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Technologiebörse Nasdaq kämpft sich zurück

Nach dem Rücksetzer zu Sommerbeginn geht es für Techwerte wieder aufwärts. Neuerlich sind Künstliche Intelligenz und Cloudanwendungen die Treiber.
Winklevoss twins' crypto exchange Gemini IPO at the Nasdaq MarketSite in New York City

Der US-Technologieindex Nasdaq 100 nähert sich nach einer deutlichen Korrektur erneut der Marke von 30.000 Punkten. Seit dem Rekordhoch von 30.740 Punkten am 2. Juni ist er bis 29. Juli auf 27.257 Punkte gefallen. Starke Geschäftszahlen und angehobene Prognosen großer Technologieunternehmen treiben die Erholung an.

Die Erwartungen an steigende KI-Investitionen bleiben hoch. Unternehmen investieren daher weiterhin in Rechenzentren und Cloud-Infrastruktur. Dadurch erweitert sich die Erholung über klassische Halbleiterwerte hinaus. Technologieunternehmen stellen rund 58 Prozent der Marktkapitalisierung des Nasdaq 100, der die 100 größten Werte der Technologiebörse Nasdaq (rund 3.000 Titel) beinhaltet. Auf Halbleiterkonzerne entfallen bereits rund 30 Prozent. „Die Ausgaben für Künstliche Intelligenz (KI) laufen aus dem Ruder, und es gibt keine Anzeichen, dass sich das in nächster Zeit verlangsamt“, sagte Nic Puckrin, Analyst beim Kryptodienstleister Coin Bureau.

Nasdaq 100

„Wichtig ist, eine Korrektur nicht mit einer grundlegenden Verschlechterung der Fundamentaldaten zu verwechseln“, sagte Brian Levitt, Chefstratege für globale Märkte bei Invesco. Danach sieht angesichts der jüngsten, großteils guten Quartalszahlen nicht aus.

Zugleich verbessert sich die Breite der Erholung. So notierten Anfang der Vorwoche 70 Prozent der 100 Nasdaq-Konzerne über ihrem 200-Tage-Kurs-Durchschnitt. Am jüngsten Markttief waren es nur 58 Prozent. Und weiterhin notieren 42 Prozent der Indexmitglieder unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Der aktuelle Aufwärtstrend hat sich damit noch nicht völlig durchgesetzt.

Noch teuer

Durch den Rückgang vom Allzeithoch um 11,3 Prozent haben sich nicht nur übermäßige Positionierungen im KI- und Halbleiterbereich reduziert. Auch gingen überhöhte Bewertungen teilweise zurück. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der erzielten Gewinne der vergangenen 12 Monate aller Werte im Nasdaq 100 liegt aber noch immer bei rund 33, ein relativ hoher Wert. Der langfristige Durchschnitt sind rund 27. Das Forward-KGV basiert auf den erwarteten Gewinnen der nächsten 12 Monate und liegt derzeit mit 21-22 deutlich niedriger, da Analysten mit weiterem Gewinnwachstum rechnen.

Wenn der Free Cashflow zum neuen Maß aller Dinge wird 

Die Umsätze großer Techkonzerne steigen  kräftig. Investitionen in KI, Rechenzentren und Chips wachsen aber noch schneller. Deshalb rückt der Free Cashflow zunehmend in den Fokus der Anleger. Dieser gibt Auskunft darüber, wie viel Mittel einem Unternehmen nach allen laufenden Ausgaben und Investitionen noch zur Verfügung stehen. Und diese frei verfügbaren Reserven dürften angesichts der hohen Aufwendungen geringer werden.

Google hat seine Investitionen im ersten Quartal um 107 Prozent auf 36 Milliarden Dollar erhöht. Der Free Cashflow fiel hingegen um 46 Prozent auf 10 Mrd. Dollar. Sollte das Investitionstempo anhalten, könnte der Free Cashflow bereits nächstes Jahr ins Minus rutschen. 

Bei Microsoft stiegen die Inves titionen um 84 Prozent, der Free Cashflow verringerte sich um 22 Prozent. Gleichzeitig peilt Microsoft Investitionen von 190 Mrd. Dollar für heuer an. Der Konzern wäre damit nur noch knapp im positiven Bereich.

Amazon steht bereits einen Schritt weiter. Die Investitionen legten um 79 Prozent auf 43 Mrd. Dollar zu. Der Free Cashflow ist bereits mit 17 Mrd. Dollar im Minus. Auch über das Gesamtjahr dürfte er negativ bleiben.

Das ist nicht zwingend negativ, vor allem bei Wachstumsunternehmen. Entscheidend ist, dass dies an strategischen Investitionen liegt und nicht daran, dass das operative Geschäft nicht genügend Mittel erwirtschaftet. Ein wegen hoher Investitionen niedriger Free Cashflow kann sich also  langfristig positiv auswirken.  

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