Am Bauhof Trumau sind 2878 Geräte zum Verkauf vorbereitet.

© Deutsch Gerhard

Internet-Auktion
10/24/2013

Schlussverkauf bei Alpine

Für Schnäppchenjäger startet die größte Industrie-Versteigerung – 5000 Baugeräte im Angebot.

von Kid Möchel

Über dem fünf Hektar großen Bauhof des Pleite-Baukonzerns Alpine in der niederösterreichischen Ortschaft Trumau, unweit von Oberwaltersdorf, sind dicke schwarze Wolken aufzogen. Diese düstere Stimmung könnte aus einem Drehbuch stammen. Denn: Am Bauhof Trumau ist Schlussverkauf: Alles muss raus.

Günther Seblatnig, ehemaliger Standortleiter in Trumau, und ein Dutzend seiner langjährigen Mitarbeiter haben – im Auftrag des Alpine-Insolvenzverwalters Stephan Riel – eine der größten Industrieauktionen Österreichs vorbereitet. Seit vergangenen Freitag können Schnäppchenjäger Bagger, Baugerüste, Kräne, Lkw, Straßenwalzen und tonnenweise Baumaterial am Bauhof besichtigen, ab Montag nächster Woche kommen 2878 Geräte aus Trumau im Internet unter den Hammer. Insgesamt werden etwa 5000 Positionen mit 39.000 Einzelteilen in den Alpine-Bauhöfen in Asten, Eggersdorf, Trumau und Wals feilgeboten. Bereits diesen Freitag startet die Versteigerung in Wals.

Bilder: Gerätschaft steht zur Auktion

„Die Alpine-Auktion schlägt alles, was wir bisher gemacht haben“, sagt Herbert Karner, Chef des Auktionshauses Karner & Dechow, einer Art eBay für Industrie und Gewerbe. „Wir rechnen damit, dass wir acht bis zehn Millionen Euro erlösen.“ Den Versteigerungsaufschlag von zehn Prozent streift sein Unternehmen ein. Karner gilt als alter Fuchs im Auktionsgeschäft und war hierzulande schon für fast alle namhaften Insolvenzverwalter tätig.

Die Katze im Sack

Zum Ausrufungspreis von 20 Euro gibt es in Trumau schon eine Schubkarre, ab 30 Euro ist man bei den Motorsägen dabei und ab 100 Euro können Heimwerker für einen der unzähligen pneumatischen Abbruchhämmer mitbieten. Für die größeren Schnäppchen muss man tiefer in die Tasche greifen. Ein 20-Tonnen-Bagger steht mit einem Anfangspreis von 20.000 Euro in der Liste, eine Planierraupe mit 31.700 Euro und ein 60 Meter hoher Drehkran wird um 75.000 Euro feilgeboten.

Einziger Wermutstropfen bei der Besichtigung: Die Geräte dürfen nicht in Betrieb genommen werden. Man muss die Katze „im Sack kaufen“. Dabei versichert Auktionator Karner, dass die Gerätschaften professionell gewartet wurden. Außerdem werden sie etwa 80 Prozent unter dem Anschaffungspreis angeboten. Da kann schon ein Blindgänger dabei sein.

Der 73-jährige Josip Kavcic, dessen Sohn ein Bau- und Sprengunternehmen im slowenischen Kranj betreibt, ist mit einem befreundeten Bauunternehmer nach Trumau gereist, um die Geräte persönlich in Augenschein zu nehmen. Kavcic spitzt auf Schweißgeräte, Winden und eine Kabel-Legemaschine. Ob sich die weite Anreise auszahlen wird, weiß er noch nicht. „Die Preise sind zwar okay, aber werden bis zum Schluss noch raufgehen“, sagt der resolute Slowene.

Auch Vasile Hantari von der Wiener Baufirma A & H. spaziert mit einer Einkaufsliste durch den Bauhof. Er könnte fast alles brauchen, was herumliegt. Es ist nur die Frage des Preises. „Bagger und Schalungsteile sind interessant“, sagt Hantaris Begleiter. Hantari hat ein Auge auf die bunten Polyesterkübel geworfen, die zur Entsorgung des Bauschutts aus den höheren Stockwerken ineinander gesteckt werden.

Die Trumauer Auktion ist schon jetzt ein Erfolg. Wie man auf der Internet-Homepage von Karner & Dechow live mitverfolgen kann, werden die Mindestgebote bei motorisierten Baugeräten, Kompressoren und Baucontainern weit übertroffen. Vier Tage wird die Trumauer Auktion in Internet dauern.

Experten rechnen damit, dass die Versteigerungen einige Millionen Euro mehr als erwartet einspielen werden.

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