Wirtschaft
23.07.2018

Sparbuch bleibt trotz Mini-Zinsen die Nummer 1

Österreicher wollen kaum in Wertpapiere veranlagen. Dadurch erleiden sie finanzielle Einbußen.

Mehr als sechs von zehn Österreichern wollen ihr erspartes Geld in den nächsten zwölf Monaten aufs Sparbuch legen. Das zeigt eine Umfrage der Erste Bank (siehe Grafik). Rund 244,5 Milliarden Euro des österreichischen Geldvermögens sind bereits so veranlagt. „Die Kombination aus Inflation und Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank hat Österreichs Sparbuch-Besitzer erneut ärmer gemacht. Unterm Strich verloren ihre Einlagen im Vorjahr 3,9 Milliarden Euro real an Wert“, sagt Fabian Stephany, Ökonom beim Thinktank Agenda Austria.

Aktien haben langfristig laut Stephany die höchste Chance auf Wertsteigerung, aber nur 15 Prozent der Sparer wollen so ihr Geld anlegen. „Aktien und weitere Wertpapiere wie Fonds und Anleihen spielen in anderen Ländern eine wesentlich größere Rolle beim durchschnittlichen Geldvermögen“, sagt Stephany. Durch die anhaltend niedrigen Zinsen seien die österreichischen Sparer daher überdurchschnittlich betroffen.

Hätten Österreichs Haushalte, so Berechnungen der Bank Austria, ein umgekehrtes Verhältnis von Spareinlagen und Wertpapieren im Vorjahr gehabt (also 25 Prozent in Einlagen und 50 Prozent in Wertpapieren), so hätten sich die Verluste bei Einlagen deutlich reduziert: Sie wären realen Gewinnen bei Wertpapieren in Höhe von 6,4 Milliarden Euro gegenüber gestanden.

Keine Besserung

„Die negative Bilanz bei Spareinlagen wird sich aus heutiger Sicht in den nächsten Jahren noch verschärfen“, sagt Markus Kosche, Vertriebsleiter Privatkunden bei der Bank Austria.

Als Grund für die nicht enden wollende Liebe der Österreicher zum Sparbuch nennt er mangelndes Wissen über alternative Veranlagungen.