Tanken in Österreich: Wie der Spritpreis entsteht
Ölbohr-Arbeiter hält Flasche mit Rohöl in die Kamera.
Zuerst ging es mit dem Ölpreis bergauf, jetzt wieder bergab. Nach Ankündigung einer zweiwöchigen Waffenpause im Irankrieg sanken die Ölpreise am Mittwoch zweistellig. Doch kommt die Entspannung an den Börsen auch an der Zapfsäule an?
Die vergangenen Wochen haben jedenfalls gezeigt, was es bedeutet, wenn eine der wichtigsten Transportrouten für Erdöl unterbrochen wird. Wie genau die Förderung von Rohöl, der Handel an Rohstoffmärkten und die Benzin- und Dieselpreise an Tankstellen zusammenhängen, ist für viele schwer nachvollziehbar. Hier die wichtigsten fünf Fragen:
1. Bei Rohölpreisen wird ständig von der Sorte Brent gesprochen. Was ist das überhaupt und wer legt den Preis dafür fest?
Je nach Fundstätte hat Erdöl eine unterschiedliche Konsistenz. Brent ist eine leichte, wenig schwefelhaltige Rohölsorte aus der Nordsee. Sie eignet sich aufgrund ihrer Zusammensetzung gut für die Herstellung von Benzin, aber auch Diesel oder Kerosin, während WTI (Texas) hauptsächlich für Benzin, Arab Light (Saudi-Arabien) hauptsächlich für Diesel verwendet wird. Brent gilt als Referenzsorte. Wichtigster Handelsplatz dafür ist die Terminbörse Intercontinental Exchange (ICE) in London.
2. Wer verarbeitet das Rohöl dann weiter und legt Preise für Treibstoffe fest?
Rohöl wird in Raffinerien verarbeitet, die oft auf spezifische Sorten spezialisiert sind. Österreichs einzige Raffinerie ist jene der OMV in Schwechat. Sie ist sehr breit aufgestellt und deckt rund 55 Prozent der Treibstoffproduktion ab, der Rest wird importiert. Bei Diesel liegt der Importanteil bei 58,2 Prozent, bei Benzin bei 31,3 Prozent, bei Kerosin nur bei 12 Prozent. Den Verkaufspreis an Tankstellen legt die OMV aber nicht selbst fest. Er entsteht im Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage auf einem internationalen Markt. Von großer Bedeutung dabei sind Langfristverträge zwischen Handelspartnern – auch Term-Verträge genannt.
3. Wieso schwanken Preise an Tankstellen trotz Langfristverträgen so sehr?
Diese Verträge setzen keinen fixen Preis fest, auch sie sind an Preisnotierungen gekoppelt. Hier gibt es zwei große internationale Player, die Preisinformationsdienste Platts und Argus. Sie sammeln Daten einzelner Transaktionen und legen täglich Durchschnittspreise für Regionen fest. Die genauen Kosten für eine konstante Belieferung mit Treibstoff werden oft erst durch eine Gesamtrechnung am Ende des Monats klar. Um die Rechnung bezahlen zu können, orientieren sich also auch Tankstellenbetreiber an den täglichen Preisschwankungen.
4. Warum sind die Preise in verschiedenen Ländern unterschiedlich hoch?
Österreich bezieht sein Rohöl zu 55 Prozent aus Kasachstan, zu 13,8 Prozent aus Libyen und zu 12,1 Prozent aus Saudi-Arabien. Ausfälle aus Saudi-Arabien betreffen das Land, aber nicht übermäßig. Je nach Zusammensetzung der Lieferanten müssen Alternativen gefunden werden, was bei einer allgemeinen Angebotsverknappung teilweise schwierig ist. Treibstoffe werden in Ländern auch unterschiedlich besteuert und Preise derzeit unterschiedlich stark gedeckelt.
5. Wie angespannt ist die Versorgungslage in Österreich derzeit?
„Diesel bekommen wir hauptsächlich über die Schiene aus Deutschland“, sagt Hedwig Dolocszeski, Geschäftsführerin des Fachverbands der Energierohstoff- und Kraftstoffindustrie. Die Dieselproduktionskapazitäten sind in Europa aber eher gering. „Wenn Deutschland ein Versorgungsproblem hat, sind wir die nächsten.“ Bei Kerosin gehe es Österreich vergleichsweise gut. Auf einigen Flughäfen in Italien wird der Flugtreibstoff bereits knapp. Auch an einigen Wiener Diskonttankstellen gab es am Mittwoch keinen Diesel mehr. Dies dürfte aber mit der hohen Nachfrage über Ostern zusammenhängen, laut WKO gibt es keinen allgemeinen Diesel-Engpass.
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