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Wirtschaft
10/01/2020

Rettungsversuch für MAN Steyr läuft auf Hochtouren

Der Lkw-Standort ist in Gefahr: Scheitert eine Konzern-Lösung, könnte ein Österreich-Konsortium einsteigen

von Michael Bachner

Die Brummer sind zwischen sieben und 18 Tonnen schwer, gehören damit aber nur zur leichten bis mittleren Klasse des traditionsreichen Lkw-Herstellers MAN in Steyr. 18.000 Stück laufen davon am oberösterreichischen Standort jährlich vom Band, 2.300 Mitarbeiter beschäftigt der Konzern dort.

Seit der deutsche Mutterkonzern, der seit 2011 unter dem VW-Dach fährt, dieser Tage die bis 2030 gültige Standort- und Beschäftigungsgarantie tatsächlich aufgekündigt hat, ist in Oberösterreich Feuer am Dach.

„Die Bemühungen von Land und Bund um eine Lösung laufen intensiv. Entweder es gelingt eine nachhaltige Rettung innerhalb des MAN-Konzerns oder die Nachfolge beziehungsweise Übernahme durch österreichische Investoren“, heißt es aus dem Büro des oö. Landeshauptmanns Thomas Stelzer (ÖVP) zum KURIER. Fast gleichlautend äußert sich OÖ-Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner, der bisher vor allem eine mögliche Stiftungslösung für die betroffenen Arbeitnehmer ins Spiel gebracht hatte.

Zuvor hat auch Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ebenfalls ÖVP) in Wien die Karte eines möglichen Österreich-Konsortiums für MAN Steyr gezückt – ohne allerdings zu verraten, mit wem da konkret gesprochen wird.

Schramböck stellt jedoch auch eine mögliche alternative Produktion in Steyr als eine Art zweites Standbein für das Lkw-Werk in den Raum, weshalb branchenfremde Investoren gemeint sein könnten. Aber das ist derzeit Spekulation.

Lkw, nicht Feuerzeuge

Betriebsratschef Erich Schwarz ist jedenfalls erbost, dass weder mit ihm noch mit der Geschäftsführung Kontakt aufgenommen worden sei und er von den angeblichen heimischen Interessenten lediglich aus den Nachrichten erfahren hat. Auch kann er sich eine Alternativ-Produktion rein gar nicht vorstellen. Der Belegschaftsvertreter macht sich klarerweise für den Erhalt des Lkw-Standortes stark, wie er zum KURIER sagt: „Wir wollen im MAN-Konzern bleiben, dazu sind wir einfach auch viel zu eng verflochten. MAN kann ohne uns nicht und wir können ohne MAN nicht. Wir wollen auch in Zukunft Lkw produzieren und nicht Feuerzeuge.“

Politischer Zündstoff

Unterstützung bekommt Schwarz von der SPÖ Oberösterreich. Deren Landeschefin Birgit Gerstorfer sagt in Richtung von ÖVP-Ministerin Schramböck: „Bevor die Schließung überhaupt wirklich fix ist und bevor alles versucht wurde, den Standort zu retten, wird hier offenbar schon das Unternehmen verkauft. Das geht nicht. Die Bundesregierung hat sich bei der Lufthansa in Frankfurt für die AUA engagiert, jetzt muss sie sich in München engagieren. MAN Steyr muss bei MAN bleiben, das sollte Priorität haben.“

Für politischen Zündstoff ist also angesichts von 2.300 direkt und mehreren Tausend in der Region indirekt betroffenen Jobs gesorgt. Nicht zu vergessen: 2021 wird in Oberösterreich gewählt.

Bereits in der kommenden Woche findet ein Gespräch mit MAN-Boss Andreas Tostmann über das Werk in Steyr statt. Stelzer und Schramböck wollen den MAN-Chef von seinem Schließungsplan abbringen.

Doch VW-Konzernboss Herbert Diess hat bereits die Werkschließungen und den Personalabbau, von dem auch andere Standorte betroffen sind, gerechtfertigt und mit der nötigen Effizienzsteigerung argumentiert. Der Spielraum für Tostmann dürfte also relativ klein sein.

Schon heute, Freitag, tagt zu diesem Themenkomplex erneut der MAN-Aufsichtsrat in München. Konzernweit geht es um den geplanten Abbau von 9.500 der 36.000 Arbeitsplätze.

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