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Wirtschaft
08/22/2019

Sechs gute Gründe für eine echt fette Immobilienblase

Niedrige Zinsen sorgen weiter für Geldflüsse in den Immobiliensektor. Dass alle Investoren ihr Geld wiedersehen, ist unwahrscheinlich.

von Andreas Anzenberger

Immer wieder warnen Experten vor einer Überhitzung des Immobilienmarktes. Das gilt für Ballungszentren und insbesondere natürlich für Wien.

Für die Warnungen gibt es folgende sechs gute Gründe:

1) Niedrige Zinsen

Seit Jahren sind die Zinsen niedrig. Es gibt derzeit keine Aussicht auf steigende Zinsen. Die Europäische Zentralbank hat keinerlei Absichten erkennen lassen, die Grundlagen ihrer Zinspolitik zu verändern. Der aktuelle Leitzins der EZB liegt bei null Prozent. Das bedeutet, dass auch die Zinsen für Staatsanleihen im Keller bleiben. Professionelle Investoren sind daher weiterhin auf der Suche nach Investitionsmöglichkeiten, die noch einigermaßen Gewinn abwerfen. Daher wird weiterhin viel Geld in den Immobiliensektor fließen. Dort sind Renditen zwischen drei und fünf Prozent möglich.

2) Abkühlung der Konjunktur

Das Wirtschaftswachstum ist nicht mehr so hoch wie früher. Das hat Auswirkungen auf die Aktienkurse. Allgemein wird mit einem Rückgang der Kurse und geringeren Profiten aus dem Besitz von Aktien gerechnet. Das bedeutet, dass sich die Investoren verstärkt nach anderen Möglichkeiten für die Geldanlage umschauen. Als Alternative kommt vor allem der Immobiliensektor in Frage.

3) Steigende Investitionen

Laut Andreas Ridder, Managing Direktor des Immobiliendienstleisters CBRE Austria, wird die bisherige Rekordinvestitionssumme von 13,3 Milliarden Euro im Jahr 2018 für Immobilien in Zentral- und Mitteleuropa heuer übertroffen werden.

4) Mehr Wohnungen als Büros

Der Wiener Wohnungsmarkt hat einen anderen Schwerpunkt als sonst in EU-Hauptstädten üblich. Derzeit werden vor allem Wohnungen gebaut und deutlich weniger Büros als normal. Laut Ridder werden auch in Budapest mehr Büros gebaut als in Wien. Es gibt daher in Wien ein größeres Angebot an Wohnungen. Neue Büros in der Innenstadt gibt es kaum. Büro-Mieten außerhalb der Wiener Innenstadt sind um bis zu 30 Prozent gestiegen.

5) Teuer gebaut

Eine neue Wohnung ist immer eine teure Wohnung. Egal ob Eigentums- oder Mietobjekt. Die Ausgaben für das Grundstück und die Baukosten müssen refinanziert werden. Außerdem will der Investor eine Rendite. Zwar sind die Zinsen niedrig, aber die Grundstückspreise sind in den vergangenen Jahren ebenso gestiegen wie die Baukosten. Die Wiener Bevölkerung wächst und wird die Zwei-Millionen-Marke erreichen. Die Nachfrage nach Wohnungen wird hoch bleiben. Gefragt sind aber vor allem günstige Mietwohnungen, von denen es zu wenig gibt.

6) Keine reichen Russen mehr

Die Erwartungshaltung, dass die reichen Russen teure Luxuswohnungen kaufen werden, ist eine Reminiszenz an die Vergangenheit. Daher werden einige auf ihren teuren Wohnungen sitzen bleiben. Die durchaus üblichen Preise für Eigentumswohnungen von 400.000 Euro und deutlich mehr sind für Durchschnittsverdiener nicht finanzierbar.