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Wirtschaft von innen
04/23/2014

Telekom Austria: Die Nerven liegen blank

Endspurt um Syndikatsvertrag zwischen ÖIAG und America Movil.

Rudolf Kemler, Chef der Staatsholding ÖIAG, schläft derzeit wenig. Er verhandelte noch in der Nacht vor der entscheidenden Aufsichtsratssitzung, die am Mittwoch um neun Uhr beginnt, mit den Vertretern von America Movil die letzten Details. Die ÖIAG und die Mexikaner wollen über einen Syndikatsvertrag für die nächsten zehn Jahre ihr künftiges Verhalten abstimmen, der KURIER berichtete.

Unter der industriellen Führung des Konzerns von Multi-MilliardärCarlos Slim. Mit im Verhandlungsteam ist auch InvestorRonny Pecik, Vize-Vorsitzender des Telekom-Aufsichtsrates, Aktionär und Statthalter der Mexikaner.

Vor einigen Wochen drohte der Syndikatsvertrag wie berichtet zu scheitern. Die ÖIAG, die 28,42 Prozent an der börsenotierten Telekom hält, bestand auf weitreichenden Vetorechten, die America Movil (26,84 Prozent) nicht akzeptieren wollte. Erst als VP-Finanzminister Michael Spindelegger Druck auf die ÖIAG machte, kamen die Gespräche wieder ins Laufen.

Die fünf Belegschaftsvertreter im Aufsichtsrat, die laut ÖIAG-Gesetz von der Arbeiterkammer (AK) nominiert werden, saßen seit Dienstag früh mit Anwälten der AK im Datenraum, um den Vertragsentwurf zu prüfen. Ständig wurden noch Vertragsteile nachgereicht. Dabei ging es nicht nur um Fußnoten. Bis Redaktionsschluss waren die Machtverhältnisse im künftigen Telekom-Aufsichtsrat noch nicht endgültig fixiert. Vermutlich wird ÖIAG-Vorstand Kemler den Vorsitz übernehmen und America Movil erhält die Mehrheit der Kapitalvertreter. Der Zeitdruck ist enorm. Sollte der ÖIAG-Aufsichtsrat mehrheitlich zustimmen, muss der Vertrag noch am selben Tag unterschrieben werden. Sonst treten Sperrfristen auf Grund des Übernahmegesetzes in Kraft.

Für die Mehrheit braucht es im Aufsichtsrat acht Stimmen. Selbst wenn alle Belegschaftsvertreter gegen die Führung von America Movil stimmen sollten, ist man in Eigentümerkreisen sehr zuversichtlich, dass das Syndikat bei den Kapitalvertretern durchgeht. Nur Ex-Siemens-Managerin Brigitte Ederer hat schriftlich ihr Votum dagegen abgegeben, was Noch-Aufsichtsratsvorsitzenden Peter Mitterbauer ziemlich empören soll. Der Auto-Industrielle wird sich demnächst mit der Hauptversammlung aus dem Aufsichtsrat der Staatsholding zurückziehen.

America Movil will bis zu 1,5 Milliarden Euro in die kapitalschwache Telekom, aus der in der Vergangenheit viel zu hohe Dividenden herausgezogen wurden, investieren und das Unternehmen zur Basis für die Expansion in Osteuropa aufwerten. Um die Sperrminorität zu halten, müsste die ÖIAG rund 400 Millionen Euro aufbringen. Die Staatsholding ist praktisch schuldenfrei und könnte eine solche Größenordnung durchaus stemmen.

Fraglich ist, wie lange sich noch Telekom-BossHannes Ametsreiter an der Spitze halten wird. FinanzvorstandHans Tschudengeht vorzeitig mit Ende Mai ab. In Österreich agiert Slim übrigens diplomatischer als bei der niederländischen KPN. Dort scheiterte er mit einem feindlichen Übernahmeversuch.
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