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Siemens
05/10/2014

"Dann gibt es in Österreich den Mega-GAU"

An allen heimischen Siemens-Standorten laufen Protestmaßnahmen gegen den Konzernumbau an.

von Franz Jandrasits

Der Protestmarsch der Mitarbeiter des Siemens-Anlagenbauers VAI am Donnerstag war erst der Auftakt. Ab kommenden Dienstag starten die rund 12.000 Mitarbeiter des deutschen Elektroriesen in Österreich an allen heimischen Standorten mit Protestmaßnahmen. Zentralbetriebsratsobmann Fritz Hagl: "Zu Beginn werden wir die Mitarbeiter erst einmal informieren, was mit dem geplanten Umbau des Konzerns auf uns zukommt." Als nächster Schritt sind dann Betriebsversammlungen geplant, zu weiteren Maßnahmen hält sich Hagl noch bedeckt: "Die hängen davon ab, wie sich die Restrukturierung tatsächlich auswirkt."

Personalabbau

Betroffen ist unter anderem der Anlagenbauer VAI in Linz, der wie berichtet in ein Joint-Venture mit dem japanischen Konkurrenten Mitsubishi eingebracht wird. Hagl: "Den Verkauf können wir natürlich nicht verhindern. Aber der Standort und Schlüsselbereiche müssen erhalten bleiben." Derzeit gibt es noch keine genaueren Informationen über künftige Struktur und Größe, klagt Hagl: "Aber wir fürchten, dass da noch etwas nachkommt."

Eine weitaus größere Gefahr sieht Hagl allerdings im möglichen Deal zwischen Siemens und dem französischen Energie- und Verkehrstechnikkonzern Alstom. Siemens könnte im Gegenzug zur Übernahme der Alstom-Energiesparte Bereiche der Zug-Produktion an die Franzosen abgeben. "Wenn das passiert," warnt Hagl, "dann haben wir in Österreich den Mega-GAU."

Denn der Bereich Mobility ist für Siemens Österreich enorm wichtig. Am Standort Wien-Simmering – wo U-Bahnen und Reisezüge gebaut werden – arbeiten rund 1600 Mitarbeiter, im Grazer Werk für Drehgestelle sind es noch einmal gut 1500. In Summe ist das rund ein Viertel der rot-weiß-roten Siemens-Belegschaft, für das U-Bahn-Geschäft ist Wien außerdem das weltweite Kompetenzzentrum des Konzerns. Hagl kämpferisch: "Das lassen wir uns sicher nicht aus der Hand nehmen, dagegen werden wir uns mit allen Mitteln wehren."

Von der Übernahme der Alstom-Energiesparte hätte Siemens Österreich wenig bis nichts. Zwar sind die Österreicher für kleine Gaskraftwerke zuständig und für einen Teil des Konzern-Geschäfts in Osteuropa. Doch das große Geschäft läuft nicht über Österreich, derzeit läuft es außerdem mehr schlecht als recht. Hagl: "In die Energieerzeugung investiert derzeit niemand." Außerdem sei Mobilität mit öffentlichen Verkehrsmitteln wegen der Umweltprobleme des Autoverkehrs ein wachsendes Geschäft.

Schützenhilfe bekommen die österreichischen Betriebsräte trotz der sonst üblichen Konkurrenz der Standorte untereinander von ihren deutschen Kollegen. Auch diese fürchten durch den Deal mit Alstom – die Franzosen sollen den problembeladenen Siemens-Hochleistungszug ICE übernehmen – um Tausende Jobs.

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