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Später in Pension
08/28/2013

"Was den Deutschen gelungen ist, müssen wir auch schaffen"

Industrie drängt auf ehrgeizigere Reformen bei Frühpension und Gehaltskurven. Gewerkschaft will Betriebe in die Pflicht nehmen.

von Anita Staudacher, Hermann Sileitsch-Parzer

Der eklatante Unterschied zwischen Deutschland und Österreich bei der Beschäftigung von über 60-Jährigen hat die Pensionsdebatte neu angeheizt. Wie berichtet, gehen in Österreich lediglich 16 Prozent der 60- bis 64-Jährigen einer bezahlten Arbeit nach, während es beim nördlichen Nachbarn 42 Prozent sind. Die Gründe sind ein um fünf Jahre höheres Pensionsalter bei Frauen und zahlreiche – auch umstrittene – Arbeitsmarkt-Reformen.

Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), hält beide Länder für vergleichbar: „2001 war in Deutschland die Beschäftigungsquote bei den Älteren von 55 bis 67 Jahre dort, wo sie heute in Österreich ist: bei rund 42 Prozent. Die Deutschen haben es innerhalb von zwölf Jahren geschafft, sie auf 64 Prozent anzuheben. Was dort gelungen ist, müssen wir auch hier schaffen.“ Laut IV würde dies 7,7 Milliarden Euro an Budgeteinsparungen bringen. Als Maßnahmen will Neumayer die Lebenseinkommenskurven abflachen und sämtliche Schlupflöcher in die Frühpension stopfen. Die Reformen des Sozialministers, etwa die Abschaffung der Invaliditätspension bei unter 50-Jährigen, gehen ihm nicht weit genug. WIFO-Chef Karl Aiginger fehlen die Anreize, länger zu arbeiten. Er schlägt etwa flexible Teilpensionen vor. Warum in Deutschland immer mehr Ältere arbeiten, habe aber auch mit der dort ungünstigeren Alterspyramide zu tun.

Bonus-Malus

Arbeiterkammer (AK) und ÖGB sehen in erster Linie die Betriebe gefordert. Der überwiegende Anteil der Älteren sei arbeitswillig, bekomme aber aufgrund des Alters keine Chance auf eine adäquate Anstellung mehr. Besonders schwer sei dies mit gesundheitlicher Beeinträchtigung.

In Deutschland ist die betriebliche Gesundheitsförderung (Prävention) Pflichtaufgabe der Krankenkassen, die mit Zu- und Abschlägen bei den Beiträgen arbeiten. AK und ÖGB wollen Betriebe mit einer Maluszahlung bestrafen, die gar keine oder zu wenige Mitarbeiter über 55 Jahre beschäftigen, wobei sie die Quote bei 13 Prozent festlegen. Das eingenommene Geld sollen dann jene Betriebe als Bonus erhalten, die über 55-Jährige einstellen. Ein ähnliches Bonus-Malus-System gab es bis 2008 beim Sozialversicherungsbeitrag. Der erwünschte Effekt blieb aber weitgehend aus.

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