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Wirtschaft von innen
05/25/2016

Staatsholding ÖBIB: Drozda als Talente-Scout

von Andrea Hodoschek

Noch ist es nicht offiziell, aber für Insider ist es so gut wie fix: Bundeskanzler Christian Kern dürfte seinen Kanzleramtsminister Thomas Drozda ins Nominierungskomitee der Staatsholding ÖBIB schicken. Das vierköpfige Gremium sucht die Aufsichtsräte für die Beteiligungen der ÖBIB aus. Eine einflussreiche Position. Geht es doch um Flaggschiffe der heimischen Wirtschaft – OMV, Telekom, Post und Casinos Austria.

Der Posten wurde mit dem Abgang von SPÖ-Staatssekretärin Sonja Steßl vakant. Womit das Komitee zur reinen Männerrunde wird. Mitglieder sind noch ÖVP-Staatssekretär Harald Mahrer (hat für heuer den Vorsitz), Andritz-Boss Wolfgang Leitner und Günter Geyer, Aufsichtsrats-Chef der Vienna Insurance Group. Für die bisherigen Entscheidungen braucht sich das Komitee nicht zu genieren. Letzte prominente Besetzung ist Ex-Siemens-Konzernboss Peter Löscher als Aufsichtsratschef der OMV.

Der Kern-Vertraute Drozda, studierter Betriebswirt, hat durchaus Affinität zur Wirtschaft. Nach einem kurzen Zwischenspiel bei der Nationalbank war er wirtschaftspolitischer Berater im Kabinett von Franz Vranitzky und zehn Jahre lang kaufmännischer Geschäftsführer des Burgtheaters. Zuletzt leitete er die Vereinigten Bühnen.

Neudefinition der ÖBIB?

Spannend wird, wie Kern die Position der Staatsholding grundsätzlich anlegt. Ob er die ÖBIB als reine Verwaltungseinheit für die Staatsbeteiligungen sieht, was sie derzeit ist, oder für eine aktivere Rolle eintritt. Man kann davon ausgehen, dass Kern wirtschaftspolitisch mehr gestalten wird als Vorgänger Werner Faymann, den die Unternehmen nicht sonderlich interessierten und der sich in Sachen Industriepolitik hauptsächlich von Noch-AK-Direktor Werner Muhm beraten ließ. OMV-Chef Rainer Seele beispielsweise bekam als Boss des größten börsenotierten Unternehmens und bedeutendsten Energieversorgers des Landes keinen Termin bei Faymann. Voest-Chef Wolfgang Eder soll es nur ein Mal zu einer viertelstündigen Audienz geschafft haben.

Matthä vorläufig ÖBB-Chef

ÖBB-Aufsichtsratschefin Brigitte Ederer (SPÖ) und ihr Vize Kurt Weinberger (ÖVP-naher Chef der Hagelversicherung) hatten sich schon für Infrastruktur-Vorstand Andreas Matthä als interimistischen Nachfolger von Kern als Chef der Bahn-Holding ausgesprochen. Am Dienstag votierte der gesamte Aufsichtsrat bei einer außerordentlichen Sitzung für Matthä. Der Job des ÖBB-Chefs wird jetzt EU-weit ausgeschrieben, am 4. Juli steht laut Aufsichtsrats-Fahrplan die endgültige Entscheidung an. Anzunehmen, dass Matthä den Job dann fix bekommt.

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