Wirtschaft
07.01.2012

Soros: "Lage ist gefährlicher als 2008"

Dem US-Starinvestor bereitet die Krise großes Kopfzerbrechen. Die EU arbeitet indes an der Ausgestaltung des Fiskalpakts.

Sein Wort hat Gewicht: Der 81-jährige George Soros, Börsenguru und Multimilliardär, besitzt aufgrund seiner langjährigen Erfahrung in der Finanzwelt eine Expertise wie nur wenige andere. In einem Interview warnte er nun vor den dramatischen Folgen eines möglichen Zusammenbruchs des Euro. „Dies wäre nicht nur für Europa katastrophal, sondern auch für das weltweite Finanzsystem“, sagte er der indischen Zeitung Business Line. Die jetzige Finanzkrise sei „ernsthafter und gefährlicher als der Zusammenbruch von 2008“. Damals sorgte das Ende der Investmentbank Lehman Brothers für die schwerste Krise der Weltwirtschaft seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Dass das Jahr ruppig werden könnte, lässt sich auch an zwei Indikatoren ablesen. Zum einen stiegen die kurzfristigen Einlagen der Geschäftsbanken bei der Europäischen Zentralbank (EZB) in der Nacht von Donnerstag auf Freitag abermals auf einen Rekordstand. Mit 455,3 Milliarden Euro lagen sie um zwei Milliarden über dem bisherigen Höchstwert. Vor Weihnachten hatten sie erstmals die 400-Milliarden-Euro-Grenze überschritten. An der Höhe der Einlagen lässt sich das Misstrauen der Banken untereinander festmachen. Sie deponieren ihr Geld lieber zu einer schlechten Verzinsung bei der EZB als bei anderen Geschäftsbanken zu besseren Konditionen. Gefürchtet wird, dass die Mitbewerber in die Pleite schlittern, etwa durch den großflächigen Ausfall von Staatsanleihen, die sie besitzen.

Staatsanleihen

Damit ist schon der zweite Indikator für ein Krisenjahr 2012 ausgemacht. Investoren verlangen von den Euro-Schuldenstaaten höhere Risikoaufschläge. Am Freitag lag die Rendite für zehnjährige italienische Anleihen mit 7,37 Prozent wieder deutlich über der kritischen Sieben-Prozent-Marke. Bei spanischen Anleihen waren es 5,91 Prozent. Die Refinanzierung der Staatsschulden wird somit immer teurer.

Griechenland wiederum steht bereits am Rand des Abgrunds. Ob eine Pleite abgewendet werden kann, hängt entscheidend von dem Schuldenschnitt ab, zu dem sich die Gläubiger des Landes Ende Oktober bereit erklärt hatten. Banken und Versicherer sollen danach einem Forderungsverzicht von 50 Prozent zustimmen, was einem Betrag von 100 Milliarden Euro entspricht. Laut inoffiziellen Quellen aus dem Finanzministerium in Athen hoffen die Griechen auf ein Ende der Verhandlungen mit den Gläubigern bis Mitte Jänner. Anschließend soll eine Absichtserklärung zwischen Griechenland und den Gläubigern unterzeichnet werden. Diese soll von der EU genehmigt und von den Euro-Mitgliedstaaten gebilligt werden.

Ebenfalls rasch abgeschlossen werden sollen die Verhandlungen über das zweite Rettungspakets von EU und Währungsfonds (IWF) von 130 Milliarden Euro. Aus diesem Paket werden bis Mitte März 89 Milliarden Euro zur Schuldentilgung und zur Rettung griechischer Banken benötigt. Ein Bericht der Financial Times Deutschland , wonach die 130 Milliarden wegen der schlechten Haushaltslage des Landes nicht reichen würden, wurden am Freitag von der EU-Kommission dementiert. Mitte Jänner werden Kontrolleure der EU, IWF und EZB in Athen die Sparfortschritte prüfen.

IWF-Chefin Christine Lagarde bekräftigte indes am Freitag ihr Vertrauen in den Euro. „Die Währung wird 2012 nicht verschwinden. Auf gar keinen Fall.“

Börsen: Euro bleibt unter Druck

Die Sorgen um die Eurozone belasteten auch zum Wochenausklang den Kurs der Gemeinschaftswährung. Diese fiel auf unter 1,27 Dollar, zum japanischen Yen sogar auf ein Elfjahrestief. Zusätzlich spielten die positiven Signale vom US-Arbeitsmarkt dem Dollar in die Hände. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft stieg im Dezember um 200.000 – das Plus war damit doppelt so hoch wie im November. Analysten hatten lediglich einen Anstieg von 150.000 erwartet. Einige Börsen wie etwa in Wien blieben feiertagsbedingt geschlossen. An den anderen Märkten ging es mit den Kursen bergab, der Frankfurter DAX etwa fiel 1,0 Prozent. In Mailand brach die UniCredit-Aktie erneut 9,1 Prozent ein. Damit hat das Papier seit der Ankündigung der Kapitalerhöhung am Mittwoch mehr als ein Drittel seines Wertes verloren.