Wirtschaft 11.03.2012

Schweizer sagten "Nein" zu mehr Urlaub

© Bild: EPA

Zwei Drittel erteilten der Forderung der Gewerkschaft, den Mindesturlaub auf sechs Wochen zu erhöhen, eine Absage.

Die Schweizer haben am Sonntag eine Erhöhung des Mindesturlaubs von vier auf sechs Wochen offenbar klar abgelehnt. 67 Prozent der Stimmberechtigten sagten laut Hochrechnung des Schweizer Fernsehens SRG "Nein" zur "Ferien-Initiative". Nur 33 Prozent stimmten nach Angaben des Meinungsforschers Claude Longchamp zu.

Vor dem Urnengang hatten die Arbeitgeber und die Regierung zur Ablehnung dieser Forderung der Gewerkschaften aufgerufen. Arbeitnehmende haben damit voraussichtlich weiterhin nur das Recht auf vier Wochen Ferien. Der Gewerkschaftsdachverband Travail.Suisse wollte das gesetzliche Minimum auf sechs Wochen erhöhen, erlitt mit dieser Forderung nun aber Schiffbruch.

Zuviel Belastung für kleine und mittelgroße Unternehmen

Der Wirtschaftsdachverband " economiesuisse" reagierte erfreut auf das deutliche Nein zur Ferieninitiative. Die Schweizer Stimmbürger hätten erkannt, dass sechs Wochen Ferien für die kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU) eine zu große Belastung wären.

In den vergangenen Wochen seien die Gegner der Initiative viel präsenter gewesen - und "nicht zuletzt waren auch die Medien auf unserer Seite". Mit dem unter Druck gekommenen Exportmarkt wäre die Lage für die KMU bei einer Einführung von sechs Wochen Ferien noch schlechter geworden, sagte Ursula Fraefel, Direktionsmitglied von "economiesuisse".

Auch Thomas Daum, Präsident des Schweizerischen Arbeitgeberverbands (SAV), zeigt sich zufrieden mit dem klaren Resultat: "Die Stimmbürger haben realisiert, dass etwas, das anfangs angenehm tönt, bei näherem Nachdenken doch verschiedenste Nachteile birgt."

Er interpretiert das Ja als "Bekenntnis zu sozialpartnerschaftlichen Lösungen", die oft "deutlich über die gesetzlichen Anforderung gehen". Daum erwartet nun, dass das Thema "für einige Zeit vom Tisch" sei, doch werde man sich immer wieder Vorstössen zu Arbeitszeit- und Ferienfragen stellen müssen.

"Realitätssinn"

In den Augen von Hans-Ulrich Bigler, Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbands (SGV), hätten die Stimmenden "Realitätssinn" bewiesen. "Die Arbeitnehmenden wollen flexibel sein bei der Einteilung ihrer Ferien."

Lösungen seien in den Gesamtarbeitsverträgen zu erarbeiten, nicht in überflüssigen Gesetzen, sagte Bigler. Das deutliche Ergebnis zeige zudem, dass "die Schweiz im Vergleich mit Ländern wie Deutschland, Belgien und Frankreich kein Feriendefizit hat".

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Kommentar

Erstellt am 11.03.2012