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Wirtschaft
12/05/2011

Striedinger beteuert seine Unschuld

Ex-Hypo-Vorstand Striedinger teilt aus. Er sieht sich als Sündenbock, der für den Niedergang der Kärntner Bank büßen soll.

von Irmgard Kischko

Im Frühjahr 2012 wird der erste große Prozess gegen den Ex-Vorstand der Hypo-Alpe-Adria-Bank, Günter Striedinger, sowie Ex-Hypo-Boss Wolfgang Kulterer und andere starten: Ihnen wird vorgeworfen, die Hypo bei einem Geschäft über Liechtenstein bewusst geschädigt zu haben (Details siehe unten) . Im KURIER-Gespräch packt Striedinger aus und geht mit den vom Staat eingesetzten Ermittlern scharf ins Gericht.

KURIER: Sie sollen im Jahr 2004 gemeinsam mit Bank-Chef Wolfgang Kulterer die Hypo um 5,15 Millionen Euro gebracht haben, steht in der Anklage ...
Günter Striedinger:
Im Gegenteil: Wir haben 100 Millionen Euro Eigenkapital für die Bank geschaffen. Dies wiederum hat Geschäfte mit vielen Millionen Euro Gewinn ermöglicht.

Diese Kapitalerhöhung wurde über Liechtensteiner Konten abgewickelt. Da kam der Verdacht auf, dass Geld in private Taschen abgeflossen sein könnte ...
Gegen mich wird seit mehr als eineinhalb Jahren ermittelt. Es gab Hausdurchsuchungen und alle meine Konten - geschäftliche und private - wurden geöffnet. Meine Kreditkartenrechnungen wurden sogar rückwirkend bis 1994 überprüft. Und es gab Abfragen im In- und Ausland, ob ich Firmenbeteiligungen habe. Nichts wurde dabei gefunden. Ich habe mir strafrechtlich nichts zuschulden kommen lassen. Öffentlich aber werde und wurde ich von den Ermittlern der CSI Hypo als Krimineller hingestellt. Das sind bösartige Menschen, die andere ohne Skrupel vernichten.

In der Anklage wird auch unterstellt, dass 2004 gar kein Eigenkapital geschaffen wurde, da es sich um eine Art Kapital-Ringelspiel gehandelt habe ...
Das weise ich zurück. Die relevanten Bilanzen 2004 und 2005 wurden sogar zwei Mal von den Wirtschaftsprüfern bestätigt. Vorstand und Aufsichtsrat wurden zwei Mal entlastet. Und dann gab es 2006/'07 noch die Prüfung der Bank durch Notenbank und Aufsicht. Hier wurden keine Gesetzesverletzungen festgestellt. Da hätten doch alle Prüfer irren müssen.

Insgesamt gibt es etwa 20 Anzeigen gegen Sie. Welche hat Sie am meisten getroffen?
Das war eine der ersten: Im Mai 2010 wurde ich von der CSI Hypo angezeigt, weil ich als Vorstand ein millionenschweres Verlustgeschäft mit zwei Küstengrundstücken in Istrien "sehenden Auges" eingegangen sein soll. Tatsächlich wurden diese Grundstücke (AB Maris und Darija) kurz nach der Anzeige von der Hypo mit Gewinn verkauft. Die Bank hat zudem alle Kredite inklusive Zinsen bezahlt bekommen. Diese Anzeige war der Beginn für Hausdurchsuchungen und Telefonüberwachung. Die CSI Hypo hat sogar meine Verhaftung gefordert, damit ich die Beute nicht auf die Seite räume. Die Ermittlungen, die inzwischen viele Millionen Euro kosten, laufen immer noch. Die recherchieren nicht einmal ordentlich.

Sie haben inzwischen auch die Ermittler angezeigt. Was fordern Sie?
Ich fordere Schadenersatz, weil meine Beraterfirma Rubicon durch die öffentlichen Diskreditierungen meiner Person einen Millionen-Auftrag verloren hat. Zudem stelle ich in der Anzeige dar, dass es unrichtige Beschuldigungen gegen mich gibt.

Wie geht es mit der Anzeige weiter?
Das ist eine kuriose Geschichte. Die Staatsanwaltschaft in Klagenfurt hat sich für befangen erklärt, weil sie mit den Ermittlern der CSI Hypo eng kooperiert. Das widerspricht doch klar dem Auftrag, dass Staatsanwälte unparteiisch und objektiv sein müssen. Die Oberstaatsanwaltschaft Graz aber gab die Anzeige den Klagenfurtern zurück. Dann wurde die Anzeige als unbegründet abgewiesen.

Wie reagieren Sie darauf?
Ich fühle mich rechtlich als Staatsbürger zweiter Klasse behandelt. Ich kämpfe gegen die Staatsmacht, die mich als Sündenbock büßen lassen will. Aber ich lasse mir das nicht gefallen. Dass die Staatsanwaltschaft Klagenfurt meine Anzeige ad acta legt, ist ein klarer Beweis, dass nicht mit fairen Mitteln gearbeitet wird. Ich habe eine Eingabe bei der Generalprokuratur gemacht und hoffe nun auf Gerechtigkeit.

Sie resignieren nie?
Nein. Wenn auch die Generalprokuratur nichts macht, werde ich zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gehen.

Zur Person: Günter Striedinger
Der Kärntner Betriebswirt kam 1987 zur Hypo-Alpe-Adria-Bank. Er war in den 1990er-Jahre wesentlich für den Aufbau der Hypo Leasing verantwortlich und leitete ab 1993 den Bereich Auslandsfinanzierung. 2000 kam er in den Vorstand der Bank. Zuständig war Günter Striedinger für die Geschäfte der Hypo in Südosteuropa.

2005 bekam die Hypo die ersten großen Probleme: Wegen eines 300 Millionen Euro Verlustes aus einem Swapgeschäft wurden Bank-Chef Wolfgang Kulterer und Striedinger angezeigt. Striedinger kam mit einer Geldstrafe davon und schied so wie Kulterer 2006 aus der Bank aus. Ende 2009 musste der Staat die Hypo auffangen. Seither wird gegen die Ex-Chefs ermittelt.

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