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Wirtschaft
03/19/2021

MAN: Schlussrunde im Verhandlungspoker um 1.250 Jobs

Der Aufsichtsrat hat sich für den Verkauf der Österreich-Tochter an den Investor Siegfried Wolf ausgesprochen, ansonsten wird das Werk in Steyr geschlossen.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Die Übernahme der Österreich-Tochter (1.950 Beschäftigte) des deutschen Lkw-Bauers MAN durch den Investor und Automotiv-Experten Siegfried Wolf dürfte bald in trockenen Tüchern sein. Die Verhandlungen führen die MAN-Chefetage in München, der Betriebsrat und Wolfs Team.

„Die Gespräche verliefen bisher sehr konstruktiv und wir sind davon überzeugt, dass die WSA Beteiligungs GmbH unter Führung von Siegfried Wolf ein tragfähiges Angebot zur Zukunftssicherung des Standorts vorgelegt hat“, teilte der MAN-Konzern am Freitag dem KURIER mit. „Wir hoffen, eine baldige Einigung erzielen zu können. Über weitere Details der Gespräche wurde einvernehmlich Stillschweigen vereinbart.“

Fakt ist: Der Aufsichtsrat der Mutterfirma MAN Truck & Bus SE in München hat sich gestern, Freitag, für die Annahme des Angebots von Wolf oder für die Schließung des Werks in Steyr ausgesprochen – mit der Gegenstimme angeblich eines Betriebsrats.

Zu Wolfs Team gehören die früheren Magna-Manager Manfred Eibeck und Peter Koob, die schon vor Jahren mit Wolf nach Russland zum Autokonzern GAZ des Oligarchen Oleg Deripaska gewechselt waren. Koob ist Geschäftsführer der WSA Beteiligungs GmbH. Wolfs Team hat eine umfangreiche Due Diligence, sprich eine sorgfältige Prüfung der Geschäftsunterlagen von MAN Österreich, durchgeführt.

Wie der KURIER berichtete, will Wolf 1.250 der 1.950 fixen Mitarbeiter von MAN in Steyr übernehmen. Sie müssen aber künftig auf bis zu 15 Prozent ihres ursprünglichen Lohnes verzichten. Er will in Steyr zwei Modelle eines Kleintransporters bis 3,5 Tonnen, kleinere Elektro-Busse und 10.000 bis 12.000 Lkw-Fahrerkabinen pro Jahr produzieren. Dabei setzt er auf eine enge Zusammenarbeit mit dem russischen Autobauer GAZ, an dem er mit zehn Prozent beteiligt ist.

Bauteile aus Russland

GAZ gehört zum Imperium (Basic Element) des russischen Oligarchen Oleg Deripaska. GAZ soll künftig Komponenten aus Steyr beziehen und im Gegenzug verschiedene Bauteile liefern.

Die Fahrzeuge, die Wolf in Österreich bauen wird, sollen unter der Marke „Steyr“ vertrieben werden. Für die Abwicklung des Verkaufs von MAN Österreich wurden die ersten Weichen gestellt. Der langjährige Geschäftsführer Karl-Heinz Rauscher wurde abgelöst und macht Platz für den Restrukturierungsexperten Richard von Braunschweig.

Der Abwickler

„Vorrangige Aufgabe des Juristen von Braunschweig besteht daher darin, die mögliche Nachnutzung durch einen interessierten Investor, die WSA Beteiligungs GmbH, herbeizuführen“, teilt MAN dazu mit. „Der Fachmann für Mergers & Akquisitions verfügt über ein breites Erfahrungsspektrum aus zahlreichen Projekten bei MAN Truck & Bus.“ So habe er zuletzt die Übernahme der MAN-Betriebsstätte Plauen durch den Sonderfahrzeugbauer BINZ maßgeblich begleitet.

„Ein ähnliches Modell wird in Steyr angestrebt, um eine Standortschließung zu vermeiden“, teilt MAN dazu mit.

Indes hat eine weitere Interessenten-Gruppe um den oberösterreichischen Unternehmer Karl Egger (KeKelit), den Anwälten Gabriel Lansky und Gerald Ganzger ein acht Seiten starkes „Concept Paper“ zu MAN nach München geschickt. Ihre LGG Industriebeteiligungen will nicht nur das MAN-Werk in Steyr übernehmen, sondern Steyr „zur grünen Innovationsregion Europas“ machen und bis zu 10.000 Arbeitsplätze schaffen.

Im Werk Steyr selbst sollen 1.850 Arbeitsplätze erhalten werden. Demnach sollen dort jährlich 10.000 Lkw in Lohnfertigung zusammengebaut werden. LGG verhandle laut APA sowohl mit der tschechischen Firma Tatra als auch mit Automobilproduzenten aus dem südostasiatischen Bereich.

Nicht bekannt ist, woher LGG die angeführten Kennzahlen herleitet. Im Gegensatz zu Wolf konnte LGG keine Due Diligence bei MAN Österreich durchführen.

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