Spanien verpfändet die Superstars

Superteure Superkicker: Der Brasilianer Kaká und sein portugiesischer Kollege Cristiano Ronaldo (li.) heuerten 2009 bei Real Madrid für fast 160 Millionen Euro an.
Foto: APA/FERNANDO BIZERRA JR

Die Real-Stars Ronaldo und Kaká als Sicherheit für frisches Geld von der EZB? Nichts scheint heute mehr unmöglich.

Das Chaos in der Finanzwelt treibt immer seltsamere Blüten. Die neueste Skurrilität kommt aus Spanien, wo fünf Sparkassen durch den Banken-Stresstest gefallen sind und nun auf der Suche nach frischem Kapital sind. Einen eigenwilligen Weg schlägt die Sparkassengruppe Bankia ein. Nach einem Bericht von El Pais könnte Real-Madrid-Top-Star Cristiano Ronaldo (26) dabei als Pfand hinterlegt werden, um von der Europäischen Zentralbank (EZB) frisches Geld zu bekommen.

Das könnte so funktionieren:

Schritt 1: Bankia, zu der die Sparkasse Caja Madrid gehört, legt einen Fonds auf, der Anleihen für knapp 780 Millionen Euro begeben soll.

Schritt 2: Abgesichert werden soll der Fonds über Kredite, welche Bankia an spanische Großunternehmen, Windparkbetreiber und eben auch Real Madrid vergeben hat. Der spanische Rekordmeister hat aus 2009 offene Rechnungen von 76,5 Millionen Euro bei der Sparkasse. Unter anderem mit diesem Geld hatte Real seinerzeit die Rekordablösesumme von fast 100 Millionen Euro für Ronaldo finanziert, als der teuerste Fußballer der Welt von Manchester United nach Madrid zu den Königlichen geholt wurde.

Schritt 3: Die offenen Kreditforderungen der Sparkassengruppe könnten auch bei der EZB als Sicherheit hinterlegt werden, die Banken quer durch Europa mit frischen Mitteln versorgt. Ronaldo wechselt also zur EZB? Die spanischen Windräder werden vor dem EZB-Tower in Frankfurt aufgestellt? Nein.

Dafür müsste schon der komplette Bankia Fonds mit - all den Krediten als Sicherheit im Hintergrund - ausfallen. Und es gilt als sehr unwahrscheinlich, dass Baugiganten wie ACS (Mehrheitseigentümer von Hochtief) oder Fußball-Riesen wie Real finanziell umfallen. Bei Real etwa sind die Transfer-Darlehen mit Werbe- und TV-Einnahmen abgesichert.
Sollte der Deal zustande kommen, könnte das Beispiel laut Financial Times Schule machen: Auch die Banco Santander lieh Real Madrid im Jahr 2009 Geld für die Einkaufstour. Für eine Ablösesumme von 60 Millionen Euro stieß der Brasilianer Kaká (28) von AC Milan zu Real Madrid. Allerdings ist Santander in keiner vergleichbaren Notlage wie die spanischen Sparkassen, die besonders unter den Auswirkungen der Immobilienkrise leiden.

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(kurier) Erstellt am
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