Wirtschaft
05.10.2017

Streit über Zukunft der Biomasse

Fast 17 Prozent des Stromverbrauchs kommen von Kraftwerken mit Ökostromförderung.

Etwa eine Milliarde Euro beträgt die jährliche Förderung für erneuerbare Energieträger. Das Geld kommt von den Haushalten. Die Gesamtproduktion an Ökostrom macht aber lediglich 16,7 Prozent des gesamten Stromverbrauchs in Österreich aus. Daher wird über die Umstellung auf ein effizienteres Fördersystem diskutiert. Die höchsten öffentlichen Ökostromförderungen benötigen derzeit in dieser Reihenfolge Sonnenenergie, Biogas, Biomasse fest und Windenergie.

Wasserkraft ist billig

Am günstigsten sind Kleinwasserkraftwerke. Im kommenden Jahr muss die neue Bundesregierung entscheiden, wer weiterhin Förderungen bekommt. Die SPÖ möchte die Zahlungen für Biomasseanlagen einstellen.

Daher versuchen die Besitzer von Bioenergieanlagen die Vorteile von Biomasse herauszuarbeiten. Der Biomasseverband hat die Österreichische Energieagentur mit einer Studie über den Nutzen der Biomasse beauftragt. Laut Energieagentur betragen die volkswirtschaftlichen Effekte seit 2002 rund 6,5 Milliarden Euro. Sollten die Biomasseanlagen zusperren, würde die Wertschöpfung laut Studienautor Lorenz Strimitzer pro Jahr um 269 Millionen Euro sinken. Weiters seien durch einen Aussteig aus der Biomasse 6400 Arbeitsplätze gefährdet.

Bruchholz

Außerdem stamme der Brennstoff für die Bioenergie fest aus Bruchholz das wegen Sturms oder sonstigen Wetterkapriolen ohnehin aus dem Wald entfernt werden müsse und für andere Zwecke nicht geeignet sei, betont der Vorsitzende der IG-Holzkraft, Hans-Christian Kirchmeier.

Wenn die garantierten Einspeisetarife auslaufen, werden die Biomasseanlagen ohne weitere Förderungen wegen des derzeit sehr niedrigen Strompreises zusperren müssen. Bei der größten Anlage Österreichs in Simmering läuft der garantierte Einspeisetarif 2019 aus. Wien-Strom wird im kommenden Jahr entscheiden, wie es mit der Anlage weitergeht. Die Biomasseanlage in Simmering produziert etwa sieben Prozent der gesamten Strommenge aller derartiger Anlagen in Österreich.

Mengenbilanz

Mittels Windenergie werden jährlich zwischen acht und neun Prozent des in Österreich verbrauchten Stromes hergestellt. Auf dem zweiten Platz bei der Mengenbilanz der erneuerbaren Energieträger ist Biomasse fest mit knapp unter vier Prozent. Es folgt die Kleinwasserkraft mit rund drei Prozent. Biomasse flüssig und Sonnenenergie sind die Schlusslichter. Sie produzieren jeweils nur etwa ein Prozent des Stromverbrauchs.