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Sparprogramm
11/28/2013

Banken: Das große Kürzen hat begonnen

Bank Austria streicht bis zu 1800 Stellen, auch bei anderen Instituten regiert der Sparstift.

von Irmgard Kischko, Hermann Sileitsch-Parzer

Der Job-Kahlschlag bei Österreichs Banken hat jetzt so richtig begonnen. Fünf Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise setzen die Institute den Rotstift beim Personal an.

Die Bank Austria (BA), die sich selbst als Branchenvorreiter sieht, kündigte am Donnerstag an, bis 2015 bis zu 850 weitere Stellen zu kürzen. Ein Schock: Damit wird der Job-Abbau schlagartig verdoppelt. Der Mitarbeiterstand in Österreich wird von 10.800 bis 2015 in Richtung 9000 gehen, sagte BA-Chef Willibald Cernko. Wenn möglich ohne Kündigungen.

Mit den Personaleinsparungen steht er nicht allein da. Auch bei der Bawag PSK sollen 900 von rund 4000 Beschäftigten gehen. Die Erste Bank hat in Österreich (inklusive Tochtergesellschaften) in den vergangenen fünf Jahren die Zahl der Mitarbeiter um 500 auf 15.800 reduziert.

An der Schraube Personalkosten dreht auch Raiffeisen, will das aber nicht an die große Glocke hängen. Bei der Raiffeisenbank Niederösterreich-Wien ging der Mitarbeiterstand heuer um 60 zurück. „Wir versuchen den Abbau sozial verträglich durchzuführen – durch Nicht-Nachbesetzen von Abgängen und Pensionierungen“, sagte RLB NÖ-Wien-Chef Klaus Buchleitner. Raiffeisen-General Walter Rothensteiner bestätigt das Sparvorhaben, will für den gesamten Sektor aber keine Zielgröße nennen. Der Raiffeisensektor beschäftigte Ende 2012 österreichweit 24.700 Mitarbeiter.

Abbau-Banken

Ganz schlecht geht es den Mitarbeitern der Problembanken: Die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) hat in Österreich bisher 350 Mitarbeiter abgebaut. Von jetzt 1100 Beschäftigten wird in wenigen Jahren nur rund die Hälfte übrig bleiben. In eine unsichere Zukunft blicken die Mitarbeiter der verstaatlichten Hypo Alpe-Adria Bank in Österreich. Noch gab es dort keinen Personalschnitt. Der Grund: Eine Vielzahl von Experten ist mit der Restrukturierung der Bank beschäftigt. Mittelfristig aber wird es für die 600 Mitarbeiter in der Klagenfurter Holding eng. Wenn die Balkan-Töchter verkauft werden, könnten bis zu 300 Mitarbeiter in der Zentrale ihre Jobs verlieren.

Dass die Abbauwelle jetzt losrollt, hat mehrere Gründe:

Zinstief: Die Mini-Zinsen ärgern nicht nur die Sparer. Für die Banken wird es immer schwieriger im Einlagen- und Kreditgeschäft Geld zu verdienen.

Osteuropa:Vor der Krise warf das Geschäft im Osten für Österreichs Banken gute Erträge ab. Inzwischen wächst die Region kaum stärker als Westeuropa, die faulen Kredite aber steigen rasant.

Belastungen: Bankensteuern – vor allem in Ungarn und Österreich – zehren am Gewinn. Und die strengen Aufsichts-Regeln verursachen hohe Mehrkosten. Das heißt: Kosten müssen runter. Die Bank Austria sieht die Zukunft in der Beratung über Video und investiert 100 Millionen Euro in die Technologie.

ÖVAG schreibt bis 2015 Verluste

Die teilstaatliche Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG), der von der EU eine drastische Verkleinerung vorgeschrieben wurde, hat in den ersten drei Quartalen 2013 ihr Geschäftsvolumen um 4,3 Milliarden auf 23,3 Milliarden Euro verringern. Verkauft wurden Immobilien und riskante Kredite im Gesamtvolumen von 2,7 Milliarden Euro.

Dieser Schrumpfungsprozess, mit dem das in der Bank schlummernde Risiko reduziert wird, hat zwei Effekte: Zum einen schreibt die ÖVAG heuer und in den kommenden beiden Jahren Verluste, weil die Verkäufe nur zu tiefen Preisen möglich sind. Minus 66,8 Millionen Euro betrug das Ergebnis nach Steuern allein in den ersten neun Monaten 2013. Zum anderen wird dadurch Eigenkapital frei. Denn für jeden riskanten Kredit muss die Bank laut Gesetz Eigenkapital auf die Seite legen. Die Kapitalquote ist daher auf 13 Prozent gestiegen.

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