Schirnhofer braucht zur Rettung seines Betriebes einen Investor.

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Insolvenz
12/01/2015

Bei Fleischerei Schirnhofer wackeln 269 Jobs

Steirisches Fleischerei-Unternehmen hat rund 29 Millionen Euro Schulden, ein Fortbetrieb ist geplant.

von Kid Möchel

Der KURIER hat schon vergangenen Freitag darüber berichtet, jetzt ist es fix: Der steirische Fleisch- und Wurstwarenerzeuger, die Schirnhofer GmbH, mit Sitz in Kaindorf, hat heute laut Creditreform und AKV ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beim Insolvenzgericht in Graz beantragt. Wesentliche Ursache ist der Konkurs des Hauptkunden Zielpunkt.

Rund 280 Gläubiger und 269 Mitarbeiter sind von den Pleite betroffen; etwa 70 Mitarbeiter werden auf Grund des Konkurses der Zielpunkt-Kette ihren Job bei Schirnhofer verlieren. Denn: Der steirische Familienbetrieb hat mehr als ein Drittel (37,2 Prozent) seines Umsatzes mit Zielpunkt erwirtschaftet, wie Firmenanwalt Stefan Weileder von der Grazer Kanzlei Graf & Pitkowitz dem KURIER bestätigt.

3,36 Mio. für Gläubigerquote

Das Unternehmen plant einen Fortbetrieb, eine Entschuldung mittels eines Sanierungsplans, und es will seinen Gläubigern 20 Prozent Quote innerhalb von zwei Jahren zahlen. Für die Gläubigerquote muss Schirnhofer rund 3,366 Millionen Euro aufbringen. Plus Steuern und Verfahrenskosten werden insgesamt 4,155 Millionen Euro hinzublättern sein.

Die Schulden

Die Verbindlichkeiten werden mit rund 29,05 Millionen Euro beziffert. Davon entfallen laut Insolvenzstatus 8,91 Millionen Euro auf Banken, 5,78 Millionen Euro auf Lieferanten, 2,83 Millionen Euro auf verbundene Unternehmen, 2,68 Millionen auf die Factoring-Bank Intermarket, 3,11 Millionen Euro auf Mitarbeiter-Forderungen und 4,85 Millionen Euro auf sonstige Verbindlichkeiten.

Bankschulden

Auffällig dabei ist, dass laut Insolvenzantrag die Bankschulden noch im September 2015 zehn Millionen Euro betragen haben. Hauptgläubiger unter den fünf Banken ist die Steiermärkische Bank und Sparkassen AG mit einem Obligo in Höhe von 4,7 Millionen Euro, gefolgt von den Volksbanken mit 3,2 Millionen Euro und der UniCredit Bank Austria mit 1,3 Millionen Euro sowie der Raiffeisenbank Pöllau-Birkfeld mit 600.000 Euro und der Hypo Vorarlberg mit 200.000 Euro. Offenbar wurde der Schuldenstand bei den Banken in den vergangenen Woche noch reduziert.

Wenig freies Vermögen

Die Aktiva werden mit 10,86 Millionen Euro beziffert, davon sind Werte in Höhe von 8,017 Millionen Euro mit Ab- und Aussonderungsrechten besichert, sprich die Betriebsliegenschaft, die Forderungen gegenüber Kunden und die Waren sind wahrscheinlich an Banken verpfändet. Mit rund 5,33 Millionen Euro sind die Banken besichert, mit 2,68 Millionen Euro das Factoring-Institut. Das freie Vermögen der Schirnhofer GmbH beträgt lediglich 2,844 Millionen Euro, davon entfallen 1,097 Millionen Euro auf offene Kundenforderungen.

Die Bilanzen

Im Jahr 2012/2013 setzte die Schirnhofer GmbH noch 68,72 Millionen Euro um, im abgelaufenen Geschäftsjahr 2014/2015 nur noch 62,5 Millionen Euro; davon entfielen 23,7 Millionen Euro Umsatz auf Zielpunkt. Das Ergebnis aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) drehte mit 2,894 Millionen Euro ins Minus, die Eigenkapitalquote sank von 17,84 auf 11,77 Prozent.

Die Zielpunkt-Misere

Eine der Pleite-Ursachen ist der Wegfall des Großkunden Zielpunkt. Seit 1997 betrieb Firmenchef Karl Schirnhofer in 254 Zielpunkt-Filialen ein Shop-in-Shop-System. Rund 1200 Schirnhofer-Mitarbeiter betreuten über die Jahre die Fleischtheken in den Zielpunkt-Märkten. Dieses Fleisch- und Wurstwarenagebot Schirnhofers war der Kundenmagnet von Zielpunkt. Mit der Zeit wurden die Fleischtheken aber deutlich weniger. Die Zahl der Schirnhofer-Mitarbeiter, die beim Diskonter arbeiteten, lag schon im Geschäftsjahr 2012/2013 nur noch bei 788 Personen.

"Nachhaltige Zusammenarbeit"

Die Zusammenarbeit zwischen Zielpunkt und Schirnhofer sollte eigentlich erst 2015 enden. Doch schon mit dem Einstieg der Pfeiffer-Gruppe (2012) bei Zielpunkt wurde das Angebot ausgedünnt. Schließlich waren es nur noch 60 Zielpunkt-Läden, in denen Schirnhofer-Mitarbeiter Fleisch und Wurst verkauften. Mit der Gesamtübernahme von Zielpunkt im Jahr 2014 hat Pfeiffer auch begonnen, die Feinkost-Abteilungen wieder einzugliedern.

Laut Creditreform wanderten (bis Februar 2015) mehr als 500 Schirnhofer-Mitarbeiter auf die Gehaltsliste der Handelskette. Im Gegenzug sollte Schirnhofer künftig die Zielpunkt-Kette langfristig und nachhaltig mit seinen Produkten beliefern.

Betriebe verkauft

Im Zuge eines Restrukturierungsprogrammes verpachtete der bodenständige Unternehmer Karl Schirnhofer seinen Schlachtbetrieb (Schirnhofer Schlachthof GmbH) für Schweine in Großsteinbach (Bezirk Hartberg-Fürstenfeld) an die Steirerfleisch-Gruppe. Im vergangenen Juli verkaufte der Unternehmer zwei Betriebe an die Villacher Fleischwerke Marcher: den Fleisch- und Wurstwarenproduzenten Aibler in Oberwaltersdorf, Niederösterreich, und den Fertiggerichte-Erzeuger Wilhelm Blasko Convenience in Bruck an der Mur. Beide Firmen beschäftigen laut Creditreform insgesamt 365 Mitarbeiter. Mit den Verkäufen halbierte sich der Schirnhofer-Umsatz nahezu.

Zugleich wurde eine Betriebsliegenschaft der Weiss Fleischveredelung GmbH, die auch zur Schirnhofer-Gruppe gehört, verwertet. Das Restrukturierungsprogramm konnte aber auf Grund der Zielpunkt-Pleite nicht mehr erfolgreich abgeschlossen werden.

Fleischnachschub fehlte

Mehr noch: "Die Zielpunkt-Pleite hat bei den Schirnhofer-Lieferanten zu einer enormen Verunsicherung geführt", heißt es im Insolvenzantrag. Geliefert wurde nur noch gegen Barzahlung. "Da die Verarbeitung des gelieferten Fleisches innerhalb kurzer Zeit erfolgen muss, und Schirnhofer über keine bedeutendes Fleischlager verfügt, drohte innerhalb der nächsten Tage der Ausfall des Fleischnachschubs", heißt es weiter. "Die Konsequenz wäre ein Betriebsstillstand gewesen, sowie eine Auslistung bei den wesentlichen Groß- und Einzelhändlern." Schirnhofer zog die Reißleine und räumte die Zahlungsunfähigkeit vor Gericht ein.

Das Firmennetzwerk

Die Schirnhofer Familien Unternehmen Holding GmbH ist die Dachgesellschaft der Kaindorfer Firmengruppe. Sie gehört zu hundert Prozent der Schirnhofer Beteiligungs GmbH. Die Holding hält laut Credireform und Firmenkompass Anteile an der Schirnhofer GmbH (75 Prozent), an der Schirnhofer Schlachthof GmbH (98 Prozent) und an der Schirnhofer Vermögensverwaltungs GmbH (100 Prozent). Die Schirnhofer GmbH hält 99 Prozent an der Weiss Fleischveredelung GmbH in Leoben, die laut Creditrefrom aber "ruhend gestellt" sein soll.

Die Schirnhofer GmbH wiederum hält 60 Prozent der Anteile an der Almenlandregionsentwicklungs GmbH, je 20 Prozent halten der Tourismusverband Almenland Teichalm-Sommeralm und die Regionale Gemeinschaftsinitiative Almenland Teichalm-Sommeralm. Im Mittelpunkt steht die touristische Weiterentwicklung des regionalen Naturparks. Im Sommer weiden dort bis zu 3000 Almochsen, deren Premium-Rindfleisch unter der geschützten Marke Almo in den Handel gelangt.

Indes gehört die Schirnhofer Fleischwarenproduktion Unternehmensberatung Gesellschaft m.b.H. zu 100 Prozent der Cleveland Privatstiftung, deren Stifter Karl Schirnhofer und Gottfrieda Kaiser sind. Im Stiftungsvorstand sitzen unter anderem die zwei Wiener Anwälte Schirnhofers.

Der 54-jährige Fleischer Karl Schirnhofer ist auch geschäftsführender Alleingesellschafter der SCHIRNI Unternehmensbeteiligungs- und Holding GmbH, sie hält Beteiligungen an der Light Base Europe GmbH (100 Prozent) und an der Styrian Green Energy Energieerzeugungs- und Vermarktungs GmbH (100 Prozent).

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