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Aluminiumkonzern
11/06/2014

Schärfere CO2-Bestimmungen bringen AMAG in Fahrt

Der Trend zu Leichtbau erhöht die Nachfrage. Nun werden in Oberösterreich 320 Mio. Euro investiert.

von Robert Kleedorfer

Während viele große Industriekonzerne wie die voestalpine durch die Verschärfung der CO2-Bestimmungen Nachteile befürchten, profitiert der oberösterreichische Aluminiumkonzern AMAG davon maßgeblich. "Die Autoindustrie ist wegen der neuen Gesetze im totalen Umbruch", sagt Vorstandschef Helmut Wieser im KURIER-Gespräch. In den USA muss ab 2016 der durchschnittliche Flottenverbrauch deutlich sinken. In Europa ab 2020. Um die ambitionierten Ziele zu erreichen, kommt in der Fertigung statt Stahl vermehrt Aluminium zum Einsatz. "Das ist um die Hälfte leichter", sagt Wieser. Unterm Strich bedeutet das in Europa eine Verfünffachung des Absatzes von Aluminium, in den USA sogar eine Verzehnfachung. "Da wollen wir dabei sein", sagt Wieser.

Doch die Kapazitäten bei der AMAG in Ranshofen sind völlig ausgelastet. Wer jetzt bestellt, erhalte seine Lieferung im April, so Wieser. Daher wird sukzessive ausgebaut. Im Februar ging eine zusätzliche 220 Mio. Euro teure Walzanlage in Betrieb, eine Gießerei folgt bis Februar. 200 neue Jobs werden geschaffen. 2017 wird am Standort ein weiteres Werk mit 260 Mitarbeitern den Betrieb aufnehmen. Der Aufsichtsrat hat dazu diese Woche grünes Licht gegeben. 320 Millionen Euro werden investiert. "Wir verdoppeln die Kapazitäten und den Umsatz", sagt Wieser.

Kunden vor der Tür

Den Anteil der Produkte für die Autoindustrie will die AMAG so von 12 auf 18 Prozent ausbauen. Als Zulieferer der großen deutschen Oberklassehersteller befindet sich der Konzern in deren Einzugsgebiet. Daher sieht Wieser keinen Grund, das Werk anderswo als in Oberösterreich zu errichten. "Meine Kunden sind vor der Haustür. Sie wollen, dass wir hier ausbauen. Sie würden nicht verstehen, wenn wir nach China gehen, solange wir sie hier nicht vollständig beliefern können." Ein Werk in Asien auf einem anderen Kontinent sei denkbar, aber derzeit kein Thema. "Don’t fight too many wars", so Wieser.

Österreich ist super

Dem Standort hält der 60-Jährige auch aus einem anderen Grund die Treue. "Österreich ist ein super Land. Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit sind hoch", sagt der Manager, der zuvor 14 Jahre lang für den Branchenprimus Alcoa unter anderem in China, Russland und Australien tätig war.

Auch im Flugzeugbau sieht der Konzernchef großes Potenzial. "Die Zahl der Verkehrsflugzeuge wird sich bis 2030 auf 36.000 verdoppeln." In dem Bereich, der zehn Prozent zum Umsatz beiträgt, setze sich die Leichtbauweise ebenfalls sukzessive durch. Im Consumer Bereich wird u.a. Apple beliefert.

Die AMAG profitiert auch davon, dass in den vergangenen fünf Jahren weltweit 50 Aluminiumhütten geschlossen wurden, große Investitionen gab es nicht. Ausschlaggebend war eine Überproduktion seit 2007. Heuer gibt es jedoch ein Defizit (von 800.000 Tonnen), im nächsten Jahr soll es sich verdoppeln. Nun steigt der Aluminiumpreis, was der AMAG als Erzeuger zugutekommen sollte. In den ersten drei Quartalen fiel das Ergebnis wegen des niedrigen Preises um 9,7 Prozent auf 45 Mio. Euro.

Für den neuerlichen Ausbau nimmt die AMAG eine Fremdfinanzierung von 150 Mio. Euro in Anspruch. Den Rest stemmen die Mehrheitseigentümer (B&C Holding hält 50 Prozent). Der Streubesitz beträgt nur 13 Prozent. Dieser könnte sich 2017 erhöhen, sollte die kanadische Elektrolyse Alouette, an der die AMAG 20 Prozent hält, ausgebaut werden. Dann könnte es eine Kapitalerhöhung mit jungen Aktien geben.

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