Iran-Waffenruhe: Erdgaspreis und Ölpreis eingebrochen, Börsen steigen kräftig
Zusammenfassung
- Ölpreise und europäischer Erdgaspreis sanken nach Waffenruhe im Iran-Krieg deutlich.
- Europäische Börsen reagierten mit starken Kursgewinnen, DAX und ATX legten deutlich zu.
- Die Öffnung der Straße von Hormus und fallende Energiepreise sorgen für Erleichterung an den Finanzmärkten.
Die Einigung zwischen den USA und dem Iran auf eine Waffenruhe hat bei den europäischen Aktienanlegern am Mittwoch für starke Erleichterung gesorgt - vor allem wegen des massiven Einbruchs der Ölpreise. Mehrere Börsianer sprachen von einem "Geschenk von Pakistan". Der Nachbar des Irans vermittelte eine weitreichende, sofortige Waffenruhe. Daraufhin sackten die Ölpreise in der Nacht um rund 16 Prozent ab. Der ATX in Wien stieg um 3,6 Prozent, der deutsche DAX um 4,9 Prozent.
Die Rohölpreise sind momentan der wichtigste Gradmesser für die Inflations- und Konjunktursorgen am Markt. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent fiel zeitweise unter 92 Dollar und damit auf das tiefste Niveau seit Mitte März.
Euro-Stoxx-50 mehr als vier Prozent im Plus
Entsprechend deutlich stieg die Risikofreude der Anleger. Der europäische Leitindex Euro-Stoxx-50 kletterte im Frühhandel 4,14 Prozent auf 5.866 Punkte nach oben. In Frankfurt zog der DAX um 4,45 Prozent in die Höhe auf 23.940 Punkte und in London gewann der FTSE-100 2,33 Prozent auf 10.590 Einheiten.
Wichtig für die globalen Märkte ist vor allem, dass der Iran die Straße von Hormus nun wieder für den Schiffsverkehr öffnen will. Die Meerenge ist einer der global wichtigsten Transportwege - nicht nur für Öl und Gas. Ihre Öffnung war die Bedingung der USA für eine Feuerpause.
"An Finanzmärkten ist Aufatmen angesagt"
"An den Finanzmärkten ist Aufatmen angesagt", schrieb Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Mit dem Waffenstillstand bleibe vorerst eine weitere Eskalation aus. Vor allem die deutlich gefallenen Ölpreise lassen dem Experten zufolge Hoffnungen keimen, dass der Anstieg der Inflationsraten eine kurze Episode bleiben wird. Die Notenbanken könnten im Falle einer nachhaltigen Entspannung der Ölpreise auch von bereits befürchteten Zinsanhebungen absehen.
Die Börse in Frankfurt am Mittwoch
Europäischer Erdgaspreis sinkt deutlich
Auch der Preis für europäisches Erdgas ist nach der vereinbarten Waffenruhe im Iran-Krieg deutlich gefallen. Die maßgeblichen Future-Kontrakte fielen um bis zu 20 Prozent, das bedeutet den größten Tagesverlust seit über zwei Jahren. An der Börse in Amsterdam sank die Notierung für den richtungsweisenden Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat zuletzt um 17 Prozent auf 44,13 Euro je Megawattstunde (MWh). Seit dem Beginn der Angriffe der USA und Israels gegen den Iran vor mehr als fünf Wochen war der Gaspreis auf bis zu 74 Euro geklettert.
Die Anleger richten ihr Augenmerk am Berichtstag nach der vereinbarten Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran auf die bisherigen Verlierer und Gewinner des Krieges. So stehen Öl- und Gaswerte im frühen Handel besonders unter Druck. Der Branchenindex Stoxx Europe 600 Oil & Gases war im Zuge sprunghaft steigender Energiepreise um bis zu 15 Prozent geklettert auf ein Rekordhoch. Nun gibt er bei prozentual zweistellig fallenden Öl- und Gaspreisen mehr als zwei Prozent nach.
Hingegen sind Werte aus den Bereichen Rohstoffe, Tourismus, Banken, Immobilien und Konsum stark gesucht. Der Immobilien-Branchenindex Stoxx Europe 600 Real Estate lag zuletzt seit Kriegsbeginn trotz bereits erfolgter Erholung immer noch 13 Prozent im Minus. Vor dem Start des Kriegs Ende Februar hatte er noch auf einem Höchststand seit Herbst 2024 notiert, bevor vor allem steigende Zinsen ihn deutlich auf Talfahrt schickten. Rohstoffwerte und Banken standen vor allem unter dem Eindruck von Konjunktursorgen.
Unter den Einzelwerten waren im Euro-Stoxx-50 die Aktien von Safran und Siemens Energy mit Aufschlägen von jeweils mehr als zehn Prozent die Spitzenreiter. Die Papiere von UniCredit, Schneider Electric, Siemens, Saint Gobain und Infineon kletterten jeweils mehr als sieben Prozent hoch. Am Index-Ende büßten hingegen TotalEnergies um 6,6 Prozent an Kurswert ein.
Aktuelle Kurse in Tokio am Mittwoch
Leitbörsen in Asien sehr stark
Auch die asiatischen Aktienmärkte haben am Mittwoch mit massiven Gewinnen auf die Waffenruhe im Iran-Krieg und den deutlich gefallenen Ölpreis reagiert. Am stärksten ging es an den Börsen nach oben, die zuvor am meisten unter dem Ölpreisanstieg gelitten hatten. So gehörten die Leitindizes in Japan und Südkorea zu den Spitzenreitern.
"Mit dem Waffenstillstand bleibt vorerst eine weitere Eskalation aus", stellte Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank fest. "Vor allem die deutlich gefallenen Ölpreise lassen Hoffnungen keimen, dass der Anstieg der Inflationsraten eine kurze Episode bleiben wird."
Allerdings warnten Marktexperten, den Konflikt schon ad acta zu legen. Denn ein Abkommen über einen endgültigen Waffenstillstand dürfte nicht einfach werden. "Inhaltlich liegen die Positionen unverändert weit auseinander", hieß es von der Landesbank Baden-Württemberg. Trotz des kurzfristigen Aufatmens bleibe das Gesamtbild angespannt.
Für die Märkte sei die entscheidende Frage, in welchem Ausmaß die Schifffahrt durch die Straße von Hormus sich in den kommenden Tagen normalisiere, fügten die Marktstrategen der Deutschen Bank hinzu.
Der japanische Nikkei 225 schloss 5,39 Prozent höher mit 56.308,42 Punkten. Dabei waren Technologie- und Bankaktien stark gefragt. Auch zyklische Werte legten deutlich zu.
Noch stärker waren die Zuwächse in Südkorea. Die Halbleiterschwergewichte Samsung und SK Hynix trieben den Markt um fast sieben Prozent nach oben. Dabei war zwischenzeitlich wegen der starken Kursbewegungen der Handel ausgesetzt gewesen. Die Abhängigkeit Südkoreas von Ölimporten und intakten Lieferketten hatte in den vergangenen Wochen immer wieder zu starken Kursausschlägen in beide Richtungen geführt.
Nicht ganz so hoch, aber immer noch deutlich waren die Gewinne an den chinesischen Märkten. Der CSI-300-Index, der die wichtigsten Aktien auf dem chinesischen Festland abbildet, zog um 3,49 Prozent an. Der Hang Seng der Sonderverwaltungsregion Hongkong lag mit 3,09 Prozent im Plus.
Die australische Börse, die in den vergangenen Wochen nicht so sehr gelitten hatte, war nicht ganz so stark. Der S&P ASX 200 schloss mit 8.951,80 Punkten 2,56 Prozent höher.
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