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Lebensmittelhandel
02/15/2013

Spar-Chef: "AK-Preisvergleiche sind unrichtig"

Spar-Chef Gerhard Drexel über hohe Aktionsanteile und die Preiserosion bei Marken.

von Simone Hoepke

Gerhard Drexel schließt aus, dass falsch deklariertes Pferdefleisch in Spar-Märkte gelangt ist. Er plädiert für ein 24 Hektar großes Glashausprojekt in der Steiermark, um von Lebensmittelimporten unabhängiger zu werden. Es nicht zu bauen wäre Verrat an der Zukunft, sagt er.

KURIER: Spar hat im Vorjahr die Umsätze einmal mehr gesteigert. Die Leute essen aber nicht mehr. Wie sehr müssen Aktionen die Umsätze ankurbeln?

Gerhard Drexel: Im österreichischen Lebensmittelhandel liegt der Aktionsanteil bei knapp 30 Prozent. Die Spar-Gruppe macht konstant ein Viertel des Umsatzes mit Aktionen.

Die Arbeiterkammer kritisiert dennoch regelmäßig, dass Lebensmittel in Österreich teurer sind als in Deutschland ...

Die AK vergleicht nur Normalpreise und ignoriert den riesigen Aktionsanteil völlig. In Österreich spielen Aktionen wie 1+1Gratis, Rabatte von 25 Prozent auf ganze Warengruppen und so weiter eine viel größere Rolle als in Deutschland. Und für Kunden ist nicht relevant, wie hoch der Normalpreis wäre. Die AK-Vergleiche sind also schlicht nicht richtig.

Im Kampf um Kunden listet Hofer verstärkt Marken wie Coca-Cola oder Danone ein. Stimmt es, dass Sie aus Ärger darüber lieber eigene Labels als Marken in die Regale schlichten lassen?

Das stimmt in dieser Kausalität nicht. Verkauft ein Diskonter Markenware, kommt es aber immer zu einer Preis- und Margenerosion. Wir müssen unsere Schwerpunkte dann mehr auf Eigenmarken setzen, bei denen wir zwar niedrigere Verkaufspreise haben, aber an denen wir auch mehr verdienen. Als sorgsame Kaufleute müssen wir natürlich auf die Rentabilität achten.

Sie wollen heuer 30 zusätzliche Tankstellenshops eröffnen. Sind Läden, die auch sonntags öffnen dürfen, das letzte verbliebene Wachstumsfeld in einem gesättigten Markt?

Nein, es geht viel mehr darum, Wachstumsthemen zu erkennen und diese rechtzeitig zu besetzen. Wir haben unsere Eigenmarke Spar-Premium vor zweieinhalb Jahren eingeführt und die Anzahl der Produkte von 85 auf 220 gesteigert. Und wir haben als erstes Handelsunternehmen eine vegetarische EigenmarkeSpar Veggie – eingeführt. Solche Produktinnovationen bewegen viel mehr als ein paar neue Standorte.

Richard Lugner klagt Sie immer wieder, zuletzt, weil Spar in Wien im 6. Bezirk sonntags offen hat. Nehmen Sie die Klagen ernst?

Wir schätzen Herrn Lugner als Unternehmer. Aber auf dem Gebiet Sonntagsöffnung irrt er sich. Wir haben uns an Standorten eingemietet, die sonntags öffnen dürfen – und das nutzen wir natürlich aus.

Derzeit beschäftigt falsch deklariertes Pferdefleisch Europa. Glauben Sie, dass der Lebensmittelskandal noch auf Österreich überschwappt?

Für Spar kann ich das ausschließen. Wir kaufen nichts von der betroffenen Firma. Und unser Frischfleisch kommt zu 100 Prozent aus Österreich. Unsere Tann-Betriebe, die jährlich 60.000 Tonnen Fleisch verarbeiten, haben alle Zertifizierungen. Von der österreichischen Lebensmittelpraxis kann sich die Welt meiner Meinung nach was abschauen.

Bürgerinitiativen in Bad Blumau kritisieren ein geplantes 24 Hektar großes Glashausprojekt der Frutura, hinter der Spar stehen soll ...

Frutura ist ein Partnerlieferant von Spar. Wir stehen dazu, dass wir von Frutura viel steirisches Obst und Gemüse kaufen wollen. Derzeit schimpfen alle, dass der Handel zur Hälfte Obst und Gemüse importiert – aus Spanien, Italien, Südafrika und Südamerika. Das geht aber gar nicht anders, weil wir ja im Winter nichts anbauen können. Mit dem Geothermieprojekt könnten wir den Import-Anteil senken und das in einer umweltverträglichen Weise. Zur Beheizung würde nämlich die Wärme des Thermalwassers verwendet werden und kein Erdgas oder Heizöl.

Kritiker fürchten aber, dass das Riesen-Projekt kleine Landwirte in Österreich verdrängen würde ...

Das stimmt überhaupt nicht. Wir haben derzeit zum Beispiel viel zu wenig Angebot bei heimischen Gurken und Tomaten. Das Projekt würde nur Lieferanten aus Spanien, Italien, Südafrika, Südamerika und Nordafrika verdrängen. Es zu verhindern, wäre Verrat an der Zukunft.

Die Beamten der Bundeswettbewerbsbehörde haben gerade wegen des Verdachts auf Preisabsprachen eine achttägige Hausdurchsuchung bei Spar durchgeführt. Wann rechnen Sie mit Ergebnissen der Hausdurchsuchung?

Das wird Wochen und Monate dauern. Aber die Hausdurchsuchung ist in einem kooperativen, unaufgeregten Klima abgelaufen.

Mehr über den Kampf um Marktanteile im Lebensmittelhandel.

Spar will heuer 30 zusätzliche Tankstellenshops eröffnen

Zur Salzburger Handelsgruppe Spar zählen neben den Lebensmittelmärkten (Spar, Eurospar, Interspar) auch die SES-Shoppingcenter sowie der Sportfachhändler Hervis. Die Gruppe ist neben Österreich in Ungarn, Italien, Tschechien, Slowenien und Kroatien tätig und hat im Vorjahr unterm Strich 12,6 Milliarden Euro umgesetzt (plus 3,5 Prozent).

Die Sparte Lebensmittelhandel weist in Österreich ein Umsatzplus von 3,8 Prozent auf 5,6 Milliarden Euro aus. Spar expandiert in Österreich vor allem an Standorten, die auch sonntags offen halten dürfen, also an Bahnhöfen und Tankstellen. Im Vorjahr wurden 39 Tankstellenshops eröffnet, heuer sollen weitere 30 folgen. Läuft es nach Plan, hält Spar Ende des Jahres bei knapp 100 Läden an Tankstellen.

Die Gruppe betreibt in Österreich aktuell 1586 Märkte und beschäftigt landesweit 40.000 Mitarbeiter. In den mehr als 1100 ausländischen Märkten arbeiten mehr als 33.300 Beschäftigte.