Wirtschaft
05.12.2011

Stresstest "von Ereignissen überrollt"

Die Freude ist bei der Mehrheit der geprüften Banken groß. Von Entspannung kann dennoch keine Rede sein.

Nach dem Stresstest ist bei der überwiegenden Mehrheit der 91 geprüften Banken in der EU und in Norwegen die Freude groß: Die EU-Bankenaufsicht hat ihnen attestiert, dass sie auch im Krisenfall genügend Eigenkapital haben, um ihre Verluste abzudecken. Durchgefallen sind nur acht Banken, darunter die Österreichische Volksbanken AG.

Von Entspannung kann bei den europäischen Geldinstituten dennoch keine Rede sein. Denn sie wissen genauso gut wie viele Kritiker des Stresstests, dass die Crashannahmen der EU-Bankenaufsicht nicht die gesamte Realität abdecken. "Das eigentliche Problem liegt nicht - wie nun getestet - in den Verlusten der Banken, sondern im Zugang zum Kapitalmarkt und zur Liquidität", bringt Daniel Gros, Leiter des Centre for European Policy Studies die Problematik auf den Punkt. Der Stresstest, der schon vor Monaten entworfen wurde, sei von den Ereignissen überrollt worden. Aussagekraft habe er nur dann, wenn es der Politik gelinge einen Ausweg aus der Staatskrise zu finden.

Der Stresstest hat eine mögliche Krise, den Zahlungsausfalls Griechenlands, völlig außer Acht gelassen. Um das Feuer an den Finanzmärkten zu löschen kommen die Euro-Staats- und Regierungschefs am kommenden Donnerstag zu einem Sondergipfel nach Brüssel. Auf der Agenda steht das zweite Hilfspaket für Athen. Vor diesem Euro-Krisengipfel flammt der Streit über geeignete Rettungsmaßnahmen für Griechenland wieder auf. Jene Stimmen, die für einen teilweisen Schuldenerlass für das Land plädieren, nehmen zu.

So befürwortet etwa die deutsche Industrie einen Schuldennachlass für Griechenland verbunden mit einer Wiederaufbauhilfe. Der deutsche Wirtschaftsweise Wolfgang Franz meinte, er halte einen Schuldenschnitt letztlich für unausweichlich. Allerdings müsse er so gestaltet werden, dass der Euro-Zone kein Desaster erwachse.

Rating

Dieses Desaster zu vermeiden, wird nicht einfach. Ein Schuldennachlass für Griechenland dürfte von den Ratingagenturen mit einer Pleite des Landes gleichgesetzt werden. Die Griechenland-Anleihen würden auf die schlechteste Bonitätsstufe reduziert. Damit dürfte nicht einmal mehr die Europäische Zentralbank Griechenland Geld leihen.

Die EU versucht daher, die Macht der Ratingagenturen zu schmälern. Die EU-Finanzpolizei ESMA in Paris soll die Kompetenz erhalten, die Zulassung der Ratingagenturen zu kontrollieren. Wird eine Agentur nicht zugelassen, würde ihre Beurteilung nicht mehr als eine Expertenmeinung wiegen.

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