Wirtschaft
28.07.2017

Sanktionen: Österreichs Russland-Exporte halbiert

Neues US-Gesetz trifft Exporteure in Erholungsphase: Möglicher Schaden für Österreich viel größer als bekannt.

Gerade waren die Handelsbeziehungen mit Russland dabei, sich etwas zu erholen. Von Jänner bis März 2017 haben Österreichs Warenausfuhren um 28 Prozent zugelegt. Klingt wie ein Boom; in Wahrheit war es eine kleine Trendwende nach dem riesigen Einbruch der Vorjahre.

Gegenüber dem Rekordjahr 2013 sind Österreichs Exporte im Vorjahr nämlich um fast die Hälfte (46 Prozent) zurückgegangen. Der Auslöser: Die nach der Krim-Annexion im Juli 2014 von den USA und der EU verhängten Sanktionen, Moskaus Vergeltungsmaßnahmen und die russische Krise inklusive Rubel-Schwankungen.

Jetzt droht der nächste Keulenschlag. "Wir gehen davon aus, dass es 2017 ein Plus von 15 bis 20 Prozent geben kann – wenn keine weiteren Sanktionen kommen", sagt Österreichs Wirtschaftsdelegierter in Moskau, Rudolf Lukavsky, zum KURIER.

Die Unsicherheit ist freilich groß: Wie berichtet beschließen die USA verschärfte Sanktionen, die als Nebeneffekt heimische Firmen in Geiselhaft nehmen könnten.

Auch Maschinenbauer

Lukavsky weist darauf hin, dass es sich dabei um Kann-Bestimmungen handelt: US-Präsident Donald Trump könnte Firmen bestrafen, die mit den Russen kooperieren, er muss es aber nicht tun.

Der Geltungsbereich des geplanten US-Gesetzes würde jedoch weiter reichen, als bisher bekannt. So wären nicht nur Projektpartner von russischen Pipelines (wie OMV) oder Stahllieferanten (wie voestalpine) Zielscheiben für US-Maßnahmen. Es könnte auch Zulieferer von Kränen, Pumpen und Ventilen treffen, erklärt Lukavsky – "was einige hundert Millionen Euro betragen könnte."

Und, noch gravierender: Die USA haben es besonders auf russische Staatsbetriebe in den Bereichen "Eisenbahnen, Schifffahrt, Metalle und Bergbau" abgesehen – wie die Staatsbahn RZHD und die Reederei Sovcomflot. Gerade diese Industrien machen aber "einen sehr großen Teil der österreichischen Exporte aus", so Lukavsky. "Die österreichische Maschinenbauindustrie hat schon unter den Rückgängen der Investitionen stark gelitten. Das wäre ein weiterer, langfristiger Rückschlag." Die Wunde sitzt tief: Wo immer es möglich ist, weichen die Russen auf asiatische Anbieter aus.

Indirekt könnten österreichische und EU-Banken geschädigt werden. Sie müssten sich von russischen Geschäftspartnern fernhalten, wenn diese von den ausgeweiteten US-Finanzsanktionen betroffen wären.

1,5 Mrd. Euro Schaden

Von den früher so wichtigen rotweißroten Lebensmittelexporten ist kaum etwas übrig geblieben. Die Einfuhr von Milch, Käse, Fleisch, Obst und Gemüse haben die Russen praktisch verboten. Nur Getränke sind noch erlaubt.

Das WIFO hatte Ende 2016 einen Österreich-Schaden von 1,5 Mrd. Euro durch die früheren Export-Einbrüche errechnet, was sich auf 20.000 Jobs auswirkte. Wenn die US-Sanktionen in Kraft treten, hätte dies jedenfalls "starke negative Konsequenzen" für Waren und Dienstleistungen, erwartet Lukavsky. Wie hoch der Schaden ausfällt, hängt jedoch von Trumps Agieren ab. Und von Russlands Reaktion.