Italiens Premier Giuseppe Conte

© EPA/FILIPPO ATTILI/CHIGI PALACE PRESS OFFICE / HANDOUT

Wirtschaft
03/02/2020

Schulden machen wegen Corona?

Italien prescht mit einem staatlichen Konjunkturpaket vor. In Österreich und Deutschland wird das Thema unterschiedlich gesehen.

Italien ist nicht nur nach Infektionszahlen am stärksten in Europa betroffen. Auch die Wirtschaft leidet überdurchschnittlich unter Quarantäne-Maßnahmen in den nördlichen Industriezentren. Die Lombardei und Venetien sind für 31 Prozent der italienischen Wirtschaftsleistung (BIP) verantwortlich.

Die Epidemie könnte nun im ersten und zweiten Quartal 2020 zu einem Rückgang des BIP zwischen einem und drei Prozent führen, schätzt das Institut REF Ricerche. In absoluten Zahlen wären das Einbußen von 9 bis 27 Milliarden Euro. Ein düsteres Szenario für Italien, das ohnehin nur ein Mini-Wachstum verzeichnet.

Premier Giuseppe Conte nimmt nun ein höheres Budgetdefizit in Kauf. Ein Maßnahmenpaket soll die Wirtschaft ankurbeln. Bis Freitag soll ein Gesetz beschlossen werden, das 3,6 Milliarden Euro als Sofortmaßnahme bereitstellt – rund 0,2 Prozent der Wirtschaftsleistung .

Eurominister beraten

Das Problem dabei: Das hoch verschuldete Italien ist auf Wohlwollen der anderen EU-Staaten angewiesen. Die Minister der Eurogruppe beraten Mitte der Woche bei einer Telefonkonferenz. Der Opposition ist die Maßnahme noch zu wenig: Mindestens 20 Milliarden Euro seien nötig, so Lega-Chef Matteo Salvini.

In Österreich sei ein Konjunktur-Programm momentan kein Thema, stellte Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) in der ORF-Pressestunde klar: Es sei zu früh, er wolle nicht über Kosten spekulieren. Je weniger stark sich das Virus ausbreite, umso geringer seien die Folgen für die Wirtschaft. Während die Zinskosten für Italien steigen, würden sie für Länder „mit solider Finanzpolitik wie Österreich“ sogar sinken.

Debatte in Deutschland

In Deutschland hält sich Finanzminister Olaf Scholz (SPD) alle Optionen offen. Falls ein Impuls nötig würde, wären ausreichend Geldmittel für Konjunkturprogramme da, sagte Scholz zur Welt am Sonntag. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte jüngst nur vorgezogene Steuerentlastungen erwähnt.

In Bayern muss unterdessen der Maschinenbauer DMG Mori mit Sitz in Pfronten (an der Grenze zu Tirol) am Montag und Dienstag alle Betriebe geschlossen halten, nachdem bei einem Mitarbeiter das Virus entdeckt wurde. 1.600 Mitarbeiter sind betroffen, darunter laut Tiroler Tageszeitung auch 200 Mitarbeiter aus dem Außerfern.

Trendwende an Börse?

Mit Spannung wird der Handelsauftakt erwartet. In der Vorwoche herrschte an den Aktienmärkten Panik. Der US-Index S&P500 verzeichnete die schlimmste Woche seit 2008, allerdings ausgehend von Rekordwerten.

Optionenpreise deuteten am Sonntag auf eine mögliche Trendwende zum Positiven für die US-Börsen hin. Die Kryptowährung Bitcoin wurde ihrem Ruf als Krisenalternative übrigens nicht gerecht: Der Kurs ist binnen zwei Wochen von 10.300 Dollar auf 8.600 Dollar gefallen.

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