Importe aus China sorgen für Konflikt und  drücken die Konjunktur

© APA/AFP/MARK RALSTON

Wirtschaft
07/30/2019

Steht die nächste Wirtschaftskrise vor der Tür?

Notenbanken wollen Abschwung bremsen, aber politische Konflikte gefährden Weltwirtschaft.

von Irmgard Kischko

Noch läuft alles gut: Die Arbeitslosigkeit sinkt, der private Konsum wächst und die Betriebe expandieren – in Österreich, Europa und auch in den USA. Dass die US-Notenbank an diesem Mittwoch die Zinsen senken will, passt eigentlich nicht ins Bild. Da drängt sich die Frage auf: Wissen die Notenbanker mehr? Bricht die Konjunktur etwa steil ab? Der KURIER hat dazu zwei Experten befragt.

Wie robust ist die US-Konjunktur derzeit?

Geht man von den aktuellen Daten zum Einzelhandel, Arbeitsmarkt und Inflation aus, steht die US-Wirtschaft gut da. Sogar die Industrieproduktion liege noch im positiven Bereich, sagt Peter Brezinschek, Chefanalyst der Raiffeisen Bank International (RBI). Allerdings hat sich das Wirtschaftswachstum verlangsamt. Stefan Bruckbauer, Ökonom der Bank Austria UniCredit, gibt zu bedenken, dass die US-Konjunktur vor allem von der Steuersenkung und von Staatsausgaben getragen werde.

Besteht die Gefahr eines abrupten Abbruchs des Wachstumspfads?

Abrupt eher nicht, aber allmählich endet der längste Aufschwung der US-Geschichte. Immerhin legte die amerikanische Wirtschaft seit 2009 stetig zu. Die Effekte der Steuersenkung würden nun auslaufen. Für 2020 erwartet Bruckbauer daher eine kleine Rezession mit leicht schrumpfender Wirtschaft im ersten Halbjahr.

Kann eine Zinssenkung den US-Konjunkturabschwung verhindern?

Verhindern wohl nicht zur Gänze, aber dämpfen. Immerhin haben die USA im Gegensatz zu Europa Spielraum zur Zinssenkung. Die US-Zinsen liegen in einem Band von 2,25 und 2,5 Prozent. Minus 0,25 Prozentpunkte dürfte die Notenbank am Mittwoch beschließen, lautet die Erwartung der Experten. Präsident Donald Trump hätte gern minus 0,5 Punkte Zinsreduktion. Diesen Gefallen dürfte ihm die Federal Reserve eher nicht machen. Sie würde damit zu viel Pulver auf einmal verschießen.

Wirkt sich die US-Zinssenkung auch auf die Weltwirtschaft aus?

Für Peter Brezinschek liegt darin sogar der Hauptgrund für die Zinssenkung. Die Federal Reserve erleichtere damit den Schwellen- und Entwicklungsländern das Leben. Viele von ihnen – wie Brasilien oder Indien – sind in Dollar verschuldet. Niedrigere Zinsen verbilligen diese Schulden. Zudem sorge die US-Notenbank mit der Lockerung der Zinsen für den Fall einer Eskalation des Handelskonflikts mit China vor. Denn das könnte die Weltwirtschaft stark belasten.

Wie steht es um die Wirtschaft in Europa?

Auch hier stehen die Zeichen auf deutliche Abkühlung der Konjunktur. Vor allem die Industrieproduktion, und hier wiederum insbesondere in Deutschland, verliert rasant an Schwung. Trotzdem sehen weder Brezinschek noch Bruckbauer die Gefahr einer Rezession. „Wir werden aber in den nächsten Quartalen mit niedrigem Wirtschaftswachstum von ein bis 1,5 Prozent leben müssen“, erwartet Bruckbauer.

Wird auch die Europäische Zentralbank die Zinsen senken?

Ja, voraussichtlich im September soll der Einlagensatz für Banken bei der EZB von minus 0,4 auf bis zu minus 0,6 Prozent herabgesetzt werden. Eine Senkung hat die Zentralbank bei ihrer jüngsten Sitzung im Juli bereits angedeutet.

Was bringt es, wenn die Euro-Zinsen noch tiefer ins Minus rutschen?

„Gar nichts“, lautet die Überzeugung von RBI-Analyst Brezinschek. „Die Höhe der Zinsen ist nicht die Ursache des Abschwungs“, sagt er. Europa brauche eine klare Antwort auf den Handelskonflikt, eine Einigung über die Klimapolitik und über den Brexit. Diese politischen Risiken seien gefährlich, könnten aber von Notenbanken nicht verhindert werden.

Warum werden die Zinsen dann überhaupt gesenkt?

Niedrigere Zinsen helfen den Schuldnerländern, vor allem Italien. Dass die Industrie mehr investiert, weil Kredite noch billiger werden, ist unwahrscheinlich. Denn Kapital ist derzeit keine Mangelware in den meisten Unternehmen.

Werden auch Privatkredite billiger?

Ja, auch die Kreditzinsen fallen weiter. Das billige Geld stecken Private seit Jahren in den Kauf von Wohnungen und Häusern. Das treibt die Immo-Preise in Europa hoch. Zu hoch, wie immer mehr Fachleute meinen. Erst vor zwei Tagen haben EZB-Experten vor einer Immo-Blase in Europa gewarnt.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.