Er wirbt unter anderem für Pilotprojekte wie „Ticket2West“, mit dem Arbeitslose aus Ostösterreich an Arbeitgeber im Westen des Landes vermittelt werden sollen. Solche Aktionen gab es schon in der Vergangenheit – mit überschaubarem Erfolg. „Dass man damit keine Alleinerziehenden oder Familienväter nach Tirol oder Salzburg bekommen kann, war ja jedem Touristiker klar“, sagt Veit. „Aber auch die jungen, ungebundenen waren letztlich nicht zu überzeugen. Im Hotel Mama war es eben bequemer.“

Aus seiner Sicht wird es vielen zu leicht gemacht, zu Hause zu bleiben. „Dass man zumindest die bestehenden Zumutbarkeitsbestimmungen für Arbeitslose wieder anwendet, ist ein Schritt in die richtige Richtung.“

Dass Argument, dass Hoteliers und Gastronomen höhere Löhne zahlen sollen, um Beschäftigte zu finden, lässt Minister Kocher übrigens nur bedingt gelten. Kurzfristig würde auch eine Überzahlung des Kollektivvertrages nicht helfen, da es zu wenige Tourismusmitarbeiter am Markt gibt. Schlicht, weil in ganz Europa gleichzeitig der Tourismus hochgefahren wurde und viele Mitarbeiter die Branchen gewechselt hatten.

Dubai statt Salzburg

Der Fachkräftemangel im Tourismus ist laut Veit kein österreichisches, sondern ein weltweites Phänomen. Absolventen der Tourismusschulen sind weltweit gefragt – viele zieht es ins Ausland. „Sie wollen etwas erleben. Ein kleines Hotel in Salzburg kann ihnen nicht das gleiche zahlen, wie das Grand Hotel in Dubai“, sagt Veit. „Wir müssen also im Ausland Mitarbeiter suchen. Wie andere Nationen auch.

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