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Wirtschaft
04/18/2019

Starkoch Toni Mörwald plant millionenschweres Hotelprojekt

Acht Millionen Euro sollen dafür zum Teil von Investoren aufgebracht werden, 2,5 Millionen Euro will Mörwald selbst aufbringen.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Zwei seiner vier Restaurants wurden mit drei Hauben geadelt. Er betreibt mittlerweile drei Hotels mit 36 Zimmern am Wagram, seine Kochschule besuchen jährlich 2500 Gäste aus Nah- und Fernost. Und das kulturelle Top-Angebot auf Schloss Grafenegg umrahmt er als Gastro-Pächter mit Haute Cuisine.

Nicht zu vergessen die Vielzahl der von ihm ausgebildeten Köche, die in den besten Häusern rund um den Globus arbeiten. Die Rede ist vom Niederösterreicher Toni Mörwald. Er gilt als eine Art Landes-Patron in Sachen ausgefeilter Kochkunst.

Sein Gastro-Unternehmen mit Sitz in Feuersbrunn setzte im Vorjahr rund fünf Millionen Euro um. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibung (Ebitda) wird mit 500.000 Euro beziffert. Unterm Strich erzielte er ein Ergebnis (EGT) in Höhe von 70.000 Euro. In der Nobel-Gastronomie und -Hotellerie sind positive Jahresabschlüsse – aufgrund der hohen Kosten (Mitarbeiter, Lebensmittel, Investitionen) – eigentlich nicht die Regel.

"Wertschöpfung verbessern"

Um die Wertschöpfung zu verbessern, will Mörwald vor allem die Verweildauer der Gäste erhöhen. Zugleich wälzt er große Expansionspläne. „Die nächste Etappe ist der Ausbau des Hotels um 45 Zimmer und Suiten in der Premium-Klasse“, sagt Mörwald zum KURIER. Das geschieht durch einen Zubau zum bestehenden Hotel und durch die Revitalisierung von leer stehenden Häusern im Ortskern von Feuerbrunn, die er gekauft hat.

Das Investment soll acht Millionen Euro betragen. Diese Summe soll einerseits durch private Investoren („Private Placement“) im Form von Nachrangdarlehen aufgebracht werden, Mörwald selbst will 2,5 Millionen Euro Eigenkapital aufbringen. Zusätzlich soll auch noch eine Bankenfinanzierung aufgestellt werden.

"2,5 Millionen Euro Eigenkapital"

Die Umsetzung soll bereits im Jahr 2020 beginnen. „Wenn mein Anteil nicht zustande kommt, können wir das Projekt nicht machen“, räumt Mörwald ein. 2,5 Millionen Euro Eigenkapital ist ein ordentlicher Brocken. Acht Liegenschaften stehen laut Grundbuch in Toni Mörwalds persönlichem Eigentum. Im März 2019 hat er von einer Bank ein Nachbargebäude um 103.000 Euro gekauft. Drei Banken haben auf drei seiner acht Liegenschaften Höchstpfandrechte in Höhe von bis zu 950.000 Euro, 2,45 Millionen Euro und 3,16 Millionen Euro eintragen lassen.

Hohe Anlaufverluste

In der Bilanz 2017 werden die Verbindlichkeiten mit 7,38 Millionen Euro beziffert. Der erste große Hotelausbau wurde 2017 abgeschlossen. So sei es auch kein Wunder, dass der Familienbetrieb Mörwald Holding GmbH in der Bilanz 2017 noch deutliche Anlaufverluste (Bilanzverlust) in Höhe von 1,5 Millionen Euro ausweist. Seine Familie arbeitet hart, nämlich 364 Tage – außer Weihnachten – im Jahr, wie Mörwald sagt, um allen finanziellen Verpflichtungen ordentlich nachzukommen. Fast 400.000 Euro zahlt Mörwald für Kredite samt Zinsen im Jahr zurück.

Zwischendurch mussten auch noch 386.000 Euro für eine Lohnabgaben-Nachzahlung für 50 Mitarbeiter geschultert werden, sagt er. Eine gängige Überstundenregelung wurde beanstandet.

"Wir haben kein Problem, unsere Mitarbeiter zu halten"

Mörwald ist im niederösterreichischen Gastro-Tourismus eine Fixgröße. Im Jahr 2017 kam er in den Genuss eines Investitionszuschusses des Landes NÖ in Höhe von einer Million Euro. „Wir bringen uns jetzt in die Zielgerade und sind gut unterwegs“, meint Mörwald über die aktuelle Entwicklung seiner Geschäfte. „Wir haben kein Problem, unsere Mitarbeiter zu halten. Wir beziehen sie ein und sie erhalten eine gute Bezahlung.“ Nachsatz: „Bei uns sitzen die Mitarbeiter beim Frühstück und Mittagessen am Haustisch.“

Nicht allen in Feuersbrunn (Gemeinde Grafenwörth) gefallen Mörwalds Expansionspläne, das ist kein Geheimnis.

„Signalwirkung“

„Für uns ist die Signalwirkung im Tourismus wichtig“, sagt Bürgermeister Alfred Riedl gegenüber dem KURIER. „Wir haben sehr gute Winzer, die international wahrgenommen werden. Wenn man aber hier nicht entsprechend nächtigen kann, ist das eine Katastrophe. Jeder, der hier etwas entwickelt, ist gern gesehen.“

Mörwald in Feuersbrunn

Drei Restaurants betreibt die Mörwald Holding GmbH in Feuersbrunn, dazu wird die Taverne Schloss Grafenegg und das Le Ciel im Wiener Grand Hotel von Toni Mörwald bekocht, mit insgesamt acht Hauben sind diese ausgezeichnet. Drei Hotels mit 36 Zimmern, die Kochakademie und der Weinbau kommen noch dazu.

 

Weinbau am Wagram

Die Lössböden und Südhänge am Wagram bringen große Weine hervor, nicht nur großartige Weißweine, sondern auch exzellente rote Gewächse. Top-Winzer sind laut Falstaff u.a. Anton Bauer ("Winzer des Jahres"), Karl Fritsch, Josef Fritz, Weingut Kolkmann, Franz Leth und Bernhard Ott.