Wirtschaft
12.06.2017

Schlumberger verlagert Produktion von Wien ins Burgenland

Ab Mitte 2019 wird neben Bad Vöslau auch in Müllendorf produziert. Firmenzentrale bleibt in Wien-Heiligenstadt.

Das Traditionssekthaus Schlumberger wird seine Produktion in Wien nach fast 170 Jahren ab Mitte 2019 Schritt für Schritt auflassen und nach Müllendorf (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) ins Burgenland verlagern. Die Sektkellerei hat dort ein 122.000 Quadratmeter großes Grundstück auf der Grünen Wiese erstanden, wo ab Mitte 2018 ein neues Werk gebaut wird. Die bis zu 30 Wiener Produktionsmitarbeiter müssen dann pendeln.

"Wir sind in Wien an unsere Grenzen gestoßen - sowohl bei der Produktionskapazität als auch bei der Verkehrssituation. Das ist nicht wirtschaftlich", sagte Schlumberger-Chef Eduard Kranebitter am Montag im APA-Gespräch. Die zweite Produktionsstätte in Bad Vöslau bleibt vorerst noch, soll aber mittelfristig ebenfalls ins Burgenland wandern, kündigte er an. Pläne, die Wiener Produktion mit jener in Bad Vöslau zusammenzulegen, scheiterten an der Größe und am Preis.

Inklusive Kaufpreis investiert Schlumberger im Burgenland mehr als 50 Mio. Euro. Die Kellerwelten sowie die Firmenzentrale samt rund 80 Mitarbeitern bleiben nach wie vor in Wien Heiligenstadt.

Einige bekannte Lebensmittelhersteller haben in den vergangenen Jahren Wien verlassen. Der Getränkeabfüller Coca-Cola-Hellenic verlagerte seine Erfrischungsgetränke-Produktion im Jahr 2013 nach mehr als 55 Jahren vom 10. Wiener Gemeindebezirk nach Edelstal (Burgenland). Den neuen Schwedenbomben-Eigentümer Heidi Chocolat zog es 2015 nach knapp 80 Jahren mit der Produktion von Wien Landstraße nach Wiener Neudorf (NÖ).

Beide Grundstücke wurden für den Wohnbau umgewidmet und werden nun bebaut. Der Verkauf von Gewerbeimmobilien in Wien für den Wohnbau ist lukrativ für die Betriebe. Der Durchschnittspreis für neue Eigentumswohnungen in Wien ist laut OeNB-Wohnimmobilienpreisindex in den vergangenen zehn Jahren um rund zwei Drittel gestiegen.

Ebenfalls Wien verlassen hat der Kaffeeröster Jacobs. Im Jahr 2013 wurde die Jacobs-Kaffee-Fabrik in Penzing nach mehr als 40 Jahren geschlossen und die Kaffeeröstung in Deutschland ausgebaut. Im April schloss auch die Wiener Traditionsfleischerei Trünkel nach 111 Jahren ihre Produktion. Andere Hersteller produzieren nun für Trünkel einige Traditionsprodukte, wie zum Beispiel Sacherwürstel.