Wirtschaft
20.04.2017

Zigaretten-Preise fast durchgehend gestiegen

Zigarettenpreisrunde geht ihrem Ende zu. Großteil schon Anfang des Monats um 20 Cent verteuert, einzelne Preiserhöhungen noch Ende April und bei einigen Tabaksorten und Zigarren Anfang Mai.

Weil mit 1. April die Tabaksteuer angehoben wurde, haben die Zigarettenhersteller die Preise erhöht: Praktisch durchgängig um 20 Cent je Packung. Ein Großteil der Rauchwaren ist Anfang April teurer geworden, einige schon vorweg im März. Einzelne Preiserhöhungen stehen noch für Ende April an. Diverse Tabaksorten für Zigaretten zum Selbstdrehen, Pfeifentabake sowie Zigarren kosten ab 2. bzw. 8. Mai mehr.

Bei JTI Austria (vormals Austria Tabak) steigt der Preis für die neu eingeführte 23-er-Packung Benson & Hedges erst mit 27. April. Die gängigsten Marken, darunter Memphis, Smart, Camel, Hobby, Meine Sorte und auch die meisten anderen Benson & Hedges-Verkaufseinheiten zu 20 Stück pro Packerl sind hier schon mit 1. April um 20 Cent teurer geworden. Eine Packung Memphis Classic kostet seither 4,80 Euro. Feinschnitte und Pfeifentabake hat Japan Tobacco International in Österreich ebenfalls zu dem Datum verteuert. Winston-"Wuzeltabak" zu 130 Gramm wurde beispielsweise um 2 Euro teurer.

Auch die anderen Hersteller haben die jüngste Steuererhöhung über höhere Verkaufspreise weitergegeben. Österreich-Marktführer Philip Morrishat ebenfalls Anfang April die Zigaretten-Preise fast durchgehend um 20 Cent angehoben, darunter für die größte Marke Marlboro. Ein paar Tage früher war das bei einigen Chesterfield-Sorten der Fall.

Imperial Tobacco-Sorten (z.B. Gauloises) kosten ebenfalls seit 1. April mehr. Mitte April hat BAT (British American Tobacco) in Österreich die Preise für die meisten Marken angehoben, darunter Lucky Strike, Parisienne oder Pall Mall. Einige Tabake dieses Anbieters waren schon Ende März dran.

Auf etwa 12,5 Milliarden Stück Zigaretten belief sich der Markt im vergangenen Jahr in Österreich. 2016 lag laut JTI-Austria-Informationen der Durchschnittspreis für Zigaretten (20 Stück-Packung) hierzulande bei 4,59 Euro. Zum Vergleich: 2010 waren es 3,79 Euro gewesen. Die Einnahmen des Fiskus aus der Tabaksteuer sind in dieser Zeit um 333 Mio. Euro auf 1,83 Mrd. Euro (2016) angestiegen. 77 Prozent vom Verkaufspreis entfallen auf die Steuer.

In Österreich greifen je nach Umfrage (2015) zehn bzw. 16 Prozent der 15-Jährigen täglich zur Zigarette. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre hat sich dieser Anteil bei den 15-jährigen Schülern allerdings halbiert. Damit liegt Österreich etwa im EU-28-Durchschnitt. Lange wurde diskutiert, aber nun ist es fix: Jugendliche unter 18 Jahren dürfen in Zukunft nicht mehr zur Zigarette greifen. Das Schutzalter beim Rauchen wird von 16 auf 18 Jahren angehoben. Dazu haben sich die Landesjugendräte bei einer zweitägigen Konferenz Ende März in Krems durchgerungen. Mitte 2018 soll das neue Alterslimit für den Kauf von Zigaretten in Kraft treten, in Kombination mit einem Maßnahmenpaket zur Prävention.

Anhebung der Altersgrenze für Tabakkauf reduziert Rauch-Häufigkeit

Eine Anhebung des Mindestalters für den Kauf von Zigaretten bringt in etwa eine 30-prozentige Verringerung des Zigarettenkonsums in der betroffenen Altersgruppe. Das geht aus internationalen Literaturrecherchen österreichischer Experten der MedUni Graz hervor.

So wurde in Großbritannien im Oktober 2007 das Alterslimit 16 auf 18 Jahre erhöht. In einer wissenschaftlichen Studie stellte sich in der Folge heraus, dass der Anteil der Raucher unter den 16- bis 17-Jährigen nach dem Verbot von 23,7 auf 16,6 Prozent zurückging, immerhin ein Minus von rund 30 Prozent. Auch bei 11- bis 15-Jährigen kam es zu einer Reduktion des Raucheranteils um ein Drittel.

Internationale Erfahrung

In Schweden wurde 1997 ein Rauchverbot für unter 18-Jährige eingeführt. In Untersuchungen an 40.000 Schülern (zwölf bis 16 Jahre alt) wurde ein Effekt erst nach neun Jahren bei den 15- bis 16-Jährigen aus ländlichen Regionen entdeckt. Ein weiteres Beispiel war die US-Stadt Needham (Massachusetts). Dort wurde 2005 das Alterslimit für den Verkauf von Tabakprodukten von 18 auf 21 Jahre erhöht. In einer wissenschaftlichen Untersuchung zeigte sich unter 16.000 Personen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren ein Abfall der Raucherquote von 13 auf sieben Prozent, was ein Minus um 46 Prozent bedeutete. In angrenzenden Regionen ohne, die nicht von der Regelung betroffen waren, reduzierte sich der Anteil nur von 15 auf zwölf Prozent.

Die Forscher vom Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung der MedUni Graz sind sich zwar nicht sicher, dass die Anhebung des Alterslimits für den Kauf von Zigaretten in Österreich einen ähnlichen Effekt haben wird, aufgrund der internationalen Erfahrungen sei ein solcher aber eigentlich zu erwarten.

Österreich befindet sich im Durchschnitt

Aktuelle Daten aus Österreich zeigen, dass der Anteil der Raucher bei den österreichischen Jugendlichen von einem im Europa-Vergleich ehemals gehaltenen Spitzenplatz in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist. Laut einer Umfrage der Österreichischen Krebshilfe unter mehr als 3.000 Schülern in Oberösterreich rauchten dort 2005 noch 20 Prozent regelmäßig, also mindestens drei Zigaretten täglich. 2014 waren es nur elf Prozent.

Im jüngsten OECD-Bericht "Health at a Glance 2016" wird für Österreich ein Anteil der Raucher bei den 15-jährigen Mädchen von 14 Prozent und bei den Buben von 15 Prozent angegeben (2013/2014). Damit befindet sich Österreich exakt im EU-Durchschnitt.

Mehr Tabaktote trotz Rauchverboten - außer in diesen Ländern

Trotz Rauchverboten in vielen Ländern ist die Zahl der Tabaktoten weltweit gestiegen. Im Jahr 2015 starben rund 6,4 Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens, 4,7 Prozent mehr als noch 1990, wie aus einer am Donnerstag im britischen Fachmagazin "The Lancet" veröffentlichten Studie hervorgeht. Das liege vor allem an der wachsenden Weltbevölkerung, schreiben die Forscher.

Nach Bluthochdruck bleibe Rauchen "der zweitgrößte Risikofaktor für Invalidität und einen frühen Tod", hieß es in der Studie. Die Wissenschafter warnten, die Zahl der Todesfälle durch Tabak könne in den kommenden Jahren weiter steigen. Sie verwiesen auf die aus ihrer Sicht aggressive Werbung von Tabakkonzernen in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Der Studie zufolge griffen 2015 weltweit 930 Millionen Menschen täglich zur Zigarette. Das waren sieben Prozent mehr als 1990. Doch in einigen Ländern scheinen Anti-Tabak-Maßnahmen zu greifen: In 13 der untersuchten Länder, darunter die Schweiz, USA und Australien, ging der Tabakkonsum zwischen 1990 und 2015 zurück.

Zwischen Männern und Frauen gibt es in Sachen Zigarettenkonsum deutliche Unterschiede: Während weltweit einer von vier Männern rauchte, ist es nur eine von 20 Frauen. In Industrieländern ist diese Rate allerdings deutlich stärker angeglichen.