Spritpreis: Ein wildes Ringen von Markt und Politik
Wie viel eine Tankfüllung kostet, kann sich derzeit wöchentlich stark ändern.
Die hohen Spritpreise halten Österreich weiterhin in Atem. Am Wochenende waren die Preise an den Tankstellen zwar leicht gesunken, am Montag um zwölf Uhr Mittag ging es jedoch wieder aufwärts. Auf den Rohöl-Handelsplätzen gab es unterdessen eine gegenläufige Entwicklung.
Ein Wort von Trump reicht
Kurz nach zwölf Uhr kam es zu einem schlagartigen Preisverfall, nachdem US-Präsident Donald Trump angekündigt hatte, jegliche militärischen Angriffe auf iranische Energieinfrastruktur für fünf Tage auszusetzen. Rohöl der Sorte Brent kostete innerhalb von Minuten um bis zu 13 Prozent weniger. Die Hoffnung auf Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien wirkte sich an den Börsen sofort positiv aus. Ob es zu einer Einigung kommt, ist fraglich. Der Öl- und Gastransport durch die Straße von Hormus bleibt unterdessen stark eingeschränkt.
So entwickelte sich der Ölpreis 2022 und so steigt er aktuell.
Es wird noch dauern
Laut Raiffeisen-Research-Chefanalyst Gunter Deuber entwickeln sich die Ölpreise derzeit ähnlich wie im Februar 2022 nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine. Damals seien sie ebenfalls in relativ kurzer Zeit auf 120 Dollar und darüber geklettert. Erst nach rund neun Monaten seien sie wieder auf Vorkriegsniveau gefallen. Im Vergleich zu damals seien die Reserven zwar höher. Allerdings wären sie nach drei Monaten trotz eingeleiteter Puffermechanismen (Überangebot, Freigabe strategischer Reserven und Lockerung von Sanktionen) aufgebraucht.
Aktuell gebe es ausreichend Öl am Markt, die Preisaufschläge von rund 35 Dollar je Barrel seien auf geopolitische Risikoprämien zurückzuführen. „Eine anhaltende Blockade der Straße von Hormus würde zu einem anhaltenden Versorgungsschock globaler Natur führen“, so Deuber. Für den globalen Ölmarkt sei es wichtig, wenn China und Indien weiterhin versorgt würden. Daher erwartet Deuber keine Komplettsperre seitens des Iran. Im zweiten Quartal sieht er einen Durchschnittspreis von 125 Dollar. Erst im dritten Quartal werde der Durchschnittspreis auf 95 Dollar sinken. Deuber hält es für „sehr riskant“, in Marktpreise einzugreifen. „Der Ölpreis kann relativ schnell nach unten gehen, man sollte daher eher abwarten“, rät er der Bundesregierung.
Stabilisierungsmaßnahme
Die Regierung arbeitet unterdessen mit Hochdruck daran, den Anstieg der Preise an den Tankstellen einzudämmen. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer plant, bis zu 325.000 Tonnen Rohöl (das entspricht rund elf Tagen der Pflichtnotstandsreserve) freizugeben. Er braucht dazu die Zustimmung des Energielenkungsbeirats. Am 1. April sollen davon in einem ersten Schritt 65.000 Tonnen verfügbar gemacht werden. Das Rohöl soll in der Raffinerie zu Treibstoffen verarbeitet werden und ausschließlich im Inland zur Abgabe gelangen.
Ziel ist es, Preisspitzen abzufedern, Märkte zu stabilisieren und die Versorgungssicherheit abzusichern. Man will nach dem Grundsatz „So viel Eingriff wie nötig, so wenig wie möglich“ vorgehen. Die Lage bleibt aber weiterhin hochvolatil.
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