Wirtschaft
16.12.2011

Telekom Austria halbiert die Dividende

Nach massiver Kritik auch vom neuen Großaktionär Ronald Pecik erhalten die TA-Aktionäre deutlich weniger.

Die Aufsichtsratssitzung in der kroatischen hauptstadt Zagreb am Freitag erspart dem heimischen Telekomkonzern 2012 und 2013 rund 336,7 Millionen Euro. Auf diesen Betrag summiert sich die Halbierung der Mindestdividende für die Jahre 2011 und 2012 auf 0,38 Euro je Aktie, die die TA-Kontrollore beschlossen. Die TA – die bisher 0,76 Euro je Aktie für die beiden Jahre angekündigt hatte – begründet den Rückzieher mit dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld und Problemen in Fremdwährungsmärkten. So muss die TA heuer den wert ihrer weißrussischen Tochter Velcom wegen des Verfalls der Landeswährung Rubel massiv abwerten.

Kritik

Die hohe Dividende war zuletzt auch vom neuen Großaktionär Ronald Pecik, der derzeit knapp 16 Prozent der TA-Aktien hält, massiv kritisiert worden. Sie sei zwar nicht überdurchschnittlich im Verhältnis zu anderen telekom-Unternehmen, aber viel zu hoch im Verhältnis zum heuer deutlich geschrupften gewinn der TA.Ergebniswinbruch im An der hohen Dividende den Problemen vor allem mit der weissrussichen Die bisher angekündigte Dividende Schlüsselfigur war zwar nicht physisch anwesend, dürfte aber bei der Sitzung des Aufsichtsrats der Telekom Austria (TA) am Freitag in der kroatischen Hauptstadt Zagreb das wichtigste Thema gewesen sein: Der neue TA-Großaktionär Ronald Pecik, der mit 16 Prozent seit Kurzem hinter der Staatsholding ÖIAG (28,4 Prozent) zweitgrößter Anteilseigner der TA ist. Und der aus seinen Plänen mit dem teilverstaatlichten Telekom-Konzern kein Hehl macht. Pecik, der das Aktienpaket gemeinsam mit dem ägyptischen Milliardär Naguib Sawiris hält, beansprucht drei bis vier Aufsichtsrats-Sitze und will den Zweier-Vorstand auf drei Mitglieder aufstocken.

Köpferollen

Allerdings mit neuen Managern. Zumindest Finanzchef Hans Tschuden dürfte nach dem Auslaufen seines Vertrags Ende März 2012 seinen Hut nehmen. Zwar hat der Aufsichtsrat die Vertragsverlängerung bereits im heurigen August abgesegnet, der Vertrag selbst ist aber vom Chef des Kontrollgremiums, ÖIAG-Boss Markus Beyrer, noch nicht unterschrieben. Die ÖIAG selbst hüllt sich in Schweigen, auf der offiziellen Tagesordnung stand Tschudens Vertrag am Freitag nicht.

Der TA-Finanzchef geriet in den vergangenen Wochen vor allem wegen der angekündigten Dividende von 0,76 Euro je Aktie unter Beschuss. Die TA wird heuer – schätzen Analysten – rund 80 Millionen Euro Gewinn einfahren, die Ausschüttung dagegen würde mit 336,7 Millionen das Vierfache kosten und müsste aus der Substanz bezahlt werden. Auch Pecik kritisiert die Dividende: Sie sei zwar in Relation zu anderen Telekom-Unternehmen nicht überdurchschnittlich, in Relation zu den Gewinnen der TA aber zu hoch. Angesichts der niedrigen Eigenkapitalquote von derzeit mageren 10,7 Prozent sollte der Gewinn im Unternehmen bleiben. Massive Kritik an der Dividendenpolitik übte in den vergangenen Tagen auch TA-Betriebsratschef Walter Hotz. Der Sessel von TA-Chef Hannes Ametsreiter dürfte zumindest vorerst nicht wackeln, er genießt laut Pecik noch einen Vertrauensvorschuss. Allerdings werden an der Gerüchtebörse bereits Nachfolger gehandelt. Aktuellster Name: Orange-Chef Michael Krammer, dessen Unternehmen bald vom Konkurrenten „3“ übernommen werden dürfte.

Aufsichtsrat

Der neue Großaktionär dürfte auch der langjährigen Vizepräsidentin des TA-Aufsichtsrats, der Wiener Wirtschaftsanwältin Edith Hlawati den Job im Kontrollgremium kosten. Pecik macht kein Hehl daraus, dass er den Aufsichtsratsposten und die satten Honorare der TA an die renommierte Kanzlei CHSH, in der Hlawati Partnerin ist, schlicht für unvereinbar hält. Zwischen 2001 und 2010 zahlte die Telekom an die CHSH – der KURIER berichtete – knapp 6,4 Millionen Euro. Zwar arbeitete Hlawati selbst nicht für die TA, war aber an den Gewinnen aus den Telekom-Aufträgen beteiligt. Im Herbst 2011 vereinbarte sie mit Aufsichtsratschef Beyrer, dass sie künftig keinen Gewinn aus den TA-Geschäften bekommt. Der Nachfolger für Hlawati steht – geht es nach dem neuen Großaktionär – bereits fest: Pecik selbst erhebt Anspruch auf den Posten des Vizepräsidenten.