Interview
01/20/2020

Telekom-Chef Arnoldner: "Es wird keine Mastenwälder geben"

Der Konzern startet nächste Woche mit der neuen Mobilfunkgeneration 5G. Der Manager stellt sich gegen Verschwörungstheorien rund um das Thema.

von Robert Kleedorfer

Heute, Montag, fällt auch bei der Telekom Austria der Startschuss für die neue Mobilfunkgeneration 5G. Vorstandschef Thomas Arnoldner sieht darin großes Potenzial für die Kunden.

KURIER: Warum brauchen wir die neue Mobilfunkgeneration 5G?

Thomas Arnoldner:
Wenn wir historisch zurückblicken, hatten wir etwa alle zehn Jahre einen großen Sprung in der Technologie – von 2G auf 3G auf 4G und jetzt auf 5G. Das wird wieder ein großer Paradigmenwechsel sein. 5G wird eine Plattform sein für ganz viele neue Möglichkeiten und Anwendungen aufgrund einer größeren Bandbreite.

Ist der private Endkunde nicht schon genug bedient mit der aktuellen Bandbreite und Geschwindigkeit?
Das haben wir bei 4G auch geglaubt und heute sind diese Anwendungen aus dem alltäglichen Leben nicht mehr wegzudenken, etwa die starke Nutzung von Videostreaming.

Nennen Sie uns bitte ein paar Beispiele?
Im Privatkundenbereich werden wir etwa viel höhere Auflösungen anbieten können; also statt HD dann 4K oder 8K-Videos. Wir werden 360-Grad- und Virtual-Reality-Anwendungen haben, die drahtlos funktionieren; etwa der wahnsinnig boomende E-Gaming-Bereich, wo die ganz kurzen Reaktionszeiten erfolgsentscheidend für den einzelnen Spieler sind; oder denken Sie an den ländlichen Raum, wo wir kostengünstiger hohe Bandbreite in unterversorgte Gebiete bringen können.

Aber selbst der Regulator ist skeptisch und meint, Private kommen mit der jetzigen Bandbreite gut aus.
Man muss diese Dinge in einem zeitlichen Verlauf sehen. Natürlich werden am Anfang andere Anwendungen gefragt sein als später. So wird 5G eine wichtige Basis für das autonome Fahren sein. Das wird noch das ein oder andere Jahr dauern, bis es zur Anwendung kommt. Aber wir legen schon heute mit 5G die Grundlage dafür.

Es gibt aber auch gesundheitliche Bedenken.
Es ist bei jeder neuen Technologie so, dass es gewisse Sorgen gibt. Denn Dinge, die man nicht kennt, sind schwer zu greifen. Wir versuchen als Branche zu informieren  und zum Beispiel erklären, dass es diese Mastenwälder, die von Verschwörungstheoretikern prognostiziert werden, nicht geben wird. Wir erklären auch, dass die Frequenzen, die zum Einsatz kommen, schon viele Jahre in Verwendung waren. Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg für Schädlichkeit. Wir bemühen uns um sachliche Information. Wenn die Menschen zwei, drei Jahre 5G intensiv genutzt haben, werden sie merken, dass es wie bisher keinen Grund zur Sorge gibt.

Wann wird 5G bei der Telekom Austria angeboten werden?
Wir haben uns bewusst entschieden, etwas zuzuwarten, denn es geht bei 5G darum, dass viele Zahnräder ineinander greifen, Sie brauchen ein entsprechendes Glasfasernetz, Masten und Endgeräte.

Gibt es schon einen konkreten Starttermin?
Es wird der 27. Jänner sein.

Und wie sieht es mit Endgeräten aus?
Mittlerweile sind einige Geräte verfügbar und wir werden bis Jahresende weitere Geräte für die einzelnen Kundengruppen sehen.

Auf der einen Seite 5G, auf der anderen der Breitbandausbau. Wie viel muss die Telekom da investieren?
Seit einigen Jahren jährlich eine halbe Milliarde Euro. Der Ausbau geht Hand in Hand mit 5G.

Täuscht der Eindruck, dass der Preiskampf zwischen den Anbietern zum Erliegen gekommen ist?
Ja, der Eindruck täuscht. Im Vergleich zu den Nachbarländern hat Österreich eines der günstigsten Preisniveaus mit einem der besten Netze. Und Sie können auch weiterhin günstig ein Vertragshandy erwerben.

Wie sehr belastet Sie die von der EU eingeführten Obergrenzen bei Roaming und Auslandstelefonaten?
Es ist tatsächlich so, dass die Regulierung die gesamte Branche sehr stark belastet hat. Wir sehen einen Input auf unser EBITDA (Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen, Anm.) von einem Prozent. Das ist in Zeiten eines einstelligen Prozentwachstums beim EBITDA schon ordentlich. Das müssen wir versuchen anderswo zu kompensieren.

Wo?
Durch neue Produkte und Dienstleistungen, etwa im Internet der Dinge, bei Smart Home-Anwendungen oder bei Geschäftskunden, die wir als größter Rechenzentrumsbetreiber Österreichs haben.Das sind neue Umsatzquellen, die regulatorisch bedingte Rückgänge kompensieren sollen.

Die ersten drei Quartale liefen bei der Telekom Austria ganz gut. Kann man schon etwas zum Gesamtjahr sagen?
Wir wir schon zum dritten Quartal mitgeteilt haben, haben wir erstmals seit 15 Jahren ein EBITDA-Wachstum in all unseren Märkten und ein Mobilfunk-Wachstum von vier Prozent in Aussicht gestellt. Diese Entwicklung wird sich im vierten Quartal in ähnlicher Form fortsetzen.

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