Wirtschaft
10.11.2018

Startschuss für milliardenschwere "Infineon-City" in Villach

1,6 Mrd. Euro für Standorterweiterung. Infineon-Österreich-Chefin Sabine Herlitschka sieht "Jahrhundertschance für Kärnten".

Da gibt auch ein Kanzler gerne das Steuer aus der Hand: In einem elektrisch angetriebenen, vollautomatisierten Audi Elaine SUV-Coupé werden Bundeskanzler Sebastian Kurz, EU-Digital-Kommissarin Mariya Gabriel und Infineon-Vorstand Reinhard Ploss heute, Samstag, zum Spatenstich aufs Infineon-Gelände kutschiert. Audi ist ein wichtiger Infineon-Kunde, ohne Leistungselektronik aus Villach blieben die E-Autos stehen.

Die Politprominenz feiert den Startschuss für eines der größten Investments eines ausländischen Unternehmens in Österreich überhaupt und zugleich eines der wichtigsten in der europäischen Elektronikbranche der vergangenen Jahre. Wie im Mai angekündigt, investiert das deutsche Halbleiter-Unternehmen 1,6 Milliarden Euro in eine neue, vollautomatisierte Fertigung von Leistungshalbleitern auf 300-Millimeter-Dünnwafern sowie einen weiteren Gebäudekomplex für Forschung & Entwicklung.

Bis Anfang 2021 sollen dadurch 750 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden, 400 in der Produktion und 350 in der Forschung. Derzeit sind am Standort Villach rund 3300 Mitarbeiter aus 50 Nationen beschäftigt.

Meilenstein

Infineon-Österreich-Chefin Sabine Herlitschka spricht gegenüber dem KURIER euphorisch von einem „Meilenstein in der europäischen Industriegeschichte“ und einer „Jahrhundertchance für Kärnten“. Ein derart großes Infrastrukturprojekt habe auch positive volkswirtschaftliche Auswirkungen für die gesamte Region. „Jeder Arbeitsplatz bei Infineon sichert indirekt drei weitere neue Jobs in Österreich“, rechnet Herlitschka vor. Aktuell seien das mehr als 12.000 Arbeitsplätze.

Die Standort-Erweiterung erfolgt in mehreren Etappen. Das Forschungsgebäude soll 2020 fertig sein, der Produktionsstart für das neue Werk ist 2021 geplant. Die Bewerbungen laufen bereits, rund 15.000 Interessenten aus ganz Europa hätten sich schon vormerken lassen, berichtet Herlitschka. Benötigt werden in der vollautomatisierten Waferfertigung neue Qualifikationen im Bereich Industrie 4.0, also an der Schnittstelle Mensch-Maschine. „Wir suchen HTL-Absolventen und noch höhere Qualifikationen“, erläutert Herlitschka und wünscht sich noch mehr weibliche Bewerber. Aktuell gebe es bei Infineon Österreich mehr als 300 freie Stellen. Das Investment soll auch einen „Turbo“ für die Technik-Ausbildung in Kärnten bringen.

Schule und Straße

Infineon selbst betreibt in Villach einen eigenen Kindergarten mit Technik-Schwerpunkt und eine internationale Schule. Die Erweiterung erfordert zusätzliche Infrastrukturmaßnahmen. Die Stadt errichtet 800 neue Wohnungen, eine eigene Zufahrtsstraße mit acht Amphibiendurchlässen und neue Öffi-Anbindungen. Wegen der Bauarbeiten mussten 1200 provisorische Parkplätze in Villach geschaffen werden. Die kurzfristige Umwidmung von Grünland sorgte für viel Kritik. Das neue Parkhaus wird 2019 fertig. Für das Großprojekt wurde mit Stadt, Land und Bund eine eigene Task Force eingerichtet, um Genehmigungen rascher voranzutreiben.