Wirtschaft
16.01.2018

Textil-Dynastie Brenninkmeijer: Keine Familie zum Kuscheln

Strenge Sippenregeln haben bisher den Milliarden-Konzern zusammengehalten. Laut Insidern ähnelt der weitverzweigte Familienklan eher einem Orden mit Schweigegelübde.

Die niederländisch-deutsche Kaufhaus-Dynastie Brenninkmeijer hält ihr Milliardenvermögen mit antiquierten Sippenregeln, patriarchalischer Bevormundung und verschwiegenen Entscheidungsträgern zusammen.

Die acht Familienstämme (mehr als 1000 Mitglieder) sind über die Schweizer Cofra Holding Eigentümer der Textilkette C&A (Wert: mindestens zehn Milliarden Euro), des Immobilien-Konzerns Redevco (acht Milliarden Euro) und des Beteiligungs- und Investment-Konzerns Bregal (acht Milliarden Euro). In Österreich besitzt Redevco zahlreiche Gebäude, darunter das frühere Generali-Center, heute "Mahü77", in der Wiener Mariahilfer Straße. Die österreichsiche Redevco-Tochterhat ein Eigenkapital in Höhe von rund 70 Millionen Euro. Der erste C&A-Laden in Österreich wurde 1984 in Wels eröffnet.

Die Stammhäuser in Mettingen

Jeder Familien-Stamm hat auch ein Haus im deutschen Mettingen, dem Stammort der Familie. Zum Teil sollen diese schmucken Fachwerk- und Backstein-Villen seit dem RAF-Terror in den 1970er-Jahren unterirdisch verbunden sein. Verwaltet werden sie von einer Stiftung. Laut Insidern ähnelt der weitverzweigte Familienklan eher einem Orden mit Schweigegelübde.

Das Privatvermögen der einzelnen Familienmitglieder wird von der niederländischen Anthos Bank, dem Family Office der Brenninkmeijers, verwaltet. Sie unterhält zahlreiche Filialen. "Die Rendite beträgt selbst in den schlechtesten Jahren nicht weniger als fünf Prozent", sagt ein Insider aus dem deutschen Münsterland. "Wenn sie erben, kommen sie bis zum 36. Lebensjahr nicht an das Geld ran." Aber auch Flugtickets sollen über das Family Office gebucht und abgerechnet werden.

Zahlreiche Krisen

Bis vor zehn Jahren soll es auch üblich gewesen sein, dass jedes Familienmitglied einen Job im Konzern erhält – unabhängig von der persönlichen Eignung. "Die Krisen haben sich gehäuft und das hat immer mehr Unmut erzeugt", sagt der Insider. Das Textilgeschäft läuft schon länger nicht mehr so profitabel wie es eigentlich ein sollte.

Mittlerweile müssen sich die Erben von der Pike auf im Unternehmen hocharbeiten. "Bisher war es so, dass die Familienmitglieder mit 55 Jahren aus der operativen Führungsebene des Unternehmens ausscheiden", sagt der Kenner des Klans. "Die Früchte des Unternehmens sind nach wie vor den Männern der Familie vorbehalten. Das ist genauso wenig zeitgemäß wie die Millionenspenden an die katholische Kirche." Die Brenninkmeijers haben auch etliche Priester hervorgebracht.

Die kolportierte Idee, die Textilkette C&A von der Cofra Holding abzuspalten und zu verkaufen, wird von einzelnen Familienmitgliedern begrüßt. Schon einmal wurde die reißleine gezogen. Laut der britischen Tageszeitung The Guardian hat C&A im Jahr 2000 die Schließung von 113 Standorten in Großbritannien beschlossen, darunter einen Flagshipstore in der Londoner Oxford Street. Diese Standorte werden seit damals ertragreich vermietet.