Schlechtes Testzeugnis für Diesel-Autos

Abgastest/ ÖAMTC TU 4, Volkswagen, VW, Gold, honor…
Foto: KURIER/Kid Möchel Abgastest (Symbolfoto)

Autoclubs ADAC und ÖAMTC testeten: Die meisten Diesel-Fahrzeuge stoßen zu viele Abgase aus, viele Benziner produzieren zu viel Feinstaub und Hybridautos verbrauchen oft mehr als angegeben.

Die meisten Diesel-Autos stoßen zu viel Stickoxid aus. Viele Benziner produzieren zu viel Feinstaub, und besonders Hybridautos mit Elektro- und Verbrennungsmotor verbrauchen viel mehr als vom Hersteller angegeben. So lauten die Ergebnisse eines am Dienstag veröffentlichten neuen Umwelttests des deutschen Autofahrerclubs ADAC an insgesamt 45 Modellen.

Auch der heimische ÖAMTC hat am Dienstag Testergebnisse bekanntgegeben, für drei verschiedene VW-Modelle. Bei allen drei Autos überstieg der Ausstoß von Stickoxid (NOx) die im Typenschein angegebenen Werte. Geprüft wurden Dieselmotoren des VW Tiguan und Passat mit 2,0 Litern Hubraum und ein 1,2-Liter Diesel vom VW Polo. Geprüft wurde gemeinsam mit dem Institut für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik (IFA) der TU Wien.

Gleichzeitig betonte der ÖAMTC, dass der Ausstoß an Stickoxiden (NOx) unter dem vorgeschriebenen EU-Grenzwert liegt - "wenn auch knapper als vor der Umrüstung". Vor allem hob der Club auch hervor, dass es "zu keinerlei Nachteilen im Hinblick auf Verbrauch und Leistung" kommt, so der Chef der Interessensvertretung, Bernhard Wiesinger. Der Verbrauch gehe durch das Update sogar minimal - vom Fahrer kaum bemerkbar - zurück.

Allein in Österreich sind rund 388.000 Dieselfahrzeuge vom "VW-Abgasskandal" betroffen. Der ÖAMTC, der bisher sieben Autos vor und nach der Umrüstung getestet hat, rät umzurüsten. Wenn man klagen will, solle man dies über den VKI machen.

Realitätsnahe Tests

Der ADAC in Deutschland testete bisher insgesamt 45 Modelle aller Antriebsarten auf ihre Umweltfreundlichkeit. Er maß den Ausstoß der Schadstoffe Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoffe, Stickoxide und Partikel sowie Kohlendioxid - und zwar wie auch der ÖAMTC nicht nur im Labor. Alle Antriebsarten wurden vom ADAC dabei "absolut gleich" behandelt - im Gegensatz zur Gesetzgebung gab es keinen Vorteil für Diesel-Motoren.

Keine Überraschung, dass Elektro- und Hybridautos sowie ein Erdgasfahrzeug auf den ersten fünf Plätzen landen. Der umweltfreundlichste Benziner im Test auf Platz acht ist der Mitsubishi Space Star 1.2 Clear Tec Top. Von 26 getesteten Dieselautos schafften es zwei in die Top Ten: der Mercedes E220 d 9G-Tronic und der BMW 118d Urban Line Steptronic.

Die meisten Dieselmodelle stießen unabhängig von der verwendeten Abgasreinigungstechnik unter realitätsnahen Bedingungen zu viele Emissionen aus, kritisierte Reinhard Kolke, Leiter des ADAC-Technikzentrums. Die Ergebnisse seien "ein Appell an die Hersteller, die Techniken so einzusetzen, dass diese über alle Betriebszustände Emissionen wirksam verringern" - also auch auf der Autobahn, bei eingeschalteter Klimaanlage oder Beleuchtung.

VW hielt Versprechen

Der ADAC testete auch einen VW Golf 2.0 TDI BlueMotion, der nach Auffliegen des Abgasskandals im vergangenen Jahr ein Software-Update in der Werkstatt erhalten hatte. Volkswagen habe sein Versprechen, damit den Stickoxidwert der betroffenen Dieselautos zu senken, "tatsächlich" geschafft, attestierte der deutsche Autoclub.

Bei vielen Benzinern bemängelte der ADAC einen hohen Rußpartikelausstoß, der Grund für eine hohe Feinstaubbelastung ist. Eigentlich stoßen Benzinmotoren wenig Partikel aus, ein Filter ist daher meist nur für Dieselfahrzeuge nötig. Bei Direkteinspritzern ist das anders, daher gibt es für sie in der EU eine Übergangszeit für einen höheren Grenzwert - bis September 2018. Diese Sonderregelung nutzen laut ADAC viele Hersteller. Doch laut ADAC ist das "nicht nötig und technisch durchaus besser lösbar".

Erneut kritisierte der ADAC den Unterschied zwischen den Herstellerangaben und seinen Messergebnissen beim Verbrauch. Im Jahr 2006 habe die Differenz bei 5,5 Prozent gelegen, 2015 schon bei über 17 Prozent. "Die Hersteller reizen die Möglichkeiten bei den Verbrauchsmessungen immer mehr aus, um möglichst niedrige EU-Verbrauchswerte zu erzielen", lautet das Fazit des Clubs. Er fordert daher "schon lange einen realitätsnäheren Messzyklus für den Verbrauch, damit die Kunden von Anfang an wissen, mit welchen Werten sie rechnen müssen".

(APA / tem) Erstellt am
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