Andritz hat das Simon-Bolivar-Kraftwerk in Guri, Venezuela, modernisiert

© APA/AFP/Venezuelan Presidency/HO

Wirtschaft
04/10/2019

Schmiergeld-Vorwürfe bei Andritz-Projekt: Was ist dran?

In Venezuela sollen drei Millionen Dollar laut addendum an Entscheidungsträger geflossen sein. Das sagt Andritz selbst dazu.

von Hermann Sileitsch-Parzer

Der steirische Anlagenbauer Andritz ist mit Schmiergeld-Vorwürfen rund um Aufträge in Venezuela konfrontiert. Diese sollen die Modernisierung des venezolanischen Wasserkraftwerks Guri betroffen haben, die vor mehr als zehn Jahren stattfand.

Der Auftragswert betrug damals rund 100 Mio. Euro und ging zu gleichen Teilen an die Kosortialpartner Andritz und Voith Siemens Sao Paulo, teilte Andritz Ende Jänner 2007 mit.Als das Kraftwerk kürzlich ausfiel, gingen in Venezuela die Lichter aus.

Honorare für den Zuschlag?

Erhoben werden die Vorwürfe von einem ehemaligen Geschäftsführer der Mexiko-Niederlassung (von 2009 bis 2012), der mit addendum gesprochen hat. Er behauptet, es seien Beraterhonorare in Höhe von insgesamt rund drei Mio. Dollar gezahlt worden, denen keine entsprechende Gegenleistung entgegenstand.

Diese versteckten Zahlungen seien an Entscheidungsträger in Venezuela gegangen, um den Zuschlag bei Auftragsvergaben zu erhalten, so addendum. Der Manager habe darüber auch eidesstaatliche Erklärungen abgegeben. Involviert sei auch ein Mann gewesen, der heute im Konzernvorstand von Andritz sitzt.

"Umfassende Untersuchung"

Die Vorwürfe seien dem Andritz-Vorstand kommuniziert worden, als das Dienstverhältnis mit dem Ex-Manager endete, also 2012, heißt es in einer Stellungnahme des Anlagenbauers, die dem KURIER vorliegt.

Diese hätte "unmittelbar nach dem Eingang" eine "umfassende Compliance-Untersuchung durch die Interne Revision unter Einbindung externer Anwälte" zur Folge gehabt. Die angeblichen Schmiergeldzahlungen in Venezuela hätte man „nicht zur Gänze aufklären können. Es gab keine Beweise für Korruption, aber auch keine Sicherheit für das Gegenteil“, hieß es von einem Unternehmenssprecher.

Die Ergebnisse würden "grundsätzlich vertraulich" behandelt. Es seien den Regeln entsprechend Konsequenzen gezogen worden. Korruption habe bei Andritz keinen Platz, man verfolge eine "Zero-Tolerance-Policy", versichert der Anlagenbauer.

Nachgefragt bei Andritz

KURIER: Waren Andritz diese Vorwürfe bereits bekannt, wie es in dem Bericht heißt?

Unternehmenssprecher Michael Buchbauer: Am 17. März 2012 wurde der Vorstand mit diesen Vorwürfen erstmalig konfrontiert. Unverzüglich danach, nämlich am 19. März 2012, hat der Vorstand beschlossen, Untersuchungen durch die interne Revision einzuleiten. Im August 2014 wurden diese Vorwürfe konkreter und ausführlicher von Herrn Souza (dem früheren Manager in Mexiko, Anm.) wiederholt. Daraufhin hat der Vorstand unverzüglich nämlich am 25. August 2014, die Compliance-Abteilung beauftragt, eine weitere Untersuchung mit externer Unterstützung durchzuführen.

Laut dem Bericht habe CEO Wolfgang Leitner sich in einem Schreiben für die Whistleblower-Informationen bedankt und eine Untersuchung angekündigt. Ist diese Darstellung korrekt?

Das ist - wie erwähnt - zutreffend.

Zu welchem Ergebnis ist diese Prüfung gekommen?

Die Vorgänge konnten nicht zur Gänze aufgeklärt werden. Es gab keine Beweise für Korruption, aber auch keine Sicherheit für das Gegenteil.

Welche Konsequenzen hat es daraus gegeben?

Es gab personelle Konsequenzen und das Compliance-Management-System wurde nachgeschärft. Die Vertreterverträge wurden wegen fehlender Details in den Abrechnungen gekündigt.

Stimmt es, dass aktive Vorstände in die Projekte bzw. inkriminierten Auftragszahlungen involviert waren?

Die Untersuchung hat dahingehend nichts Belastendes ergeben.

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