Die Durststrecke für Start-ups ist vorbei
Zusammenfassung
- Im ersten Halbjahr flossen 472 Mio. Euro in österreichische Start-ups – mehr als viermal so viel wie im Vorjahr, aber noch unter dem Niveau von 2022.
- Mit 97 Finanzierungsrunden wurde ein Rekord erreicht, getragen von größeren Tickets, aktiveren Venture-Capital-Fonds und mehreren Großinvestitionen wie in Waterdrop und Gropyius.
- Trotz der Erholung ist von Goldgräberstimmung laut EY keine Rede, auch wenn große Exits und der geplante Dachfonds neue Impulse für den Standort setzen könnten.
Österreichische Start-ups haben im ersten Halbjahr so viel Geld bekommen wie schon lange nicht mehr. Insgesamt flossen von Jänner bis Juni 472 Mio. Euro in heimische Jungunternehmen, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Start-up-Barometer der Unternehmensberater von EY hervorgeht. Das ist mehr als viermal so viel wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres, aber noch deutlich weniger als im ersten Halbjahr 2022, als 884 Mio. Euro von heimischen Start-ups eingesammelt wurden.
Insgesamt wurden 97 Finanzierungsrunden abgeschlossen, so viele wie überhaupt noch nie. Das durchschnittliche Finanzierungsvolumen stieg von zwei auf 6,3 Mio. Euro. 38 Start-ups konnten Investitionen von mehr als einer Mio. Euro an Land ziehen.
„Nach Jahren der Zurückhaltung werden Venture-Capital-Fonds wieder aktiver, die Investitionsbereitschaft steigt und größere Finanzierungsrunden kehren zurück“, sagt Florian Haas, Head of Start-up bei EY Österreich.
Großinvestitionen
Am meisten bekamen mit jeweils 100 Mio. Euro der Brausewürfelhersteller Waterdrop und das auf modulares Bauen spezialisierte Start-up Gropyius. Immerhin 30 Mio. Euro flossen in das auf die Analyse von E- und Hybrid-Auto-Batterien spezialisierte niederösterreichische Unternehmen Aviloo. Enpulsion, das Antriebssysteme für kleine Satelliten herstellt, erhielt 22,5 Mio. Euro und Reps aus Tirol, das mit speziellen Bodenplatten aus Parkplätzen und Straßen grüne Energie erzeugt, erhielt 20,2 Mio. Euro.
Das erste Halbjahr sei aber nicht nur aufgrund einzelner Großfinanzierungen erfolgreich verlaufen, sagte Haas. Es habe auch mehr Finanzierungsrunden, deutlich größere Tickets und mehr internationale Investoren gegeben. Zu sehen sei eine hohe Aktivität quer durch zahlreiche Branchen und Unternehmensphasen.
Nach den beiden Großinvestitionen in Waterdrop (E-Commerce) und Gropyius (Bautechnologie) florierten vor allem Start-ups in den Bereichen Software & Analytics und im Gesundheitssektor, die sich 58 bzw. 56 Mio. Euro an Finanzierungen sichern konnten. Auch in den Bereichen Mobilität (30 Mio. Euro), Raumfahrt (29 Mio. Euro) und Green Tech (23 Mio. Euro) gab es hohe Investitionsvolumina.
Von Goldgräberstimmung weit entfernt
Von einer Goldgräberstimmung sei man noch weit entfernt, mahnte EY-Start-up-Experte Haas: „Die vergangenen Jahre haben Spuren hinterlassen und viele Start-ups mussten lernen, deutlich kapitaleffizienter zu arbeiten.“
Große Exits
Im ersten Halbjahr machten nicht nur Finanzierungsrunden, sondern auch zwei große Unternehmensverkäufe von sich reden. Das oberösterreichische Haustiertracking-Start-up Tractive ging für rund 780 Mio. Euro an den italienischen Technolgoiekonzern Bending Spoon, der sich damit auch für seinen Börsengang schön machte. EmmiAI aus Linz wurde für kolportierte 300 Mio. Euro an den europäischen KI-Primus Mistral verkauft.
„Erfolgreiche Exits beweisen, dass österreichische Start-ups in der Lage sind, Unternehmen mit internationaler Relevanz aufzubauen und attraktive Renditen für Investoren zu erzielen“, sagt Haas: „Solche Erfolgsgeschichten schaffen auch neue Vorbilder für die nächste Gründergeneration.“
Auch von der Umsetzung des von der Regierung geplanten Dachfonds, der Anfang 2027 operativ tätig werden soll, erwartet sich Haas einiges: Er sende ein wichtiges Signal an Investoren, dass Österreich Innovation und Unternehmertum unterstützen möchte: „Das ist im internationalen Wettbewerb um Kapital von enormer Bedeutung.“
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